Mobility

„Ich wurde fast umgebracht“ – 10 Fragen an Stuart McDonald von Travelfish

geschrieben von Marinela Potor

Reisen, vernetzt sein, für Bewegungsfreiheit kämpfen – Mobilität hat viele Facetten. In unserer neuen Serie „10 Fragen an…“ sprechen wir mit Menschen auf Achse darüber, was sie bewegt. Diesmal im Gespräch: Stuart McDonald von Travelfish.

Vor 13 Jahren hat der Australier Stuart McDonald Travelfish.org gegründet, eines der bekanntesten englischsprachigen Informations-Blogs für Südostasien. Seitdem reist er meist alleine (und ab und zu mit seiner Familie) durch die Region – und ist nach wie vor fasziniert.

1. Ich bin digitaler Nomade, weil…

…ich das Gefühl liebe, in Bewegung zu sein. Ich reise am liebsten in einem altmodischen Zug. Die Art mit Ventilator, wo man Snacks von vorbeilaufenden Verkäufern erstehen kann, wo ich die Sonne untergehen sehen kann, wo ich das Fenster aufmachen und meinen Kopf herausstrecken kann und die Brise fühle, und ich dabei sehe, wie ein Land langsam an mir vorbeizieht. Klick – Klack. Ich liebe das! Ich finde, das Reisen über Land und Wasser, also per Zug, Bus oder Boot, fast immer spannender und emotionaler als per Flugzeug.

Motorradtour durch Nord-Thailand (Bild: Stuart McDonald)

2. Womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?

Meine Frau Samantha und ich (und unser Autorenteam) leiten Travelfish seit etwa 13 Jahren. Wenn ich also reise, ist es tatsächlich fast immer für Travelfish. Wie alle Autoren bekomme ich einen Tagessatz für die Zeit unterwegs sowie einen Zuschuss für Ausgaben und Unterkunft. Da ich ein sehr sparsamer Reisender bin, komme ich damit sehr gut aus.

3. Auf welchen Gegenstand könntest du selbst auf Reisen nie verzichten?

Es ist mir fast ein bisschen peinlich zuzugeben, aber an erster Stelle steht wohl mein Handy, direkt an zweiter Stelle aber eine (Papier)-Karte. Ich liebe detaillierte regionale Landkarten, damit lassen sich wunderbar zufällige Orte entdecken. Lokale Karten, also Landkarten, die das zeigen, was für Locals wichtig ist, sind ebenfalls eine interessante Möglichkeit, um neue Orte zu finden.

4. Ohne welche digitalen Tools könntest du nicht mehr leben?

Mein iPhone – definitiv! Ich organisiere alles Berufliche damit, und es ist einfach ein tolles Tool, um Dinge unterwegs zu recherchieren. Mit einem Tablet konnte ich auf Reisen noch nie viel anfangen, aber ich habe immer auch mein MacBook und meine Nikon D5200* dabei. Das war‘s aber eigentlich auch schon an digitalen Tools, da ich versuche, so leicht und sparsam wie möglich zu packen.

5. Beende diesen Satz: Minimalismus ist…

… all dein Gepäck zu vergessen, ohne dass es dich stört.

6. Wo ist dein Lieblingsort?

Im Moment bin ich ein großer Fan von Sumbawa in Ost-Indonesien. Außer ein paar Surfern hier und da findet man dort keine anderen Reisenden – und ist an einem unglaublich schönen Ort. Tolle Menschen, ein großartiger Vulkan (Tambora) und sehr viele einsame Inseln, die man entdecken kann.

7. Was ist das Schlimmste und das Schönste, das dir unterwegs bisher passiert ist?

Ich wurde einmal fast umgebracht – und bin nur ganz knapp entkommen. Das war vor einigen Jahren. Damals war ich alleine mit Motorrad im Norden von Laos unterwegs und wurde von zwei bewaffneten Banditen angegriffen. Das war wohl das schlimmste Erlebnis. Auf den Gipfeln von Tambora und Rinjani anzukommen gehört wiederum zu den beeindruckendsten Erlebnissen. Indonesien ist einfach ein toller Ort, um Vulkane zu besteigen.

Endlich oben! Wanderung zum Rinjani-Krater, Indonesien (Bild: Stuart McDonald)

8. Wie gehst du damit um, so lange von Familie und Freunden getrennt zu sein?

Ich versuche nur kurze Reisen (unter einem Monat) zu unternehmen. Die weite Verbreitung des Internets heutzutage sowie Skype machen es mir wirklich einfach, mit meiner Familie in Kontakt zu bleiben.

9. Wie funktioniert die Liebe bei dir und deinem Leben auf Reisen?

Sam und ich kannten uns gerade sechs Monate, als wir dann gemeinsam ein Jahr auf Weltreise gegangen sind – das war vor 20 Jahren. Wenn du mit jemandem zusammen reisen kannst, kannst du mit dieser Person wirklich alles gemeinsam machen! Wir beide reisen gerne – wenn auch am liebsten alleine – und das scheint für uns ganz gut zu funktionieren. Wahrscheinlich hauptsächlich deshalb, weil meine Frau einsame Spitze ist!

10. Könntest du dir auch wieder vorstellen, wieder in Deutschland zu leben (und in einem Nine-To-Five-Bürojob zu arbeiten 🙂 ) ?

Ich glaube, es wäre eine ganz schöne Herausforderung für mich, zurück nach Australien zu ziehen. In diesem Jahr werden es 20 Jahre, in denen wir in Südostasien leben (wir haben in Thailand, Kambodscha und Indonesien gelebt). Von daher wäre es ein ganz schöner Kulturschock, wieder in Sydney zu sein. Aber, wer weiß, es kann schon sein, dass wir eines Tages wieder in Australien landen. Travelfish ist eigentlich wie ein Nine-To-Five-Bürojob, nur dass ich natürlich meine eigenen Zeiten setze, auf Reisen arbeiten kann – und es durchweg genieße.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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