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„Die kürzeste Fahrt dauerte weniger als eine Minute“: 10 Fragen an Jens Wohltorf von Blacklane

geschrieben von Marinela Potor

Was bedeutet Mobilität? In unserer Serie „10 Fragen an…“ sprechen wir genau darüber mit verschiedenen Experten der Branche. Diesmal im Gespräch: Blacklane-Mitgründer Jens Wohltorf.

Was im Jahr 2011 mit einer Beta-Webseite angefangen hat, ist heute zu einem bedeutenden Player in der Mobilitätsbranche gewachsen: Blacklane. Der Limousinenservice für Geschäftsreisende ist in über 50 Ländern präsent und erfolgreich. Jens Wohltorf und Frank Steuer sind die beiden Gründer hinter Blacklane. Wir haben Jens Wohltorf gefragt,  was der bisher verrückteste Kundenwunsch war und ob ihn der ständige Vergleich mit Uber eigentlich nervt.

Blacklane-Gründer Frank Steuer (links) und Jens Wohltorf (BIld: Blacklane)

1. Was bedeutet Mobilität für euch?

Moderne Mobilität bedeutet aus unserer Sicht, überall komfortabel von A nach B zu kommen und sich als Kunde jederzeit für dasjenige Transportmittel entscheiden zu können, das am besten zur der jeweiligen Situation passt. Aber auch die Buchungserfahrung gehört dazu: Die Buchung muss einfach, flexibel und intuitiv sein, technisch gesehen flüssig funktionieren und optisch ansprechend aussehen.

2. Wie kommt ihr täglich zur Arbeit?

Frank nutzt oft und gerne lokale Carsharing-Angebote, während ich zumeist auf den öffentlichen Personennahverkehr zurückgreife.

3. Was macht ihr, wenn ihr im Stau steht?

Das kommt eigentlich so gut wie nie vor, weil wir Staus umfahren oder in Stoßzeiten auf andere Verkehrsmittel ausweichen.

4. Was ist euer liebstes Transportmittel (außer Blacklane, natürlich)?

Das lässt sich nicht eindeutig beantworten, da wir das je nach Situation entscheiden und aus der Vielfalt der existierenden Mobilitätsdienste je nach Bedarf auswählen.

5. Was ist die verrückteste Strecke, die schon mal jemand mit Blacklane gebucht hat?

Bemwerkenswert sind in jedem Fall die Extreme: Die längste Fahrt, die mit uns gebucht wurde, dauerte 20 Stunden und war 1.556,04 km lang. Da hat ein Fahrgast mit Blacklane fast ganz Nordindien am Stück durchquert. Die kürzeste Fahrt hingegen dauerte weniger als eine Minute und führte nur vier Meter weit – sie fand in Stuttgart statt.

6. Blacklane wird sehr oft mit Uber verglichen. Nervt euch der Vergleich eigentlich?

Man kann nicht erwarten, dass jeder die Entwicklungen in der Mobilitätsszene verfolgt und systematische Wettbewerbsanalysen durchführt. Im Vergleich zu Blacklane haben Ridesharing-Angebote jedoch ein sehr verschiedenes Geschäftsmodell und bedienen auch entsprechend eine andere Zielgruppe, weshalb wir ihren Service eher als komplementär zu unserem betrachten.

Mit Taxi- und Ridesharing werden meist kürzere Distanzen gefahren, oft in der Freizeit und spontan. Blacklane hingegen wird eher von Geschäftsreisenden genutzt, die mit uns lange Strecken zurücklegen und deswegen auch höheren Wert auf Komfort, Verlässlichkeit und Planbarkeit legen.

7. Viele Mobilitätsexperten fordern immer wieder visionäre Vordenker wie Travis Kalanick von Uber, die aktuelle Konzepte komplett umwerfen. Ihr dagegen seid sehr erfolgreich, indem ihr euch an die Regeln haltet. Gewinnt spießig letztendlich gegen disruptiv?

Disruption ist eine Frage der Betrachtungsweise: Sie muss nicht unbedingt destruktiv sein, sondern kann auch einen Anstoß für konstruktive Marktveränderungen bieten. Welche Mobilitätsservices von Kunden angenommen und langfristig erfolgreich sein werden, entscheidet sich jedoch nicht anhand derartiger Kategorien.

Vielmehr geht es langfristig darum, welcher Anbieter den Kundennutzen am nachhaltigsten bedient. Was für eine Serviceerfahrung die Kunden machen. Wie sie die Dienstleistung erleben. Ob sie das Gefühl haben, einen angemessenen Preis zu zahlen und letztlich auch, wie verbunden sich die angeschlossenen Fahrdienstleiter dem Geschäftsmodell fühlen. Das sind die Faktoren, die über den Erfolg eines Unternehmens langfristig entscheiden.

Blacklane ist mit einer konstruktiven Interpretation des Disruptionsbegriffes bislang sehr gut gefahren und kann mit Stolz auf einen etablierten Service in mehr als 50 Ländern und hoher Kunden- und Fahrerzufriedenheit zurückblicken. Dennoch sehen wir noch immense Potentiale und sind hochmotiviert, den erfolgreichen Weg konsequent weiter zu verfolgen.

8. Nun seid sogar auch ihr schon mal unter die Kritik von Taxi-Verbänden geraten: Ist die Transport-Lobby in Deutschland zu einflussreich?

Alle Marktteilnehmer arbeiten im eigenen Interesse. Dass die Interessenvertretung der Taxis das auch tut, ist nachvollziehbar. Da wir mit Blacklane nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in über 50 Ländern aktiv sind, setzen wir uns in über 50 Märkten mit anderen Marktteilnehmern auseinander. Aus unserer Sicht besteht hier aber ohnehin wenig Konfliktpotential, da Blacklane einen gegenüber der Taxiindustrie sehr komplementären Service darstellt.

9. Ihr schaut auch schon in andere Bereiche. Ihr arbeitet zum Beispiel mit Distributionspartnern aus der Reisebranche wie booking.com: Wohin wollt ihr euch als Unternehmen mit solchen Partnern bewegen?

Blacklanes Ziel ist es, auf allen Kanälen präsent zu sein, wo Kunden ihre Reisen buchen und ein professioneller Fahrdienst einen hohen Mehrwert bieten kann. Einer dieser Vertriebswege ist die Integration auf Plattformen wie Booking.com, Expedia oder auf Webseiten von Autovermietern oder Fluggesellschaften wie Hertz oder Finnair.

Überall dort können Kunden Blacklane als Teil Ihrer Reise mitbuchen. Vor allem Kunden, die uns noch nicht kennen, aber grundsätzlich über derartige Plattformen mit einem breiten Angebot ihre Reise zusammenstellen, können so einfach auf uns aufmerksam gemacht werden. Auf diese Weise vergrößern wir auch langfristig unsere Stammkundschaft.

10. Wenn ihr in eure Kristallkugel schaut: Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus?

Aus Kundenperspektive betrachtet wird Mobilität noch schneller und leichter buchbar sein, da sich die unterschiedlichen Anbieter immer enger verzahnen und ihr Angebot zugänglicher machen werden. Wenn wir an die Fortbewerbung in Smart Cities denken, wird Mobilität noch verlässlicher und geordneter werden, da die Verfügbarkeit von Transportmitteln leichter zu antizipieren sein wird.

Natürlich werden auch ganz neue Formen von Mobilität entstehen, die heute noch eher nach Science Fiction klingen. Das eigene Automobil, welches schon heute nur wenige Minuten am Tag aktiv genutzt wird, wird jedoch langfristig der Vergangenheit angehören.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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