Future Transport

Elektroautos fehlt Zuspruch: 10 Fragen an Nunzio La Vecchia von Nanoflowcell

geschrieben von Marinela Potor

Eigenes Auto oder Carsharing? Autonomes Fahren oder Marsreise? In unserer Serie „10 Fragen an…“ sprechen wir über kontroverse Mobilitätsfragen mit verschiedenen Experten. Diesmal im Gespräch: Nunzio La Vecchia, CEO von Nanoflowcell.

Seit 2009 arbeitet die Schweizer Firma Nanoflowcell an einem Elektroauto mit Flusszellenbatterie und – mit sportlichem Design. Manche nennen das Unternehmen deshalb „Tesla-Killer“. Doch statt der bei E-Autos üblichen Lithium-Ionen-Akkus setzt Nanoflowcell auf eine außergewöhnliche Antriebsform, Salzwasser. Genauer genommen handelt es sich dabei um eine Flusszellen-Batterie, die den nötigen Strom durch eine elektrolytische Flüssigkeit, also einer Lösung mit Metallsazlen, generiert.

Wir haben Nunzio La Vecchia, CEO von Nanoflowcell zehn Entscheidungsfragen gestellt, von Elektroautos über Carsharing bis hin zum Sportfliegen.

Mobility Mag: Zugfahren oder Autofahren?

Nunzio La Vecchia: Ich bin ein begeisterter Autofahrer – nicht nur, wenn es um ausgiebige Testfahrten mit unseren QUANTs geht. Hier in der Schweiz erreiche ich alle meine Ziele bequem mit dem Auto. Von daher steht das Auto an erster Stelle meiner präferierten Fortbewegungsmittel.

Nunzio La Vecchia Nanoflowcell

Nunzio La Vecchia testet einen Quant (Bild: Nanoflowcell Holdings Ltd.)

In den Urlaub fahren oder fliegen?

Urlaub? Den habe ich seit langer Zeit nicht mehr gehabt. Eigentlich unverzeihlich hinsichtlich einer verantwortungsvollen Work-Life-Balance. Doch die letzten Jahre waren beruflich spannend, aber auch zeitraubend – wie das so ist, wenn man ein Forschungsprojekt voranbringen möchte. Um zu entspannen fahre ich übers Wochenende gerne ins Tessin, bin mit dem Auto aber auch schnell im Allgäu, in Norditalien oder in den Vogesen. Ungeachtet dessen, Fliegen ist eine Leidenschaft von mir. Als Sportpilot halte ich aber gerne selber das Ruder in der Hand. Vielleicht kann man es so ausdrücken: ich fliege lieber im Urlaub, als in den Urlaub zu fliegen.

Eigenes Auto oder Carsharing?

Ich wohne abseits der Metropole – zu dünn besiedelt, um für Carsharing interessant zu sein. Dennoch finde ich Carsharing sinnvoll, vor allem wenn ich bedenke, dass mein Wagen in den vergangenen Monaten meist nur in der Garage stand.

Mit unserem eigenen Antrieb für Elektrofahrzeuge schaffen wir die Voraussetzung für saubere und smogfreie Innenstädte, und Carsharing wird dabei helfen, dass Autos weniger Raum in den Innenstädten beanspruchen. Während das Prinzip hinter Nanoflowcell vergleichsweise einfach und praktisch für den Verbraucher ist, erfordert Carsharing hingegen, dass sich das individuelle Mobilitätsdenken ändert.

Elektroautos oder Wasserstoff?

Elektroautos kommen gut ohne Brennstoffzellen aus. Wasserstoff kann eine Insellösung sein, beispielsweise dort, wo Wasserstoff ein Nebenprodukt eines Produktionsprozesses ist. Diese Firmen sollten ihre Fahrzeugflotte mit Wasserstoff betreiben – besser als diesen abzufackeln. Um jedoch Wasserstoff für alle Autofahrer herstellen zu können, muss dieser industriell in sehr großen Mengen produziert werden. Dies erfordert viel Energie – Strom also.

Mehr als doppelt so viel Strom ist nötig, um die Menge Wasserstoff herzustellen, mit der ein Brennstoffzellenfahrzeug 100 Kilometer weit fährt, wie derzeit ein batteriebetriebenes Elektroauto auf 100 Kilometern verbraucht. Industriell hergestellter Wasserstoff ist also kein effizienter Energieträger. Zudem ist Wasserstoff sehr flüchtig und leicht entzündlich, also explosiv. Dies bedingt eine aufwendige Handhabung bei der Herstellung, dem Transport und der Lagerung. Ich finde, dass Wasserstoff weder eine sichere noch umweltfreundliche Energie-Lösung ist.

Nicht umsonst favorisierten wir bei der Entwicklung unserer Flusszellentechnologie einen Energieträger – bi-ION – der umweltfreundlich, gesundheitlich unschädlich, weder brennbar noch explosiv und somit sicher ist.

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Der Quant wird von einer Flusszellen-Batterie angetrieben. (Bild: Nanoflowcell)

In was sollten Regierungen eher investieren: Elektromobilität oder autonomes Fahren?

Aus unserer Sicht: in Elektromobilität. Ich persönlich begrüße die Grundsatzdiskussion, die derzeit aufkeimt, dass Elektromobilität in ihrer jetzigen Form – also mit Lithium-Ionen-Batterien – nicht wirklich umweltfreundlich ist. Die Frage, wie sie gestaltet sein muss, um ökologisch nachhaltig zu sein, gibt alternativen Antriebsenergien wie etwa unserer Flusszelle Raum in der öffentlichen Diskussion. Wir haben somit Gelegenheit, unsere Alternative für eine verantwortungsvolle und umweltgerechte Elektromobilität aufzeigen.

Elektroautos fehlt derzeit der breite Zuspruch, weil sie mit zu vielen Einschränkungen und Kompromissen behaftet sind – geringe Reichweite, umständliches Ladeprozedere, hohe Anschaffungskosten und immanente Sicherheitsrisiken. Wir bieten der Elektromobilität eine Technologie, die keine Kompromisse kennt: Unserer Technologie ermöglicht gewohnte Reichweiten und bequemes Tanken ebenso selbstverständlich wie Kostenneutralität und inhärente Sicherheit dank Niedervolttechnologie.

Der Ausgang der Diskussion rund um das Thema Elektromobilität, respektive die daraus folgenden Handlungsanleitungen seitens der Politik und Wirtschaft, werden fundamental über die Zukunft unserer Umwelt entscheiden – abhängig davon welcher Energieträger sich in der Elektromobilität durchsetzt, kann dies auch richtungsweisend für stationäre Energien sein.

Tesla oder E-Smart?

Beide Marken decken mit ihren Fahrzeugen bestimmte Kundenbedürfnisse ab und haben ihre eigene „Fan-Gemeinde“. Wenn beide Unternehmen ihre Elektroautos in Zukunft mit umweltgerechtem nanoFlowcell-Antrieb ausstatten, anstatt mit umweltnachteiligen Lithium-Ionen-Batterien, wird zwischen beiden Marken da kein „oder“ stehen, sondern ein „und“. 🙂

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Nanoflowcell setzt beim Quant auf sportliches Design. (Bild: Nanoflowcell)

Im Stau warten oder den Stau umfahren?

Dritte Alternative: Stau vermeiden?

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass „Stauumleitung“ nur heißt, dass der Stau umgeleitet wird und nicht dass er sich dadurch die Umleitung auflöst. In der Stauforschung gibt es ja bereits viele interessante Mobilität-Forschungsprojekte, deren Ziel es ist, Staus erst gar nicht entstehen zu lassen. Vielleicht lernen wir da noch von den Ameisen – trotz scheinbar wirrem Gewusel und dichtem Gedränge entsteht bei Ameisen-Kolonnen nie Stau. Es gibt keine hektischen Spurwechsel, keine waghalsigen Überholmanöver, kein abruptes Bremsen, oder Tagträumen auf der linken Spur. Gefahrenstellen und Unfallstellen werden mit souveräner Gleichmäßigkeit passiert, ohne dass Gaffer-Staus entstehen. Solange wir uns im Straßenverkehr jedoch so verhalten, müssen wir leider Staus akzeptieren.

Klassisches Fahrrad oder E-Bike?

Unser Unternehmen ist spezialisiert auf innovative Energie-Technologien, daher interessiere ich mich berufsbedingt eher für E-Bikes. Ich bin jedoch mit einem klassischen Fahrrad groß geworden – mein Vehikel der Mobilität als Teenager. Denn die Strecke bis zu meinen Freunden im nächsten Dorf ließ sich leichter radeln als gehen. Heute steige ich aufs Rad und trete in die Pedale, um meine Kondition zu trainieren. Sportlichkeit steht im Vordergrund, nicht die Mobilität.

Doch ich kann die Attraktivität des E-Bikes nachvollziehen, insofern es Bequemlichkeit unterstützt; mit dem E-Bike steigen nun wieder mehr Menschen aufs Rad, die sich bislang zu unsportlich dafür hielten. Kurze Strecken werden mit dem E-Bike zurückgelegt, anstatt mit dem Auto. Das führt zu mehr Bewegung und zu weniger Autos auf den Straßen – beides ist gut.

Taxi oder Uber?

Ist das hierzulande nicht mittlerweile das Gleiche? Ich finde die ursprüngliche Uber-Unternehmensidee, die aus der Sharing Economy kommt sehr überzeugend. Die vielfältige Kritik, der sich Uber in vielen Ländern ausgesetzt sieht, mag nachvollziehbar sein. Der Erfolg des Unternehmens zeigt aber, dass es den Nerv vieler Verbraucher trifft. Die Nachfrage ist da und sie ist groß. Das Uber-Prinzip verändert einen ganzen Dienstleistungssektor. Klar, dass dies zu Kontroversen führt und Widerstand erzeugt. Zweifel, Neid, Missgunst. Sind das nicht häufig Standard-Reaktionen auf innovative und wegweisende Ideen?

Was kommt eher: Autonome Autos oder Reisen zum Mars?

Bereits 2025 soll ja die erste bemannte Reise zum Mars stattfinden. Ich denke, dass während die ersten Menschen zum Mars reisen, die Ethik-Abteilungen der Autofirmen noch immer Grundsatzdebatten mit den politischen Kommissionen und der juristischen Wissenschaft über die ethischen Prinzipien selbstfahrender Autos führen werden. Sehr surreal. Meine Zielsetzung und die der Nanoflowcell Holdings ist da pragmatisch: Wir versuchen einige der Umweltprobleme hier auf der Erde in den Griff zu bekommen, bevor der Mars – Gott bewahre – zu unserem letzten Zufluchtsort wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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