Mobile Living

Die Digitale-Nomaden-Abzocke: Lauft nicht den Rattenfängern hinterher!

Wut wütend
geschrieben von Marinela Potor

Ich bin ein wenig sauer. Wobei, „sauer” ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort, eher genervt. Das aber so richtig! Je mehr ich über digitale Nomaden schreibe, je mehr Facebook-Gruppen ich beitrete und je mehr Blogs ich lese, umso mehr fühle ich mich an das Topmodel-Syndrom erinnert. Ein paar Worte dazu.

Für diejenigen unter euch, die diese Shows nicht so regelmäßig schauen wie ich (hüstel): Man könnte es auch das „Deutschland-sucht-den-Superstar Syndrom“ oder das „Popstar-Syndrom“ nennen. Gemeint ist damit ein Phänomen, in denen Menschen ein Traum verkauft wird, und zwar für so richtig viel Geld. Genau dasselbe scheint mir im Moment in der digitalen Nomadenszene zu passieren. Digitale Nomaden der ersten Generation, die durch Glück oder Zufall in dieses Leben gerutscht sind, verdienen nun richtig viel Geld damit, indem sie anderen den tropischen Traum verkaufen. Und das nervt!

Neulinge werden mit Halbwahrheiten ins Netz gelockt

Versteht mich nicht falsch, ich bin die Erste, die von diesem Lebensstil begeistert ist und jeden, der diesen Traum hat, auch dazu ermuntern wird. Ich schreibe gerne über mein Leben auf Achse und gebe meine Erfahrungen weiter, versuche eure Fragen zu beantworten und euch so viele hilfreiche Tipps zu geben, die ich auf Lager habe. Deswegen bin ich auch erstmal recht begeistert von allen Slack-Gruppen, Facebook-Gemeinschaften und Meetups, wo alle, die es interessiert, so viele Informationen wie möglich bekommen können. Wovon ich allerdings weniger begeistert bin, sind Websites, auf denen die Betreiber sich als Digitale-Nomaden-Experten darstellen und eigentlich nur sinnlosen Inhalt posten, der dann natürlich noch zu irgendwelchen E-Books, Blogcamps oder Produkten verlinkt, die man für viel Geld erstehen kann.

Diese Blogger machen, rational betrachtet, alles richtig: Sie haben einen Markt erkannt, und monetarisieren ihn. Was sie dabei verkaufen, ist weniger ein Produkt als ein Lebenstraum – und damit kann man momentan anscheinend so richtig viel Geld verdienen. Deshalb springen wahrscheinlich auch derzeit so viele auf diesen Zug mit auf. Während dies einerseits natürlich sehr clever ist, hadere ich hier mit meinem Verständnis. Es ist eine Sache, mit seinem Wissen Geld zu verdienen oder sich einen Markt aufzubauen, weil man clever ist. Das andere ist, Versprechen zu verkaufen, die man nicht unbedingt erfüllen kann und mit Halbwahrheiten andere in das Netz der digitalen Nomaden zu locken.

Topmodel-Shows als Beispiel

Verzeiht mir hier nochmal die Parallele zu den Topmodel-Shows. In diesen Shows passiert nämlich seit Jahren genau das gleiche, wenn auch natürlich auf höherem Niveau. Diese Shows ziehen Tausende von jungen Mädchen (und mittlerweile auch Jungen) magisch an, mit dem Traum des glamourösen Jetsetter-Lebens als Supermodel, das die ganze Welt bereist, von allen angehimmelt und dabei reich wird. Wer sich aber die Realität anschaut, erkennt schnell, dass dieser Traum nur für die wenigsten wahr wird (und zwar hauptsächlich für die Models, die wie Heidi Klum, Tyra Banks oder Tyson Beckford auch noch clevere Geschäftsleute sind).

Die meisten Models dagegen hadern mit sich und ihrem Aussehen, Magersucht und Drogenkonsum sind altbekannte Probleme in der Szene. Models leben nicht in tollen Villen in L.A., sondern vorwiegend in vollgestopften Model-WGs (wo der Konkurrenzdruck so groß ist, dass man entweder darunter zusammenbricht oder in ungesundes Verhalten abrutscht). Viel Geld verdienen die wenigsten dabei, es sind eher die Agenturen, die groß abräumen, oder – im Fall der TV-Shows – die Produzenten und Fernsehanstalten sowie sämtliche Werbepartner.

Mit Luftschlössern das große Geld abräumen

Ganz so extrem ist es mit dem Traum der digitalen Nomaden (noch) nicht, aber wenn ich digitale Nomadencamps in Thailand sehe, für die Teilnehmer Tausende von Euro zahlen müssen und die nur in sehr vagen Worten beschreiben, was man als Endprodukt mitnimmt, außer wahrscheinlich einer netten, wenn auch teuren Urlaubserfahrung, dann fange ich an, an der Ehrlichkeit dieser digitalen Nomaden zu zweifeln. Was kann man wirklich auf so einem Camp lernen, was man sich nicht selbst beibringen oder sich mit ein wenig Recherche oder Networking aneignen kann? Gerade wenn man als Psychologe oder Anwalt online arbeitet oder arbeiten möchte, wie können solche teuren Events einem beruflich helfen? Wird hier zum x-ten Mal wiedergekäut, wie man Geld mit einem Blog verdienen kann? Oder werden hier weitere Merchandise-Produkte verkauft, die euch erfolgreich machen sollen, aber in Wahrheit nur den Betreibern Geld einbringen?

Während ich fest glaube, dass Expertenwissen gut bezahlt werden sollte, frage ich mich bei vielen dieser Traumfänger, ob das Wissen hinter ihren Angeboten tatsächlich so fundiert ist. Ja, sie hatten das Glück mit ihren Geschäftsideen erfolgreich zu sein. Aber macht sie das gleich zu Experten für alle digitale Nomaden? Viele dieser so genannten Experten haben inhaltsleere, schlecht geschriebene Blogs, auf denen ich nur Affiliate-Links und Eigenwerbung finde – und das ist für mich ein Problem. Wenn ihr jemand seid, der Frauen, die sich selbständig machen wollen großartige Tipps gebt, oder wenn ihr eure Themen sehr gut recherchiert, dann ist es mehr als berechtigt, dafür Geld zu verlangen. Wenn aber Luftschlösser verkauft werden, dann finde ich das schlicht und einfach mies. Schön, wenn andere damit Geld verdienen, aber unterstützt werden muss das noch lange nicht!

Glaubt den Märchenerzählern nicht alles!

Denn, was die wenigsten erwähnen, in all dem Lob für das tolle Nomadenleben, sind die harten Seiten des Lebens. Natürlich nehmen wir das gerne in Kauf, dennoch sollte man hier ehrlich sein. Die meisten digitalen Nomaden leben in Südostasien nicht weil es dort so paradiesisch ist (wobei das natürlich nicht stört), sondern weil sie es sich mit ihrem Gehalt als Copywriter oder Blogger einfach nicht leisten könnten, in Deutschland oder Kanada zu leben. Mit diesem Leben verdient man nicht das große Geld, zumindest nicht am Anfang. Und in stickigen Hostelzimmern zu arbeiten, während andere am Strand liegen, ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Würde ich lieber reisen wie die Backpacker, die ein Jahr lang auf Weltreise gehen und keinen Finger rühren? Natürlich! Würde ich gerne ein deutsches Gehalt verdienen? Klar!

Ich arbeite hart daran und jedes Jahr wird einfacher und erfolgreicher, doch ein Zuckerschlecken und faules In-der-Sonne-Liegen ist das nicht. Das sollte man Möchtegern-Nomaden auch klar sagen. Diejenigen, die tatsächlich viel Geld mit ihren Websites, Konferenzen und Seminaren verdienen, die verraten wiederum selten, wie sie das genau tun und wie viel Geld sie eigentlich verdienen. Das ergibt ja auch Sinn: Man will nicht zu viel Hilfe und Unterstützung geben, damit andere es einem nicht nachmachen – und dann plötzlich feststellen, dass man nur heiße Luft verkauft hat.

Lasst die Rattenfänger reden

Digitale Nomaden ist ein Schlagwort geworden, unter dem man so ziemlich alles verkaufen kann: E-Books, Videoseminare, teure Urlaube in „exotischen“ Orten. Ich habe auf einer Facebook-Gruppe für digitale Nomaden ein „Angebot“ gesehen, in dem ein Pärchen eine Kajüte für digitale Nomaden auf einem Katamaran für sage und schreibe 400 US-Dollar pro Woche anbietet, ohne Mahlzeiten oder Hafengebühr. Mal abgesehen von der Frage, wer sich das leisten kann und will und wie gut dieses Angebot wirklich ist, fällt auf, wie mit dem Modewort „digital nomad“ auf einmal alles versehen wird, was irgendwie mit Reisen zu tun hat und mit dem man viel Geld verdienen möchte.

Natürlich gibt es viele tolle Ideen, interessante Projekte und viele ehrliche Nomaden, die tatsächlich fachkundig sind oder auch einfach ohne großes Eigenmarketing ein tolles Leben auf Reisen führen. Und natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, für welche Events er wie viel Geld ausgeben möchte. Doch tut mir einen Gefallen: Fallt nicht auf jeden Rattenfänger herein und überlegt euch gut, in was ihr investieren möchtet, bevor ihr viel Zeit und Geld in etwas steckt. Lebt und folgt eurem Traum vom digitalen Nomadenleben, aber vergesst nicht, dabei alle Angebote und Versprechen auch kritisch zu hinterfragen!


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

35 Kommentare

  • Ja, du hast Recht, aber Nein, es nervt nicht. Denn Abzocke gibt es überall im Netz und jeder der halbwegs bei Verstand ist und sich darauf einlässt, ist selber Schuld. Wie du schon sagst: Sie machen alles richtig- Markt finden und Monetarisieren. Mein Kommtar: Wer es in Deutschland(oder seinem Heimatland) schon nicht schafft, vom Internet zu leben (und das tun wenige), die schaffen es auch nicht woanders. Ich bin Schriftsteller und Reise ständig, aber um mich zu konzentrieren, benötige ich Ruhe und muss entspannt sein… Das geht aber nicht, wenn ich ständig auf Unterkunftssuche bin, oder keinen anständigen Platz zum arbeiten habe. WIFI gibts auch nicht immer (geh mal nach Kuba-obwohl es mittlerweile besser wird) oder sei man in Venezuela, wo ganze Stadteile im dunkeln versinken. Digitale Nomaden ist ein Mythos und nur diejenigen leben davon, welche andere dazu bringen, ihn sich bezahlen zu lassen. Wer es dennoch schafft, na Glückwunsch- allen anderen 99,9999% sage ich genau das Gleiche wie du: Lass die Rattenfänger spielen. Webseiten, Onlineshops, Affiliate, Amazon FBA, Ebooks etc.etc.etc. Das alles lernt man nicht in einem versifften „Digital NomadCamp“ in Thailand, wo nicht einmal die Veranstalter genug Geld zum leben haben… Du hast völlig recht, aber davon beeinflussen–ne, dafür ist mir meine Zeit zu Schade :)- Gute Reise!

  • Ich verstehe deinen Punkt und für Manche sind Camps oder Workshop eine tolle Startmöglichkeit sich „einen Ruck zu geben“, neue leute kennen zu lernen und endlich mal anzufangen statt 6 Wochen über eine Nische nachzudenken oder die richtige Layout-Vorlage aussuchen…

    • Das ist richtig. Wenn es einem wirklich den fehlenden zündenden Funken gibt, dann ist es sicherlich auch egal, wie viel das Camp kostet. Nur gehen ja auch viele mit viel weniger Antrieb und sehr viel Idealismus an die Sache heran und glauben dann nach dem Vortrag / workshop / Camp, dass es „total easy“ ist, das grosse Geld abzuräumen – was es ja (fast) nie ist.

  • Hey, danke für den Beitrag 🙂
    Da hast du wirklich was wahres angesprochen. Von außen betrachtet sieht das alles so einfach aus. Bisschen hart schuften, dafür an tollen Orten und nach 1 – 3 Jahren sprießt das Geld. Naja, eine Ausbildung dauert auch drei Jahre und man bekommt in der Zeit kein Geld, was sind dann schon 3 Jahre max. bis dann aber das richtig dicke Geld kommt und man problemlos um die Welt reisen kann. Wie viele aber wirklich auf der Strecke bleiben, wie viele Ihre Jobs kündigen um als Digitaler Nomade Geld zu verdienen, das man wirklich wirklich Biss und am besten noch Kontakte und gute Kooperationen braucht und wie hart das Business vermutlich sein zu scheint, das wird häufig verschwiegen…

    LG Svenja

    • Ich frage mich auch, ob bei den Nomaden der ersten Generation nicht auch einfach der Neuheits-Faktor mit reinspielt. Wenn du noch keine Konkurrenten hast und noch so viele Menschen, die diese Idee umsetzen wollen, hast du ’ne RIESIGE Nachfrage und nur dein Angebot – wirtschaftlich ’ne ideale Situation für die Geschäftsleute. Nur: Für alle anderen, die dem folgen, wird es immer härter.

  • Gutes Thema. Ich bin vor einer ganzen Weile durch die Aufregung um Conni von Planet Backpack auf die Verlockungen und Versprechungen aufmerksam geworden. Daraus sind dann zwei Artikel entstanden. Die Community der DN hat Conni zum Teil sehr verteidigt, aber es gab eben auch viel Zustimmung, weil eben Märchenschlösser aufgebaut werden und diverse Kurse und Universiäten angeboten werden, die aber nichts bieten außer ein paar Tipps die mit gesundem Menschenverstand beantwortet werden können.

    https://blogg.de/2016/04/12/planet_backpack_brand_eins/

    • Danke für den Link! Mir war die Aufregung um Conni ehrlich gesagt komplett entgangen (manchmal hat das Vorteile und manchmal Nachteile, wenn man auf Reisen ist und so unregelmässig in sozialen Netzwerken vorbei schaut). Ich weiss auch nicht, ob man sie sich unbedingt als schwarzes Schaf so herauspicken muss, aber grundsätzlich scheint der Artikel ja auch auf ein generelles Phänomen hinzuweisen. Scheint ja derzeit tatsächlich eine kritische Phase in der Szene angebrochen zu sein, bin ja mal sehr gespannt, was sich daraus für neue Diskussionen und Richtungen ergeben.

    • Ein sehr ausführlicher Beitrag dazu. Auch wenn, wie du schreibst, man sich nicht unbedingt vor den Scharlatanen schützen kann, finde ich es wichtig, dass man andere darauf hinweist, wenn es einem auffällt. Was sie dann draus machen, kann man dann nicht steuern.
      Und zum Unterhosen-Mythos des passiven Einkommens hat auch Kollege Tobias feststellen müssen, dass dahinter ganz schön viel Arbeit steckt: https://mobilitymag.de/passives-einkommen/

  • Hey Du hast vollkommen Recht. Ich erzähle da mal was aus technischer Sicht.
    Viele Reiseblogger Gurus haben damals unbewusst einen Reiseblogg gestartet. Da es keine Konkurrenz gab standen sie dementsprechend bei Google schnell in den Top 10.

    Da ist Traffic das Zauberwort. Durch kostenlose Besucherströme die durch TOP 10 Ranking erreicht wurden ist es möglich seinen Blog zu monetarisieren, sich einen Namen zu machen und Infoprodukte zu verkaufen. Stichwort heutzutage ist NISCHE. Reiseblogger ist definitv keine Nische mehr. Es wird von vielen folgendes verkauft…“so ich reise jetzt mal durch die Welt und Blogge darüber …und verdiene damit Geld“….das ist nicht mehr so einfach möglich!! Baut euch ein Expertise in einer Nische …dann sieht es wieder andres aus.

    • Das ist ja der „Witz“ an der Sache, dass viele dieser Erfolgsgeschichten eher etwas mit Glück und „Zur richtigen Zeit der richtige Google-Treffer“ zu tun haben. Das dann als supertollen Erfolg zu verkaufen, der allen gelingen kann, ist einfach. Es gibt leider nur einige wenige, die das ehrlich zugeben.

      Die Sache mit der Nische ist natürlich auch so ’ne Sache: Nur weil es schon x Produkte zum Thema y gibt, heisst das nicht, dass man es nicht besser machen kann – da man ja jetzt auch viel besser aus den Erfolgen und Fehlern anderer lernen kann. NUR ist das mit VIEL mehr Arbeit verbunden als die meisten glauben. Mal eben bloggen ist nicht mehr. Die Leser erwarten auch viel mehr und klar, die Nische Reiseblog ist einfach keine Nische mehr.

  • Vollkommen richtig!
    Aber ist das nicht in vielen Branchen so? Da wird versprochen, gehypet und gepusht. Aber dahinter ist oft nichts als heiße Luft.
    Vielleicht würde es mal helfen von der schönen, neuen digitalen Welt wieder in die Realität reinzuhüpfen und den Hausverstand einzuschalten. Dann wäre oft das Geschrei nicht so groß, denn 95% der Versprechungen können schon mit nachdenken entkräftet werden.

    • Absolut! Nur ist digitale Nomaden immer noch ein relativ neues Feld und die Kritiker hier noch nicht so zahlreich. Ich glaube, das ist hier auch nur eine Frage der Zeit. Denn wie man an den Kommentaren sieht, ich bin bei Weitem nicht die Einzige, der das aufgefallen ist, und ich hoffe, das kann dem ein oder anderen die Augen öffnen.

  • Wir sind zwar noch sehr am Anfang, würde mich auch nicht wirklich als digitalen Nomaden bezeichnen, aber ich stimme dir auf jeden Fall zu! Das meiste wissen, dass sie verkaufen kann man sich oft alleine beibringen. Harte arbeit ist es aber so oder so und das sollte man nicht vergessen. Sich ein leben ortsungebunden aufzubauen passiert halt nicht über Nacht;)
    Liebe Grüße!
    Chrissi

    • Ich glaube, bei den meisten geht das auch nicht so von heute auf morgen. In einer anderen Gruppe hat jemand etwas gesagt, worüber ich so noch gar nicht nachgedacht hatte: Manche Leute WOLLEN diese einfachen Lösungen, auch wenn sie sie nicht zu 100% glauben. Denn es ist doch viel schöner, sich einreden zu lassen, dass man von heute auf morgen mit 4 Stunden pro Woche arbeiten reich werden kann, als jemanden dafür zu bezahlen, der einem sagt: Du musst selbst ran! Schon ironisch, aber die Wahrheit verkauft sich wohl nicht so gut …

  • Hach, du sprichst mir aus der Seele…ich denke schon seit längerem genau das gleiche und es geht mir auch ziemlich auf die Nerven!
    Von daher: ganz einfach Danke für diesen Artikel!

  • Hi!

    Vielen Dank für Deinen Artikel!
    Ich kann Dir nur zustimmen.

    Ich hatte auf der DNX riesige Bauchschmerzen, weil dort viele Vorträge á‘ la „Du brauchst nur loszugehen“ waren und ich nach der Veranstaltung viele Beiträge in den FB Gruppen gelesen habe, in denen die Leute angefixt ihr Leben von Heute auf Morgen hinschmeißen und mit einem Rucksack losreisen wollten.
    Dass mit der Existenz anderer so sorglos umgegangen wird, macht mir schon Sorgen.

    Ich habe einen ähnlichen Artikel zum Thema „Bloggen“ auf http://www.margarete-margarete.de/von-youtubern-und-bloggern-berlin/ geschrieben.

    Super, deine offenen Worte!

    Beste Grüße
    Margarete

    • Finde ich definitv einen guten Punkt, den du ansprichst. Einerseits kann man natürlich sagen „selbst Schuld“, wenn jemand so Hals über Kopf alles aufgibt, und es gibt wirklich viele erfolgreiche digitale Nomaden, die einem genau davon abraten. Dennoch hoffe ich, dass diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, dieses Leben für sich umzusetzen, auch mal kurz innehalten und nachdenken – und hoffentlich über Artikel wie diese stossen, bevor sie alles aufgeben.

  • Hallo Marinela,

    grundsätzlich hast du mit dem Hype ums digitale Nomadentum recht. Gefühlt an jeder Ecke trifft man darauf. Dennoch finde ich es schwierig, Produkte zu beurteilen, die man selbst nicht genutzt hat. Zumindest geht aus deinem Artikel nicht hervor, welche Produkte du gekauft und von denen du enttäuscht warst. Für mich liest es sich mehr nach Vermutungen.

    Du kannst es dir offenbar einfach nicht vorstellen, einen Betrag X für ein digitales Produkt auszugeben, was dir eine Lösung für Y anbietet. Aber genau diese Formulierung, findet sich doch überall in unserem Alltag. Es ist nichts anderes wie ein Fachbuch in der Buchhandlung für 59 Euro oder ein Vertriebsseminar für X.XXX Euro zu dem dich dein Arbeitgeber schickt, obwohl du es nicht mehr sehen kannst.

    Für ein Produkt muss es passende Kunden geben. Offensichtlich bist du gar nicht die Zielgruppe für die von dir genannten Produkte, auch wenn du selbst digitale Nomadin bist und dich auch so nennst. Aber das ist ja auch in Ordnung. Ich rege mich ja auch nicht auf, dass ich jeden Tag Werbung für Damenhygiene ertragen muss, obwohl ich mich nicht zur Zielgruppe zähle.

    Du könntest übrigens den Hype ums Nomadentum lindern, indem du selbst diese Bezeichnung nicht mehr verwendest. Gefühlt ist dein Blog voll davon. Aber sicherlich möchtest du auch einen gewissen Traffic zu diesem Thema auf deinen Blog ziehen. Wie eben viele andere auch. Mit dem Ziel seine eigenen Inhalte zu verbreiten und mit Werbung und / oder Produkten Geld zu verdienen.

    Es ist ja auf deinem Blog nicht anders als woanders. Ich entdecke neben Affiliate Bannern sogar einen blinkenden Banner, obwohl du ja eigentlich kompett darauf verzichten wolltest. Stört mich nicht. Es ist dein Blog.

    Ich selbst habe auch schon das ein oder andere Online-Produkt gekauft und angewandt. Und da ging es mir nicht um Träumerei oder Fantasien die ich verfolge. Ich wollte einfach in bestimmten Themen mein Wissen erweitern und mich verbessern. Klar, hätte ich jetzt auch tagelang im Internet suchen können und mir das Wissen zusammentragen können. Aber, wie suchst du nach etwas, was du nicht kennst. Such doch mal im Netz nach Trackingpixel und Conversion wenn du zuvor keinen blassen Schimmer davon hattest. Es wird schwer, langwierig und du wirst viel probieren und testen müssen um auf den richtigen Weg zu kommen. Da geht viel kostbare Zeit drauf.

    Diese Zeit kann man sich durch Kapitaleinsatz sparen. Ich investiere in ein Produkt, dass mir genau erklärt wie ich XYZ umsetzen kann. Je nach Wissensstand muss dann jeder selbst entscheiden, wie viel Neues dadurch gelernt wurde. Aber das geht eben nur durchs ausprobieren und nicht nur vermuten. Bisher wurde ich noch nicht enttäuscht, wenn auch nicht jedes Produkt nicht immer zu 100% Neues vermittelte. Aber wer erwartet das schon. Wenn jemand mit falschen Erwartungen sich ein Produkt gönnt, dann ist das meist nicht das Problem des Verkäufers.

    Du hast in deinem Artikel Carina von 180Grad positiv hervorgehoben. Sie selbst verkauft aber auch Nomadenprodukte. Was mir aber besonders gefällt, sie hat selbst durchs Blog-Camp vom Conni das bloggen gelernt und ihr Online-Imperium aufgebaut. Zumindest habe ich es als Testimonial so gelesen. Wenn dem so ist, dann kann man ihr sowie Conni nur gratulieren. Offensichtlich, funktioniert die ganze Thematik der Wissensweitergabe. Sicher nicht für jeden, aber das gilt ja für alles und nicht nur fürs Online-Business.

    Lieben Gruß
    Alex

    • Hallo Alex,
      vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Kommentar. Ich gehe gerne auf einige Punkte ein.
      Erstmal muss ja klar sein, dass dies natürlich ein Aufreger-Post ist, und da polarisiert man natürlich. Es ging mir offensichtlich darum, ein Phänomen / Problem, das mir aufgefallen ist – und mich stört – sehr überspitzt darzustellen.
      Es ist doch klar, dass es tolle Blogs, E-Books, Anleitungen im Netz gibt, die vielen Leuten helfen. Genau so klar ist es, dass man selbst nicht mit allen Produkten etwas anfangen kann. Worum es mir geht, bzw. was mich stört (und sicher nicht jeden stört oder stören muss), ist die Tatsache, dass viele meiner Meinung nach heisse Luft verkaufen. Natürlich ist das clever und eine tolle Geschäftsidee, aber es geht mir ja nicht darum, Business-Ideen, die Leute verar*** zu loben, sondern darauf hinzuweisen, dass man ganz kritisch auf die Produkte schauen muss.

      Natürlich nutze ich den Begriff „digitale Nomaden“, wie du schon sagst, weil wir eine gewisse Zielgruppe ansprechen wollen. Ich habe nie Blogger kritisiert, die etwas verkaufen auf ihren Seiten, das ist doch auch Unsinn. Von mir aus soll jeder so viel Geld mit seinem Blog verdienen, wie er nur kann – ist doch prima! Wenn ich aber darauf hinweisen kann, dass bei einigen da aber etwas nicht ganz koscher ist, dann tue ich das gerne. Spannend finde ich dabei aber vor allem die Diskussion, die entstanden ist, da das Thema natürlich viele in unterschiedliche Richtungen bewegt. Daher auch an dieser Stelle nochmals Danke für deinen Input!

      Ich habe den Post ganz bewusst allgemein gehalten, da ich eher auf ein Phänomen als auf ganz bestimmte Blogger oder Produkte negativ eingehen wollte. Ich möchte dies aber in Zukunft auch tun, s. z.B. meinen Beitrag zur Online-Konferenz (https://mobilitymag.de/we-blog-for-change/), wo ich ganz klar Produkte nutze und dazu mein Feedback gebe.

      Letztendlich ist es mit Meinungen aber immer so: sie sind subjektiv. Und das ist auch gut so 🙂

  • Hallo Marinella,
    ich verstehe deinen „Aufreger-Post“ sehr gut. Ich selbst habe insgesamt 2 dieser Produkte gekauft: Ein E-Book und auch einen Kurs. Warum habe ich das gemacht? Ich bin so etwas von kein Digital Native und habe mich auch sehr lange nicht mit dem Thema beschäftigt. Als dann bei mir der Wunsch zu Bloggen aufkam, musste ich mich mit vielen völlig fremden Themen beschäftigen: Schreiben, Bildbearbeitung, WordPress, SEO, Rechtslage, und und und. Dabei haben mir beide Produkte einen ersten Einstieg geliefert und auf der Basis konnte ich mich intensiver mit einzelnen Details auseinandersetzen. Ich bin aber nun keine Träumerin und grundsätzlich sehr realistisch unterwegs, außerdem habe ich das Glück meine Reisen nicht durch das Bloggen finanzieren zu müssen. Daher hat mich das Märchen von wenig Arbeit – viel Geld an den schönsten Plätzen der Welt gar nicht angesprochen. Jetzt gibt es meinen (Teilzeit-) Blog seit Ende 2015 und ich bemerke immer mehr Gruppen/Blogger/Foren in denen es tatsächlich nur um das angeblich schöne Leben als Digitaler Nomade geht und gefühlt jeder Reiseblogger muss ja jetzt auch ständig Posts über das Bloggen an sich verfassen. Die Camps, E-Books und Coachings sprießen aus dem Boden. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass so mancher sich von den Versprechen ein >>geileres Leben<>6 Wochen zum ortsunabhängigen Arbeiten<< zum Kauf verführen lässt, ohne wirklich zu wissen, was er denn da kauft. Wer ein bisschen logischen Menschenverstand an den Tag legt, sollte eigentlich wissen, dass man sich nicht für etwa 100 Euro ein Patentrezept kaufen kann und dass man in 99% der Fälle einfach sehr sehr viel Zeit und harte Arbeit in seinen Erfolg investieren muss.
    Viele Grüße
    Sabine

    • Es wirkt ein bisschen wie Lemminge: Einer oder einige wenige waren sehr erfolgreich mit dem Modell, also folgen andere ihnen blind. Das Problem ist dabei nicht das Folgen, sondern das Blindsein. Wenn man dabei noch den Erfolgreichen folgt, kann man ja sogar noch das ein oder andere mitnehmen, auch wenn man nicht zu kritisch ist.

      Aber keiner der wirklich erfolgreichen digitalen Nomaden verspricht wenig Arbeit, zumindest nicht am Anfang – und wer das glaubt, dass er ohne viel Arbeit und Zeit zu investieren mega-erfolgreich wird, nun ja, der sollte sein Glaubenskonzept nochmals gründlich überdenken. Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es wahrscheinlich auch nicht wahr 😉

  • Seit 4 Monaten lese ich; höre ich und bilde mich weiter. Mein gesundes Bauchgefühl leitet mich und trotzdem falle ich hin und wieder auf Blender der Art herein. Danke für Deinen Artikel. Bestätigt meine Zweifel und den Mut meinen Weg zu gehen. Liebe Grüsse, Diana

  • Eigentlich ist es ganz einfach.

    ‚Don’t do it for the money.‘

    Dieses Mantra hat die meisten großen Unternehmer zu dem gemacht was sie sind, weil zu Beginn ihres Business kein Geld im Kopf hatten, sondern ein WARUM. Ein inneres WARUM für das sie geblutet haben, eine Vision, wie die Welt einmal mit ihren Produkten aussehen könnte. Und das gilt wohl auch für die Digimaden 🙂 der ersten Generation. Sie haben die Welt beobachtet und erkannt, dass sie die ersten einer Bewegung sind und konnten deswegen einen Markt erschließen, den so noch keiner gesehen hat.

    Nun kommt die 2. Generation derer, die es genauso nachmachen wollen. Nur hängen sie sich dabei so stark an den Gedanken ‚Geld‘, dass sie einen Tunnelblick haben und nicht raffen, dass der Weg das Ziel ist. Ihr WARUM ist nur das Geld verdienen und solch ‚Rattenfänger‘, wie Marinela es schön beschreibt, erkennt man an bereits an Ihren langweiligen, SEO-perfektionierten Landing-Pages, denen man das Framework im Vorbeigehen noch ansieht. Natürlich gibt es auch solche, die es richtig machen und wirklich Mehrwert bieten, aber das sind wenig. Sie in der Masse der Rattenfänger zu identifizieren, trennt meiner Meinung nach gleich mal die Spreu vom Weizen.

    Falls das jemand jetzt wirklich bis hier hin gelesen hat. Danke 🙂
    Robert

  • Asche auf mein Haupt, ich habe es gerade erst entdeckt…
    Aber dennoch – besser spät als nie – vielen Dank für die Verlinkung! 🙂
    Gleich eine doppelte Ehre, in diesem zurecht kritischen Artikel.
    Liebe Grüße aus Lissabon,
    Carina

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