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Warum auch digitale Nomaden eine Auszeit brauchen

relaxation - camping / Meagan / Flickr (CC BY 4.0)
geschrieben von Marinela Potor

Ich komme gerade von einem Zelt-Wochenende in West Virginia wieder. Zelt-Wochenende heißt in diesem Fall: 4 Tage mitten in den Bergen, am Rande eines wunderschönen Sees – und komplett ohne Internet.

Wir hatten noch nicht mal Handy-Empfang, sodass ich wirklich keine Chance hatte, „mal eben“ ein paar Emails zu checken oder bei Facebook oder Twitter vorbei zu schauen. Zurück in der Zivilisation stelle ich fest, wie wichtig es für digitale Nomaden ist, sich ab und zu mal eine Auszeit zu genehmigen.

Digitale Nomaden sollten sich hin und wieder völlig ausklinken

Für mich ist es in vier Jahren als Onlinearbeiterin das dritte Mal, dass ich mich für einige Tage komplett ausklinke. Das erste Mal war im Parque Tayrona in Kolumbien. In diesem abgelegenen Nationalpark in der Karibik war meine Hauptbeschäftigung, den besten Strand zu finden und bei Kerzenlicht abends Schach zu spielen.

Mit den Wellen gehen im Parque Tayrona, Kolumbien

Mit den Wellen gehen im Parque Tayrona, Kolumbien

Das zweite Mal ohne jegliche Verbindung zur Außenwelt war im Ecuadorianischen Regenwald, wo ich einen der schönsten Sternenhimmel meines Lebens gesehen habe und im absoluten Rhythmus mit der Natur gelebt habe.

Im Einklang mit der Natur: Ecuadorianischer Regenwald bei Cuyabeno

Im Einklang mit der Natur: Ecuadorianischer Regenwald bei Cuyabeno

Jetzt komme ich also gerade von einem Wanderausflug im Monongahela Nationalpark zurück, wo unsere größte Aufregung war, ob unser Zelt wasserdicht sei (war es nicht!) und die größte Überraschung die verrückten Pilze und die vielen Salamander auf unseren Wanderwegen waren.

Wandern im Monongahela Nationalpark, West Virginia

Wandern im Monongahela Nationalpark, West Virginia

Was ich nach solchen isolierten Tagen feststelle, ist, wie wichtig es ist, sich hin und wieder mal eine Auszeit zu gönnen. Damit meine ich nicht, dass man abends den Laptop zuklappt oder mal joggen geht. Auch wenn das ein guter Ausgleich für unseren Alltag vor dem Computer ist, sollten gerade digitale Nomaden sich mal eine Zeit ganz weit weg von allem Digitalen gönnen. Mit unserem Lebensstil geht das natürlich nicht jedes Wochenende, aber hin und wieder ist es wichtig, sich mal komplett auszuklinken.

Laptop weg, Entspannung kommt

Meiner Erfahrung nach sind Freiberufler und Selbständige (zu denen ja auch die meisten Webworker und digitalen Nomaden gehören) Workaholics. Sie gehen völlig in ihren Projekten auf oder stecken viel Energie, Arbeit und Herzblut in ihre Unternehmen, sodass zwölf Stunden Arbeitstage von Montag bis Sonntag keine Seltenheit sind.

Selbst wenn wir an den schönsten Orten der Welt sind, sind wir dennoch an unseren Laptop gebunden. Wir recherchieren vorher die WLAN-Situation und verbringen unsere Zeit arbeitend in Cafés oder im örtlichen Coworking Space. Natürlich passiert für uns ein Großteil unseres Lebens im Internet: Unsere Arbeit, unser Netzwerk, unsere Inspiration ist das weltweite Web.

Doch das kann auch sehr schnell zum Hamsterrad werden. Wir rennen und ackern und schaffen und tun, ohne uns mal eine Auszeit zu gönnen. Das ist nicht nur körperlich belastend, sondern auch seelisch. Darüber hinaus halte ich es für hilfreich, wenn wir uns als Webworker auch mal vom Internet lösen und nach Ideen auf anderen Pfaden suchen. Es ist schließlich kein Zufall, dass Wissenschaftler sagen, dass wir am kreativsten sind, wenn wir entspannt sind und unsere Gedanken schweifen lassen.

Aus dem Hamsterrad ausbrechen

Auch deshalb ist es gut, aus dem Hamsterrad herauszuklettern. Denn wer sich immer mit den gleichen Menschen, mit ähnliche Projekten und Ideen umgibt, bleibt irgendwann im Trott stecken. Die Folge ist nicht nur, dass ihr am Ende komplett ausgelaugt seid, sondern auch, dass euch nichts Neues mehr einfällt.

Daher kann ich nur empfehlen, euch von allem was digital ist, ein paar Tage völlig zu entfernen. Das bedeutet natürlich oft, dass ihr wahnsinnig viel vorarbeiten müsst, aber es lohnt sich! Die Ruhe und das Wissen, dass man absolut nichts Wichtigeres zu tun hat als seine Gedanken dorthin schweifen zu lassen wo sie wollen – unbezahlbar! Eure Seele, euer Körper und euer Geist können mal durchatmen, sich erholen und wieder volltanken.

Auszeit als Energieschub

Ich genieße auf solchen Auszeiten nicht nur meine innere Ruhe, sondern auch die Zeit mit meinem Partner oder meinen Freunden. Man ist ja geradezu dazu „gezwungen“ sich aufeinander zu konzentrieren, ohne dass eine wichtige Nachricht oder Email das Beisammensein unterbricht. Solche Momente sind unglaublich wichtig für Beziehungen.

Das Resultat kann sich sehen lassen: In meiner viertägigen Auszeit konnte ich völlig abschalten, schreiben, lesen und all die Dinge tun, zu denen ich im Alltag entweder keine Zeit habe oder zu müde bin – und komme nun voller Energie und frischer Ideen wieder zurück!

Wie seht ihr das? Brauchen digitale Nomaden intensivere Auszeiten? Wie schaltet ihr völlig ab und was sind eure Erfahrungen mit solchen Auszeiten?


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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