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Diskussion um Autofasten? Haltet endlich die Klappe! [Kommentar]

Autofasten Flyer
Autofasten? Regt euch mal alle wieder ab! (Foto: Screenshot / Autofasten.de)
geschrieben von Marinela Potor

Jetzt also auch noch Autofasten! Nach Dieselverbot und drohendem Tempolimit, folgt jetzt schon der nächste Angriff auf die Autonation. Jetzt sollen die Autofahrer in der „Aktion Autofasten“ auch noch ihre PKW stehen lassen. Es gibt viele, die die Idee gut finden. Andere regen sich furchtbar darüber auf. Ich bin nur noch genervt. Ein Kommentar.

Jedes Jahr zur Fastenzeit gibt es Menschen, die bewusst auf etwas verzichten. Ganz früher war es mal Fleisch. Als ich noch zur Schule ging, war Fernsehfasten sehr beliebt. Später setzte man sich persönliche Ziele – wie etwa den Zucker aus seiner Ernährung zu streichen.

Dieses Jahr ist es also Autofasten.

Mitmachen oder eben nicht – funktioniert in Deutschland nicht

Die Idee dahinter ist ziemlich simpel. Die Initiative beschreibt es auf ihrer eigenen Website so: „Ziel der Aktion Autofasten ist es, das eigene Auto so oft wie möglich stehen zu lassen und Alternativen auszuprobieren, zum Beispiel mit dem Bus, der Bahn, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein oder ein Auto mit vielen anderen zu teilen.“

Organisationen wie der NABU, der BUND sowie der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club, aber auch viele Politiker (vornehmlich aus den Reihen der Grünen) unterstützen Autofasten.

Wer sich dazu entschließt, in irgendeiner Form mitzumachen, erhält Vergünstigungen für alternative Transportangebote.

Soweit die Aktion – die es übrigens jetzt schon zum 22. Mal gibt. Also nichts wirklich Neues und eigentlich eine gute Idee. Warum auch nicht? Wer Lust hat, macht mit – in welcher Form auch immer. Wer nicht, lässt es bleiben.

Doch nein, Halt! So geht es ja nun nicht. Wir sind ja schließlich in Deutschland und hier ist nie jemand glücklich, bis er nicht ausführlich aller Welt erklärt hat, warum die Aktion toll / blöd / lächerlich ist. Und das jedes Jahr aufs Neue.

Ich kann nur noch mit den Augen rollen

Am harmlosesten sind tatsächlich noch die, die mitmachen. Diese begnügen sich meist damit, einfach von ihrer Erfahrung mit der autofreien Zeit zu berichten.

Allerdings können es sich manche natürlich auch nicht verkneifen, diejenigen anzugreifen, die nicht autofasten. Das geht meistens in folgender Form (ich paraphrasiere mal): „Guck mal, wie toll und umweltbewusst ich bin! Ich lasse mein Auto stehen – und du, du Umweltsau, du verdreckst unseren Planeten.“

Anderen wiederum geht es nicht weit genug, wenn jemand sein Fahrzeug „nur“ mit Carsharing ersetzen möchte.

An der Stelle kann ich echt nur noch genervt die Augen rollen. Leute, wenn ihr euer Auto stehen lassen wollt, ist das echt super. Wenn ihr dazu Fotos von tollen Fahrradtouren postet, ist das noch besser. Aber lasst diejenigen, die nicht mitmachen – oder, die nicht so mitmachen, wie ihr das für richtig haltet – schlicht und einfach in Ruhe!

Auf der anderen Seite können diejenigen, die sich der Aktion verweigern, das auch nicht einfach mal stecken lassen. Stattdesssen müssen sie aller Welt erklären, warum Autofasten idiotisch ist.

Entweder werden dabei die Politiker angegriffen, die die Aktion unterstützen…

…oder man macht sich direkt über die Autofaster lustig.

Besonders schlau fühlen sich aber vor allem die Feuilletonisten, die mit gehobener Ironie klarstellen müssen, was sie denn von dieser Idee halten. Spoiler: Gar nichts!

Das folgende Beispiel ist zwar schon ein paar Jährchen alt, doch im Ton fasst es die Einstellung sehr gut zusammen.

„Autofasten, oder nennen wir das Ungeisteskind der Grünen beim Namen, der Krieg gegen den motorisierten Individualverkehr, ist der Kampf einer urbanen Oberschicht gegen das flache und hügelige Land.

Es ist kein Zufall, dass die Grünen genau dort die höchsten Zustimmungswerte haben, wo man das Gras nur vom Rauchen kennt und schon Kitas auf frühsexualisierten Regenbogenfamilienkurs zwingt.“

Krieg gegen den motorisierten Individualverkehr? Kampf der urbanen Oberschicht? Nee, ist klar! Warum nicht gleich, Angriff der städtischen Killertomaten? Oder Invasion der urbanen Dämonen? Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht spekulieren, zu welcher ländlichen Elite der Autor „Don Alphonso“ gehört.

Ganz schön aufgeblasen, wenn man eigentlich nur etwas sehr Simples sagen will: Autofasten funktioniert nicht für jeden, nicht immer und nicht überall.

Ah ja. Danke für diese unglaublich tiefsinnige Einsicht!

Habt ihr eigentlich alle nichts Besseres zu tun?

Ich frage mich langsam, ob es uns allen zu gut geht. Haben wir denn wirklich nichts Besseres zu tun, als uns wochenlang über ein Thema wie „Autofasten“ im Netz zu echauffieren (siehste, ich kann auch französische Wörter benutzen)?

Es ist ein Angebot. Eine Idee. Ein Vorschlag. Mal gucken, was passiert, wenn ich ab und zu mal statt ins Auto in den Bus oder aufs Fahrrad steige, wenn es geht. Das ist eigentlich schon alles.

Es ist doch keine Auflage und auch kein Gesetz! Niemand nimmt hier irgendwem seine persönliche Freiheit. Man kann das Autofasten annehmen, ablehnen, gut finden oder als total bescheuert abtun.

Man muss sich aber nicht als vermeintlicher Gutmensch über andere stellen, Nicht-Faster anpöbeln oder alle BMW-Fahrer in Deutschland beschimpfen. Und andersherum: Wenn ihr nicht autofasten wollt, dann lasst es doch einfach bleiben und lasst andere in Ruhe fasten.

(Nicht) fasten und (nicht) fasten lassen – ohne zu meckern, zu beschimpfen oder ins Lächerliche zu ziehen. Eigentlich ist die Diskussionskultur ja etwas, das man im Kindergarten lernt, egal ob mit oder ohne Regenbogen. Daher muss ich mich schon fragen: Ist das denn wirklich für Erwachsene im Netz zu viel verlangt?

Offenbar ja! Deshalb wünsche ich mir bei so viel virtuellem Geschrei nur noch eins: Haltet doch bitte endlich alle die Klappe! Da das natürlich nicht passiert, bleibt am Ende nur noch Sarkasmus!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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