Future Start-ups

Interview mit AUTOmator-Entwickler nach Porsche-Challenge

Gewinner Porsche-Innovation-Challenge
Steffen Iwan (l) und Christian Brachert (r) nehmen den Siegercheck für das AutoMATOR-Team von Mark Webber (m) entgegen (Foto: Porsche / Joern Pollex)
geschrieben von Marinela Potor

Was sind die besten Konzepte für den Sportwagen der Zukunft? Das war der Wettbewerb, den Autobauer Porsche gemeinsam mit dem Technologie-Start-up High Mobility im Februar ausgerufen hatte. Jetzt wurden die Sieger gekrönt. Wir haben mit Steffen Iwan vom Gewinnerteam über ihren „AUTOmator“ gesprochen.

Connected Cars können im Moment meist nur das tun, was Autoenwickler ihnen im Vorfeld einprogrammiert haben. Das kann man doch viel praktischer und nutzerfreundlicher gestalten, dachten sich Steffen Iwan, Christian Brachert und Valentin Rüchardt und entwickelten für den Sportwagenwettbewerb „Porsche NEXT Open Innovation Competition“ den AUTOmator.

Der Wenn-Dann-Assistent für Connected Cars setzte sich gegenüber 270 andere Projekte durch. Wir haben uns mit Steffen Iwan über den AUTOmator, krumme Gewinnsummen und das Fahrzeug der Zukunft unterhalten.

Porscheentwickler wissen nicht, was Kunden wollen

Mobility Mag: Herzlichen Glückwunsch zu eurem Sieg! Ihr habt dafür den AutoMATOR entwickelt, was kann er tun?

Steffen Iwan: Danke! Der AUTOmator erlaubt es jedem Nutzer, seine eigene Connected-Car-Erfahrung zu definieren und zwar komplett so wie er sie haben möchte.

Was heißt das genau?

Steffen Iwan AutoMATOR Pitch Porsche Innovation Challenge

Steffen Iwan beim AutoMATOR Pitch (Foto: Porsche / Joern Pollex)

Der Hintergrund ist der: Ein Porscheentwickler in Weißach hat leider in keinster Art und Weise eine Ahnung wie der Kunde in Kiel oder in Singarpur seinen Porsche benutzt. Das ist auch der Grund, warum die Software in vernetzten Fahrzeugen nicht so gut ist.

Selbst wenn Dritte ganz speziell an diesen APIs [Application Programming Interface, Anm. d. Red] arbeiten, sitzen die immer noch irgendwo und meistens entwickeln selbst sie genau an den Kundenbedürfnissen vorbei.

Wir sagen dagegen: Wir geben diese Macht an die Kunden zurück und du kannst dir mit unserem AUTOmator innerhalb von 30 Sekunden deine ganzen Automations selber schreiben.

Wie funktioniert das denn technisch?

Das ist recht einfach. Man kann sich komplett alle APIs, die im Fahrzeug existieren, als kleine Trigger setzen, also wie eine Wenn-Dann-Klausel. Die Trigger – ich stehe im Stau, ich fahre los, ich parke und so weiter – sind der Wenn-Teil. Wenn ich das tue, passiert etwas anderes.

Das was dann passieren soll, lege ich in der Dann-Klausel fest. Das kann zum Beispiel sein: Wenn ich nach der Arbeit losfahre, dann schaltet der Assistent das Smart-Home-System ein.

Kann man das nicht einfach selbst auf dem Smartphone vor dem Losfahren machen, wieso braucht man dazu euren AUTOmator?

Klar, kann man das selbst machen! Nur dann ist dann die Frage: Machst du das jeden Tag und möchtest du das wirklich jeden Tag selber machen? Wir sind der Meinung, dass man genau das den Nutzern abnehmen kann.

Nun war die „Porsche NEXT Open Innovation Competition“ speziell auf Sportwagen ausgerichtet. Theoretisch kann man eure Technologie aber auch auf normale Autos anwenden, oder?

Da gebe ich dir vollkommen Recht. Wir haben das natürlich auf den Sportwagen-Case von Porsche angepasst, aber selbstverständlich lässt sich das auf alle Fahrzeuge übertragen, und zwar nicht nur auf Personenfahrzeuge, sondern im Endeffekt vor allem auch im B2B-Bereich, wo das Ganze dann richtig spannend wird.

Ein solcher Assistent sammelt natürlich auch viele Daten von den Fahrern. Wozu können diese genutzt werden?

Zum Einen kannst du genau sehen, wie Porsche-Kunden ihr Fahrzeug digital benutzen oder benutzen wollen. Das heißt, wenn ein Porscheentwickler in Weißach sitzt und sieht, wie Nutzer die Automation erstellen, dann kann er daraus schließen, dass Porsche diese Angebote nativ im Auto anbieten sollte.

Zum Anderen kann man seinen Kunden, die in bestimmte Cluster fallen, über Machine-Learning-Algorithmen die passenden Automations schon automatisch vorschlagen.

„Wir werden uns ins stille Kämmerlein verziehen“

Nach eurem Sieg werdet ihr mit Porsche an einem Pilotprojekt mit dieser Technologie arbeiten. Kannst du schon verraten, was das sein wird?

Nein, das kann ich leider noch nicht. Das einzige was ich sagen kann, ist, dass wir selber noch im ganz ganz ganz ganz frühen Stadium sind. Wir werden also nochmals einen Schritt zurückgehen und nochmals sehr ausführlich mit Kunden sprechen.

Wir wollen wissen: Welche Automations wollen sie haben? Welche Apps sind ihnen wichtig, welche nicht so? Das heißt, wir wissen auch selber noch nicht, ob das Ganze so wie wir es uns gedacht haben zu 100 Prozent funktioniert.

Das heißt, wir werden uns jetzt in unser kleines, stilles Kämmerchen verziehen, werden dort ganz nah am Nutzer arbeiten, mit sehr vielen Leuten reden, und hoffentlich in ein zwei Jahren, wenn alles gut läuft, hört ihr dann wieder von uns – mit einem fertigen Produkt.

Man kann bis dahin gar nicht sagen, ob das alles so sinnvoll ist oder nicht, das muss man auch ganz ehrlich sagen. Alles andere wäre unseriös. Also: Schauen wir mal, was am Ende dabei herauskommt!

Was hat euch eigentlich motiviert bei der Porsche-Challenge mitzumachen?

Ich glaube einfach sehr stark daran, dass sich in diesem offenen API-Markt ein riesengroßes Ökosystem entwickeln wird. Das ist die große Chance, die ich mit meiner unternehmerischen Brille in den nächsten zwei bis fünf Jahren selber sehe. Ich wollte schon bei der letzten Challenge von High Mobility mitmachen.

Das hat aber leider nicht geklappt, weil ich auf Reisen war. Ich habe mir aber vorgenommen, bei der nächsten Challenge auf jeden Fall dabei zu sein. Dann kam die nächste Challenge mit Porsche, was sehr gut gepasst hat, weil ich selber drei Praktika bei Porsche gemacht habe und dem Unternehmen sehr verbunden bin.

Dass wir gewonnen haben, ist natürlich wunderschön. Aber letztendlich müssen wir uns in den kommenden zwei Jahren selbst auf den Hosenboden setzen und sehr viel daran arbeiten. Ob ein Produkt oder ein Unternehmen am Ende dabei rauskommt? Das ist zumindest unser Ziel!

In fünf Jahren sind alle Fahrzeuge elektrisch

Ihr habt als Sieger 10.911 Euro bekommen – warum der krumme Betrag?

Weil der Porsche 911, also der Neunelfer, das Porsche-Flaggschiff ist. Dafür steht die komplette Marke. Deswegen hat auch der zweite Platz 9.110 Euro bekommen und der dritte Platz 1.911 Euro.

Gut das wir das geklärt haben! Was wollt ihr denn mit diesen 10.911 Euro anstellen?

Wir werden das in unsere Unternehmung investieren, damit wir länger Zeit haben, ein Produkt aufzubauen, das einen Mehrwert für Nutzer schafft und gucken, was damit passiert. Das heißt, wir werden es nicht verprassen, wir sehen es also als Seed-Investment.

Als Connected-Car-Experte: Was glaubst du, wie das Fahrzeug der Zukunft aussehen wird?

Ich bin ganz sicher, dass es elektrisch wird. Darüber müssen wir nicht mehr reden, das ist ja jetzt schon der Fall. Es wird auch shared sein, davon bin ich zu 100% überzeugt, zumindest in den großen Städten. Ich selbst besitze zum Beispiel kein eigenes Fahrzeug, sondern nutze ausschließlich Carsharing.

Dann wird das Fahrzeug connected und dann gibt es natürlich noch die autonomen Autos. Das ist ein Bereich, an dem im Moment stark gearbeitet wird. Aber bis das auf der Straße ist, also über den Prototypen-Status hinaus, wird es noch eine Weile dauern.

Meine Vorhersage ist daher: In fünf Jahren ist alles komplett elektrisch und in zehn Jahren sehe ich schon eine autonome Komponente. Bis wir dann allerdings das komplett lenkradlose Auto haben… da gebe ich lieber keine Prognose ab.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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