Future

Autonomes Schiff, ahoi!

geschrieben von Marinela Potor

Die Zukunft der Schifffahrt gehört den autonomen Booten. Während die Welt gespannt auf die Entwicklung von autonomen Autos und Flugzeugen starrt, bahnt sich fast unbemerkt im Hintergrund auf den Meeren dieser Welt eine große Revolution an: Die Umstellung auf autonome Schiffe.

Autonome Schifffahrt ist die Zukunft der Seefahrt. Genau so disruptiv wie das Smartphone, wird das Smart Ship die Landschaft sowohl im Design als auch im Betrieb der Schifffahrt revolutionieren.

Der Mann hinter diesem recht forschen Zitat ist Mikael Makinen, Präsident der Rolls Royce Schifffahrt. Es stammt aus einem Whitepaper von Rolls Royce zum internationalen Forschungsprojekt „Advanced Autonomous Waterborne Applications“, kurz AAWA.

AAWA ist ein Kooperationsprojekt zwischen Rolls Royce, dem EU-Projekt Maritime Unmanned Navigation through Intelligence in Networks, MUNIN, dem DNV GL,  einer Organisation, die sich auf Beratung zur Fahrzeugsicherheit spezialisiert hat, Chinas maritimer Sicherheitsbehöre und der Chinesischen Universität Wuhan University of Technology.

Unter dem gemeinsamen Namen AAWA planen die Kooperationspartner, bis 2020 erste autonome Schiffe aufs Wasser zu bringen.

Autonome Schiffe könnten eins der größten Probleme lösen: Den Faktor „Mensch“

Damit etabliert sich der britische Fahrzeugbauer als einer der Vorreiter im Bereich der autonomen Schifffahrt. Die Gründe sind offensichtlich. Die Seefahrt ist – im Vergleich zur Luftfahrt und zum Straßenverkehr – weniger stark reguliert. Wie in der Logistikbranche auf Straße und Schiene winken auch auf dem Meer kräftige Einnahmen durch den Einsatz von fahrerlosen Cargoschiffen. „Autonome Schiffe ermöglichen ihren Besitzern, ihre Flotten zu managen, ihren Betrieb zu optimieren und ihre Gewinne zu maximieren“, heißt es dazu in dem AAWA-Whitepaper kurz und bündig.

Während die Forscher sich durchaus bewusst sind, dass autonome Schifffahrt auch viele neue Fragen aufwirft, sind sie gleichzeitig davon überzeugt, dass einer der größten Kosten- und Unfallfaktoren in der Zukunft durch autonome Schiffe eliminiert werden kann: Der Mensch.

Laut einer Studie der Allianz Versicherung sind nämlich die große Mehrheit (75 bis 96 Prozent !!!) aller Bootsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. Wenn man dann bedenkt, dass die gleiche Studie nahelegt, dass sich die Anzahl der Schiffsflotten von 1985 bis 2010 mehr als verdoppelt wird, wird deutlich, warum derzeit so viele Akteuere an der Entwicklung von autonomen Schiffen interessiert sind.

Autonome Schifffahrt: Viel mehr als Transport und Cargo

Neben Rolls Royce arbeitet beispielsweise auch das US-Forschungsinstitut MIT mit zwei niederländischen Universitäten an der Entwicklung von fahrerlosen Booten. Roboat heißt das gemeinsame Projekt, in das bisher fünf Jahre Forschung und 25 Millionen Euro geflossen sind.

Roboat soll nach Aussagen der Projektleiter noch in diesem Jahr auf Amsterdams Kanälen getestet werden. Dabei geht es den Forschern um mehr als das Transportieren von Waren auf dem Wasserweg. „Wir erörtern ebenfalls Möglichkeiten wie das Environmental Sensing. Wir könnten beispielsweise weitere Untersuchungen mit Unterwasserrobotern machen, die Seuchen frühzeitig erkennen könnten. Oder wir könnten die Roboats dafür nutzen, um den treibenden Müll auf den Kanälen zu entsorgen und so effizientere Wege finden, um die 12.000 Fahrräder zu entsorgen, die jedes Jahr in den Kanälen der Stadt landen“, heißt es bei Roboat.

Noch in den Kinderschuhen, aber mit viel Enthusiasmus

Doch nicht nur die großen Player arbeiten an autonomen Booten, auch erste Start-ups dringen in den Markt vor. So testete etwa 2016 Sea Machines ihr autonomes Boot vor der Küste von Boston.

Vor ebenfalls einem Jahr machte auch das autonome Boot Solar Voyager Schlagzeilen mit dem Versuch, das erste autonome, solarbetriebene Boot von der Ostküste der USA nach Europa zu navigieren.

Bild: Solar Voyager

Ein möglicher Motorschaden machte dem Versuch allerdings ein jähes Ende.

Doch solche Misserfolge scheinen die Bastler in der Branche nur noch mehr anzuspornen. So will die kanadische Studenteninitiative UBC Sailboat, die seit einigen Jahren an autonomen Booten werkelt, auch in diesem Jahr wieder ein neueres und besseres Modell startklar machen: Das Segelboot Ada 2.0.

Ebenfalls für dieses Jahr ist die Microtransat Challenge geplant, ein transatlantisches Rennen für autonome Boote.

All dies erinnert stark an die ersten, enthusiastischen Schritte der autonomen Autos. Und das ist sicher nur der Anfang. Immerhin schätzen Experten den Markt für fahrerlose Schiffe derzeit auf 6 Milliarden US-Dollar.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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