ZUKUNFT

„Meilenstein“ im autonomen Fahren: Will die DB uns veräppeln? [Kommentar]

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Autonomes Fahren: Wieso feiert die DB einen Mini-Schritt als Meilenstein? (Foto: Bad Birnbach / Eva Stranzinger)
geschrieben von Marinela Potor

Seit 2017 testet die Deutsche Bahn einen fahrerlosen Shuttle-Service in der bayrischen Kleinstadt Bad Birnbach. Nun verkündet die DB einen neuen Meilenstein. Doch macht die Bahn damit nicht einfach sehr viel Tamtam um einen Mini-Schritt? Eine Einschätzung. 

Einfach zurücklehnen, und das Auto fährt auf magische Weise von allein. Autonomes Fahren klingt in Zukunftsszenarien immer so schön. Doch der Weg dahin ist lang und in Deutschland vor allem eins, langsam.

Will die DB uns veräppeln?

Wenn man daher die letzte Verkündung der Deutschen Bahn zu einem neuen Meilenstein beim autonomen Fahren in Deutschland sieht, fühlt man sich leicht veräppelt.


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Da testet die Bahn seit zwei Jahren mit verschiedenen Partnerunternehmen einen fahrerlosen Bus in der bayrischen Kleinstadt Bad Birnbach. Seit 2017 haben die fahrerlosen Shuttles 40.000 Fahrgäste befördert und sind über 21.000 Kilometer autonom gefahren.

Der neue „Meilenstein“ ist dabei, dass die autonomen Shuttlebusse ab sofort den Bahnhof mit dem zwei Kilometer entfernten Ortskern verbinden. Auf der allerersten Fahrt waren heute Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und der DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber mit dabei.

Mini-Schritt statt Meilenstein

Doch ist diese Kleinststrecke wirklich so bedeutend, wenn Unternehmen wie Waymo in den USA schon erste Robotertaxis testen und Millionen von Kilometern autonom gefahren sind? Oder feiern sich die DB und das Verkehrsministerium einfach nur selbst – und das fast ohne Grund?

Autonomes Fahren der Zukunft? Tatsächlich wirken diese Meilensteine eher wie Mini-Schritte. Doch man muss fairerweise auch sagen, dass es in Deutschland eine durchaus beachtliche Anzahl solcher kleinen Projekte gibt.

In Berlin testen die Berliner Verkehrsbetriebe seit mehr als einem Jahr fahrerlose Minibusse. In Hamburg hat der autonome Shuttle der Hamburger Hochbahn, HEAT, die erste Phase im Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen. Doch auch in kleineren Orten, wie etwa in Monheim am Rhein, testen Gemeinden die Technologie.

Autonomes Fahren: Anderer Ansatz als Tesla

Wie man unschwer erkennen kann, gibt es in Deutschland dabei einen etwas anderen Fokus als in den USA. Während Unternehmen, von Uber bis Tesla, dort darauf setzen, die Technologie in Taxis oder privaten PKW einzusetzen, geht es in Deutschland bislang vor allem darum, die fahrerlosen Gefährte in den öffentlichen Transport zu integrieren.

Das ist ein kluger Ansatz, wenn wir nicht einfach alle unsere aktuellen Autos mit fahrerlosen Autos ersetzen wollen, sondern tatsächlich dafür sorgen möchten, dass der Verkehr smarter (und damit nachhaltiger) wird und durch autonome Fahrzeuge tatsächlich WENIGER Menschen ein Auto besitzen müssen.

Wenn diese Projekte erfolgreich verlaufen und von den Fahrgästen akzeptiert werden, haben sie das Potenzial, die Anzahl von Autos zu reduzieren, und zwar nicht, weil es vorgeschrieben wird, sondern einfach, weil es bequemer ist.

Langsam ist nicht immer schlecht

Gleichzeitig – und das zeigt auch das Projekt in Bad Birnbach – können fahrerlose Autos nach diesem Konzept Menschen mobil machen, die es aktuell nicht sind oder nur mit einem eigenen Fahrzeug sein können.

Dazu gehören Menschen im ländlichen Raum, die ohne ihr Auto nicht zur Arbeit und oftmals auch nicht zur Bushaltestelle oder zum Bahnhof kommen. Und dazu gehören auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Senioren, die ohne fremde Hilfe auch nicht von A nach B gelangen können.

In all diesen Bereichen könnte autonomes Fahren einen sinnvollen Beitrag zu mehr Mobilität, weniger Verkehr und mehr Nachhaltigkeit leisten.

Und ja, es stimmt. All diese Projekte in Deutschland scheinen oft quälend langsam voranzuschreiten und Meilensteine wie in Bad Birnbach wirken vielleicht lächerlich.

Doch wenn es um sichere Mobilität mit Weitsicht geht, ist langsam und vorsichtig statt überhastet und fehlerhaft vielleicht keine schlechte Idee.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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