Start-ups

Von Pier zu Pier: Boatsharing liegt im Trend

geschrieben von Marinela Potor

Wenn jemand ein privates Auto mieten oder vermieten will, nutzt er Carsharing. Wenn jemand ein privates Zimmer mieten oder vermieten will, landet er wahrscheinlich bei einer Plattform wie Airbnb oder Couchsurfing. Doch was passiert, wenn jemand ein Boot mieten oder vermieten will? Dafür gibt es jetzt … Trommelwirbel … Boatsharing!

„Warum stehen eigentlich all diese Boote hier ungenutzt herum?“ Es war diese Frage, die die beiden Bootsfans Jérémy Bismuth und Edouard Gorioux zur Gründung der Plattform Click & Boat trieb. Seit 2013 ist die Boatsharing-Plattform vor allem in Frankreich, dem Heimatland der beiden Gründer, aktiv. Mittlerweile ist das Portal Europas führende  Peer-to-Peer Boatsharing-Plattform.

Boote stehen 355 Tage pro Jahr ungenutzt herum

Im Oktober 2016 wurde Click & Boat nun auch für Nutzer innerhalb von Deutschland ausgerollt. Click & Boat kann man sich dabei im Wesentlichen wie ein Airbnb für Boote vorstellen. Bootsbesitzer und Mieter kommen über die Webseite zusammen. Besitzer von Booten können so ihre Yachten, Segelboote oder auch Kanus anbieten, während Urlauber diese über Click & Boat finden und mieten können.

„Das Peer-to-Peer-Modell ist gerade für Boote ideal“, erklärt Johanna Hafner von Click & Boat Deutschland. Denn ähnlich wie Autos stehen Boote die meiste Zeit ungenutzt im Hafen. „Im Schnitt kann man sagen, dass ein Boot etwa zehn Tage pro Jahr ausgelastet ist. Den Rest der Zeit ist es inaktiv“, sagt Johanna Hafner im Gespräch mit Mobility Mag. Das ist nicht nur ineffizient, es ist auch ganz schön teuer.

Denn Boote müssen unterhalten werden, ganz zu schweigen von den Hafengebühren, die Bootsbesitzer für das Parken ihrer Boote zahlen müssen. Etwa 5000 Euro pro Jahr seien im Durchschnitt die laufenden Kosten für ein Boot, schätzt Hafner.

Kein Wunder, dass Boatsharing absolut im Trend ist. In den USA sind es Plattformen wie boatsetter (vormals Cruzin), GetMyBoat oder Boatbound, die die Idee vorangetrieben haben und zu den dortigen Marktführeren der P2P-Modelle für Boote gehören.

So langsam hat sich die Idee aber auch bis nach Europa herumgesprochen und Apps wie we are on a boat bieten Bootsliebhabern beispielsweise privates Mieten und Vermieten von Booten in Amsterdam und Portugal an.

 

Bis vor Kurzem gab es auch eine deutsche Webseite dafür, bootschaft.net. Das Portal musste aber aus wirtschaftlichen Gründen den Betrieb einstellen.

Genau diese Lücke will nun Click & Boat füllen.

Peer-to-Peer statt Elitesport

Es ist nur logisch, dass der Sharing-Gedanke auch Bootsfreunde erreicht hat. Denn neben der Tatsache, dass Boote die meiste Zeit ungenutzt im Hafen herumstehen und den hohen Haltungskosten, ist auch das Mieten von Booten nicht gerade billig. So kann ein Katamaran auf Ibiza auf gängigen Bootsportalen für rund 900 Euro pro Tag gemietet werden. Bei Click & Boat gibt es vergleichbare Boote schon für knapp die Hälfte. Click & Boat behauptet, dass die Preise auf ihrem Portal im Schnitt um 35 Prozent günstiger sind.

Doch für Mieter hat das Portal noch einen viel größeren finanziellen Reiz: Wer ein Boot etwa bei einem klassischen Segelverein mieten will, muss nicht nur das Boot zahlen, sondern oft auch einen Mitgliedsbeitrag, Anmeldegebühren, Aufnahmegebühren, Vereinsbeiträge, Probezeit und vieles mehr.

Ein Boot besitzen ist nämlich nach wie vor für viele Menschen ein Statussymbol und die Tatsache, dass es ungenutzt in der Marina vor Anker liegt, wird weniger als Ineffizienz, sondern eher als Zeichen von Wohlstand gesehen. Nur wer Geld hat, kann sich schließlich so eine Verschwendung leisten.

Kein Wunder, dass so manch ein Segelverein gegen erste Versuche von Peer-to-Peer Bootsplattformen in Deutschland stänkerte.

„Wir überprüfen alle Boote“

Doch Click & Boat scheint mittlerweile eine kritische Masse erreicht zu haben, die die Plattform auch für professionelle Vermieter attraktiv macht. Click & Boat nennt sie „externe Vermieter“.

Aktuell verzeichnet Click & Boat rund 60.000 angemeldete Mitglieder und über 10.000 Boote auf der Seite. In den vergangenen drei Jahren sind so gut 30.000 Bootsvermietungen zustande gekommen, die meisten davon in Frankreich, Spanien, Italien und Kroatien. Das Unternehmen verdient dabei eine Provision von 15% bei jeder erfolgreichen Vermietung. Diese erfolgt, ähnlich wie bei Airbnb, über eine Anfrage.

Boote werden geprüft, bevor sie auf das Portal gestellt werden (Bild: Click & Boat)

Zunächst müssen allerdings sowohl Bootsbesitzer als auch Interessierte ein Profil erstellen. Bootsbesitzer werden dabei vor der Freischaltung ihres Profils von Click & Boat überprüft, erklärt Johanna Hafner. „Sie müssen uns Fotos von den Booten schicken, ihre Papiere zur Versicherung sowie den Bootsschein. Dann kontaktieren wir die Besitzer persönlich, um sicherzugehen, dass es sich dabei um reale Personen und wirkliche Boote handelt.“ Das Überprüfen dauert im Schnitt einen Tag. Sollte Click & Boat ein Boot für ungeeignet befinden, wird es nicht in das Portal aufgenommen.

Sobald ein Profil aber freigeschaltet wird, kann es von Mietern gefunden werden. Diese wiederum geben an, ob und welche Bootserfahrung sie haben. Denn grundsätzlich brauchen Nutzer nicht zwingend einen Segelschein, um Boote mieten zu können, da viele der angebotenen Boote auch mit Skipper gemietet werden können.

Findet ein Nutzer ein Boot, das ihm gefällt, wird eine Anfrage an den Besitzer geschickt. Erst wenn beide Seiten sich einig sind, wird das Boot verbindlich gemietet.

Die Boote sind dabei über die Vermieter voll versichert, erklärt Hafner. Im Falle eines Schadens haftet also dieser. „Es gibt natürlich auch vereinzelte Fälle von Randalierern. Dafür haben wir aber ein sehr genaues Annahme- und Abgabeprotokoll. Wie beim klassischen Mietwagen. Hier wird notiert in welchem Zustand das Boot übernommen, beziehungsweise wieder abgegeben wurde.“

Sollten die Mieter das Boot verwüstet hinterlassen haben, prüft Click & Boat dies anhand des Protokolls und entscheidet dann, wer für den Schaden in welcher Höhe haftet.

Auf Expansionskurs

Für Click & Boat scheint dieses Modell bisher aufzugehen. Das Unternehmen arbeitet wirtschaftlich und beschäftigt im Moment um die 40 Mitarbeiter – die übrigens ihr Büro auf einem Hausboot auf der Pariser Seine haben.

Das Team von Click & Boat im „Büro“ (Bild: Click & Boat)

Neben Angeboten in Europa, hat Click & Boat auch den ersten US-Hafen angesteuert: Miami. Doch will man sich in nächster Zeit vor allem auf den europäischen Markt konzentrieren, sagt Johanna Hafner. „In diesem Jahr möchten wir unsere Plattform vor allem in Deutschland aufbauen, zum Mieten und Vermieten von Booten an der Ost- und Nordsee sowie an verschiedenen Seen, wie etwa dem Starnberger See.“

Auch interessant


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

1 Kommentar

Kommentieren