Transport

Lieber Bahn? – Was mich an Flixbus stört

Bild: Ekki Kern
Bild: Ekki Kern
geschrieben von Ekki Kern

Ja, ich gebe es zu, es waren die Tickets für 9,99 Euro, die Flixbus neulich verkaufte und die mich dazu brachten, die ein oder andere Zugfahrt durch eine Busfahrt zu ersetzen. Ob ich es bereut habe? Irgendwie schon.

Es ist ein Freitag, als ich am Morgen in Wien in den Bus steige. Der ist halbvoll. In Deutschland und Österreich heißt das, dass auf jedem Zweiersitz genau eine Person sitzt, was für alle Beteiligten den unbedingten Vorteil bringt, dass man weder mit jemandem reden noch Platzangst haben muss.

In der allerletzten Reihe sitzt nur ein Mädchen, in der Ecke, mit Mantel und Stöpsel in den Ohren. In der anderen sitze gleich darauf ich. Mit meinen Zetteln, die ich heute bearbeiten muss und meinem Laptop. Und einem kleinen Rucksack mit Fressalien.

Richtig voller Bus

Gut geht das Ganze etwa bis Passau an der österreichisch-deutschen Grenze, wo der Bus voll wird. Und voll heißt diesmal: richtig voll. Ich checke aus Interesse mal die Flixbus-App, die das bestätigt: Für unsere Fahrt sind keine weiteren Tickets verfügbar. Gemütlich wird es vor allem ganz hinten, wo ich ja noch immer sitze.

Das alles wäre natürlich halb so schlimm, hätte ich nicht zum gefühlt fünfzigsten Mal heute die automatisierte „MeinFernbus Flixbus“-Ansage gehört. Die ertönt nämlich immer dann, wenn neue Fahrgäste an Bord sind.

Eine Stimme, wie von Spotify erdacht

Wer sie nicht kennt, kann sich glücklich schätzen. Denn es ist eine dieser penetrant männlichen, aggressiv gut gelaunten Stimmen, wie man sie von Spotify kennt, wenn man sich hartnäckig weigert, Geld für die Premium-Version auszugeben.

Zuerst informiert sie locker-lässig über die Anschnallpflicht, dann über das coole Entertainmentangebot und das coole Gratis-WLAN, dann die coole Flixbus-Fanpage („Unser Team freut sich riesig über Likes und Nachrichten“ – ich wette, die freuen sich von Früh bis Spät), dann die coolen Steckdosen und dann noch die coole App, die coolen neuen Reise-Angebote und die coole Feedbackmöglichkeit per E-Mail-Umfrage.

Hat man die Durchsage als Fahrgast entnervt hinter sich gebracht, kommt das ganze noch einmal. Diesmal auf Englisch und marginal weniger störend. Heute habe ich mich tatsächlich gefragt, wen Flixbus vor sich sah, als man diese Ansagen zusammenbaute. Aber wahrscheinlich gehöre ich einfach nicht (mehr) zur Zielgruppe des Unternehmens.

Bahn nicht immer teurer

Was zumindest für mich nach dieser Fahrt feststeht: Diese scheinbare Wohlfühloase, die Flixbus offensichtlich um sein neu geschaffenes Bus-Imperium bauen möchte, kann ziemlich penetrant sein. Nicht nur einmal denke ich heute an den schönen, gemütlichen ICE, der nicht nur schneller, sondern oftmals sogar günstiger ist als der Bus.*

Lob für die Busfahrer

Was ich noch loswerden möchte: Als äußerst umgänglich habe ich die Fahrer von Flixbus empfunden. Und dass es in Sachen Durchsage auch anders geht, zeigte mir eine weitere Fahrt, in der Fahrer Wolfgang selbst die Ansagen sprach. Er tat das, als wenn er moderiere: ruhig, besonnen, unter Ansprache seiner „Gäste“ und so, dass es einfach nur nett klang. Auch dann, wenn er darum bat, dass jeder seinen Müll mit nach draußen nehmen und dem neuen Fahrgast einen aufgeräumten Platz hinterlassen möge. In solch einem Fall sieht man dann auch gerne über einen vielleicht einmal vollen Bus hinweg.

Update, 13.10.2016, 18:32 Uhr

Flixbus hat auf Twitter auf diesen Beitrag reagiert:

Was sind Eure Erfahrungen mit Flixbus? Schreibt in den Kommentaren oder uns eine Mail!

*Besonders für all jene Reisende, die von einem Fernverkehrsbahnhof mit dem Regionalzug weiterreisen müssen. Kommen sie dort mit dem Bus an, bekommen sie die volle Breitseite der DB-Regio-Tarife zu spüren. Bucht man hingegen eine Zugfahrkarte im Fernverkehr der Deutschen Bahn, ist die Anschlussverbindung mit RE oder RB eingepreist, man zahlt also nur einen Bruchteil von dem, was eine separate Buchung kosten würde.

Das führt dazu, dass das Reisen mit dem Bus (mit Normalpreis) mittlerweile oft teurer ist als das Fahren mit der Bahn (mit Sparpreis). Dass diese Sparpreise meist nur dann verfügbar seien, wenn man Wochen vor Reisedatum bucht, stimmt nicht mehr in allen Fällen. Mit Glück funktioniert das auf einigen Strecken sogar noch 24 Stunden vor Reiseantritt, aber eben auch nicht immer.


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Über den Autor

Ekki Kern

Ekki Kern war von 2016 bis 2018 Chefredakteur von Mobility Mag. Ausbildung zum Medienredakteur an der Berliner Axel Springer Akademie und bei der "Welt". Gerne unterwegs in Bahn, Bus und Auto, mag sein Rennrad und interessiert sich beruflich wie privat auch für Film, Fernsehen und Radio.

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