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Cabify: Warum kennt eigentlich niemand das „europäische Uber“?

Junger Mann sitzt mit Skateboard in einem Auto mit Cabify-Service
Cabify: Konzept und Erfolg sind vergleichbar mit Uber. Warum ist das Unternehmen trotzdem so unbekannt? (Foto: Cabify)
geschrieben von Marinela Potor

Kennst du Cabify? Das spanische Unternehmen hat ein Angebot, das stark an Uber erinnert und ist auch seit Jahren erfolgreich damit. Trotzdem kennt fast niemand in Deutschland den Service. Warum eigentlich nicht?

Seit 2011 gibt es ein europäisches Unternehmen, das einen Service anbietet, der sehr stark an Uber erinnert. Private Fahrer bieten Fahrdienste über eine App an, entweder für Geschäftskunden in exklusiveren Autos oder für Privatkunden.

Das Angebot ist weltweit erfolgreich und beliebt und trotzdem kennt es in Deutschland fast niemand. Wir stellen es euch mal genauer vor.

Was ist Cabify?

Cabify ist ein spanisches Unternehmen. Als der Telekommunikationsingenieur Juan de Antonio sein Studium abgeschlossen hatte, gründete er 2011 gemeinsam mit Adeyemi Ajao, Brendan Wallace, Samuel Lown, Michael Koper und Adrian Merino Cabify.

Auch wenn es die Gründer bestimmt nicht mehr hören können, Cabify wird gerne und fast immer mit Uber verglichen und deshalb auch als „Europäisches Uber“ bezeichnet. Das liegt schlicht und einfach daran, dass das Geschäftsmodell sehr ähnlich ist.

Genau wie Uber stellt Cabify über eine Smartphone-Applikation eine Online-Plattform bereit, auf der sich Autofahrer mit Fahrgästen verbinden können. Die Fahrer bieten in ihren Privatwagen oder in professionellen Firmenwagen ihre Fahrdienste an. Die Fahrgäste sind auf der Suche nach einer günstigen Fahrgelegenheit von A nach B.

Den Fahrdienst gibt es in drei verschiedenen Varianten:

  • Executive für Geschäftskunden in Luxuswagen
  • Lite für Privatkunden in Mittelklassewagen
  • Group für Ridepooling von bis zu sechs Personen

Mittlerweile hat Cabify noch andere Angebote hinzugefügt. Dazu gehören unter anderem:

  • Taxi, mit dem du ähnlich wie bei Mytaxi ein Taxi über die App bestellst
  • City, das mit unabhängigen Fahrern in ihren Privatwagen am stärksten an Ridehailing-Angebote wie Uber oder Lyft erinnert
  • Bike für Fahrräder

Als allererste Ridehailing-Plattform führte Cabify mit Access einen speziellen Fahrdienst für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein. Die Idee von Cabify ist es, Nutzern das günstigste Angebot zu bieten, indem sie immer für die kürzeste Strecke bezahlen.

Egal, welche Route der Fahrer letztlich wählt, Nutzer bezahlen die vorher ermittelte günstigste Route. Ändern Fahrer die Route ohne Zustimmung der Fahrgäste, werden sie dafür bestraft.

Das Angebot gibt es aktuell in 38 Städten weltweit, vorwiegend aber in Lateinamerika.

Anders als Uber: langsames Wachstum und legal

Es gibt aber auch einen guten Grund, warum das Unternehmen wahrscheinlich nicht so gerne mit Uber verglichen wird: Es gibt entscheidende Unterschiede.

Fahrer sollen solides Einkommen bekommen

Zum einen setzt Cabify durchweg auf langsames und nachhaltiges Wachstum. Dazu kooperiert das Unternehmen nicht nur mit selbstständigen Fahrern, sondern auch mit lokalen Limousinenunternehmen und Taxianbietern. Ebenfalls interessant ist, dass sich das Unternehmen stark um regelmäßige Kunden bemüht.

Die Idee ist, dass man Kunden nicht mit einmalig guten Preisen lockt, sondern sich sich mit konstanten Preisen einen Kundenstamm aufbaut. Tatsächlich sind die Preise von Cabify nicht dynamisch wie bei vielen Konkurrenten, sondern fest. Sie verändern sich also nicht mit erhöhter Nachfrage, bei bestimmten Events oder bei hohem Verkehrsaufkommen.

Ein Grund dafür sei, sagt Cabify, dass man seine Fahrer als Vollzeitangestellte sehe, für die das Autofahren ein Hauptjob sei mit dem sie ihre Familien ernähren und keine Nebeneinkunft, sodass man die Preise nicht künstlich drücken wolle.

Mit Ausnahme von Chile operiert Cabify auch legal in allen Ländern und bemüht sich um eine gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und Lokalregierungen.

Nach dem Mord an einer Frau, hagelte es aber auch Kritik

All das ist so ziemlich das Gegenteil von Uber. Ubers Vorgehensweise ist eher aggressiv: erst so viele Märkte wie möglich erobern und sich dann um Details wie nachhaltiges Wachstum oder Rechtliches kümmern.

Dennoch gibt es auch Kritik an Cabify. In Chile protestierten Taxifahrer gegen das Angebot. In Mexiko wurde das Prüfungssystem für die Privatfahrer (das mit psychologischen Tests und Stadtkenntnis-Prüfung eigentlich strikter ist als das der meisten vergleichbaren Angebote) stark hinterfragen, nachdem eine junge Studentin, die den Service genutzt hatte, ermordet wurde.

Trotzdem ist Cabify in Sachen „Ridehailing“ in Spanien und Lateinamerika fast noch beliebter als Uber. Bei einem Praxistest in Madrid stellte sich außerdem heraus, dass das Angebot sogar günstiger als Taxis und Uber war.

Eigentlich klingt das insgesamt nach einem guten Angebot. Wieso kennt dann trotzdem kaum jemand in Deutschland das Unternehmen?

Warum ist Cabify hierzulande so unbekannt?

Der offensichtlichste Grund ist natürlich: Cabify bietet seine Dienste in Deutschland nicht an. Das liegt daran, dass das Personenbeförderungsgesetz hierulande das beliebteste Angebot mit Privatfahrern nicht erlauben würde.

Das Angebot für Geschäftskunden könnte mit professionellen Fahrern aber durchaus interessant sein. Möglicherweise hat hier die Konkurrenz, wie etwa von Blacklane, das Unternehmen bislang abgeschreckt.

Ein weiterer Grund ist, dass Cabify fast ausschließlich in Lateinamerika operiert. In Europa ist die App nur in Spanien und Portugal verfügbar. Mit so wenig Marktpräsenz in Europa insgesamt, ist es nicht verwunderlich, dass viele deutsche Nutzer noch nie etwas von dem Angebot gehört haben.

Verstärkt wird dies natürlich durch die Sprache. Dadurch, dass Cabify sich so stark auf den spanisch- und portugiesischsprachigen Raum konzentriert, sind auch fast alle Medienberichte dazu entweder auf Spanisch oder Portugiesisch.

Noch ist unklar, ob sich das in naher Zukunft ändern will. Das spanische Unternehmen hat angekündigt, weiter in Europa und Asien expandieren zu wollen. Das war allerdings 2012. Seitdem ist nicht viel passiert.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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