Reiseberichte

Zwischenstopp: 18 Stunden in Chattanooga

geschrieben von Marinela Potor

Die besten Reiseziele sind oft die, die man nicht plant. Gerade deshalb liebe ich kurze Zwischenlandungen oder Zwischenstopps, die mich unerwartet an völlig beliebige Orte dieser Welt bringen. Diesmal hat es mich so für einige Stunden ins verschlafene Chattanooga verschlagen.

Chattanooga ist sicher kein Ort, den USA-Reisende auf ihrer „Must-Go-Liste“ haben. Wer den Namen überhaupt schon mal gehört hat, mag wahrscheinlich kitschige 80er-Jahre-Filme mit lustigen Soundtracks.


Doch wie das so ist bei Zufällen auf Reisen – es stellte sich heraus, dass gerade Chattanooga ein idealer Ort für einen Zwischenstopp war. Zumindest wenn man, wie wir, von Ohio nach Florida fährt. Genau so landete ich schließlich für 18 Stunden in dieser verschlafenen Stadt im US-Bundesstaat Georgia.

Aussichten, Schlachten und ein Freizeitpark

Unser allererster Halt war natürlich das imposanteste Wahrzeichen der Stadt, Lookout Mountain, was soviel wie Aussichtsberg bedeutet.

Aussicht auf Chattanooga vom Lookout Mountain

Dabei sollte man wissen, dass Lookout Mountain mehr als nur einen netten Ausblick bietet. Zunächst handelt es sich um einen wichtigen historischen Ort. Im amerikanischen Bürgerkrieg verloren die Konföderierten Staaten von Amerika hier eine entscheidende Schlacht gegen die nördlichen Unionstruppen und damit auch eine strategisch wichtige Position. Der Sieg am Lookout Mountain ermöglichte es den Nordstaaten, weiter in den Süden vorzudringen und die Kontrolle über Städte wie Atlanta zu gewinnen. An all das wird – in etwas nostalgischer Südstaaten-Manier – am Gipfel mit Gedenktafeln und Statuen sowie einem Museum erinnert.

Die Erinnerungen an den Bürgerkrieg der USA sind hier immer noch sehr lebendig

Darüber hinaus ist Lookout Mountain aber auch einfach geologisch interessant. Von der historischen Gedenkstätte am Gipfel aus kann man einige schöne Bergwanderungen starten und die Aussicht ins Tal bewundern. Viele nutzen auch die außergewöhnlichen Felsformationen für sportliches Klettern.

Ausgefallene Felsformationen machen Lookout Mountain sowohl für Geologen …

… als auch für Kletterer interessant

Theoretisch kann man hier wirklich ein Wanderwochenende verbringen. Da wir aber nur wenige Stunden Zeit hatten, entschieden wir uns für die kurze Wanderung zum Sunset Rock – und wurden mit weiteren tollen Panoramabildern belohnt.

Ausblick vom Sunset Rock

Wem das noch nicht reicht, kann sich auch die volle amerikanische Dosis von Lookout Mountain gönnen. Einige Kilometer weiter unten im Tal wurde nämlich in typisch amerikanischer Art aus einer historisch-geologischen Attraktion ein Freizeitpark. Besucher können hier für ca. 46 Dollar die regional sehr bekannten Wasserfälle „Ruby Falls“ besichtigen, per Drahtseilbahn zum Gipfel fahren und sich, selbstredend, im Freizeitpark „Rock City“ austoben.

Wer sich dagegen, wie wir, nur auf den historischen Gipfel und das Wandern konzentriert, zahlt 5 Dollar. Es gibt darüber hinaus übrigens auch unzählige Wanderpfade rund um Chattanooga. Wer also gerne wandert, kann dies hier wesentlich ruhiger und günstiger tun (außerhalb von Lookout Mountain kostet das Wandern meist nichts) als in wesentlich touristischeren Orten in den USA.

Hallo, „Choo Choo“

Chattanooga hatte also schon einen sehr hübschen ersten Eindruck gemacht. Doch wie ist eigentlich die Stadt selbst?

Um es mit einem Wort zu beschreiben: ruhig. Es gibt zwar einige Bars, Restaurants und Cafés in der Innenstadt und auch eine Flusspromenade, doch selbst an einem Donnerstag Abend steppte hier nicht gerade der Bär.

Der einzige Ort, an dem tatsächlich mehr los war, war der ehemalige Bahnhof mit einer der berühmtesten Lokomotiven in den USA, dem „Chattanooga Choo Choo“. Neben Lookout Mountain ist das die Hauptattraktion der Stadt.

Die größte Attraktion der Stadt: „Chattanooga Choo Choo“

Vor gut 150 Jahren war Chattanooga, gerade aufgrund der Eisenbahnlinie und der strategischen Position zwischen Nord- und Südstaaten eine Boomstadt. „Choo Choo“ war dabei der allererste Personenzug, der aus Cincinnati nach Chattanooga fuhr.

„Choo Choo“ im Modellformat

Mittlerweile sind die Schienen still gelegt und aus dem ehemaligen Bahnhof ist ein Holiday Inn Hotel  geworden. Wer will, kann hier sogar noch in den Original-Waggons übernachten, die zu Hotelzimmern umgebaut wurden.

Der alte Bahnhof ist nun ein Hotel

Die Station selbst wurde weitesgehend im Originalzustand belassen, sodass Besucher „Choo Choo“ noch immer in alter Pracht bestaunen – und besteigen können.

„Choo Choo“ erstrahlt weiterhin in alter Pracht

 

Einzig einige moderne Graffitis zeigen, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist.

Einen Halt wert

Chattanooga ist sicherlich nicht die aufregendste Stadt, die man sich vorstellen kann. Ich würde auch nicht unbedingt empfehlen, große Umwege dafür zu fahren. Doch für einen kurzen Zwischenstopp bietet sie mehr als genug Attraktionen. Wen es also in die Gegend verschlägt: Schaut es euch selbst an, und grüßt „Choo Choo“ von mir!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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