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Was hat Kotze mit Carsharing zu tun? Eine ganze Menge!

Car2Go Kampagnenbild Deutschland Auto vor Graffitti-Wand
Car2Go ist einer der vielen Carsharer, die von Cleanrides Geschäftsmodell profitieren könnten. (Foto: car2go)
geschrieben von Marinela Potor

Wenn du noch nie über den Zusammenhang zwischen Carsharing und Kotze nachgedacht hast, wird es jetzt höchste Zeit.

Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen. Topf und Deckel, Pech und Schwefel, Katz und Maus, Wurst und Senf. Anderes wiederum scheint gar nichts miteinander zu tun zu haben – wie Kotze und Carsharing. Und doch hat ein Start-up genau daraus ein Geschäftsmodell entwickelt.

Das Unternehmen heißt Cleanride, kommt aus Berlin und hat sich auf die … nun ja … eher unangenehmen Seiten von Carsharing spezialisiert: unerwünschte Dinge, die Nutzer in den geteilten Autos zurücklassen, wie etwa Müll, Essensreste oder eben … Erbrochenes.

Test mit Lebensmitteln: Computer erkennt Kotze

Denn während Großstädter Carsharing gerne nutzen, räumen sie sie offenbar nach ihrer Fahrt nicht immer auf. Für Carsharing-Anbieter, die ihren Kunden stets saubere Autos garantieren möchten, ist das ein Problem.

Cleanride kann nach eigenen Stichproben in Berlin mit Carsharing-Anbietern wie car2go, Drive Now und Driveby ebenfalls bestätigen, dass einige Carsharing-Kunden wahre Schmutzfinken sind.

Doch wie können die Anbieter direkt nach einer Fahrt herausfinden, welche ihrer Autos schmutzig hinterlassen werden?

Genau dafür hat Cleanride ein KI-gestütztes System entwickelt.

Anhand von Hunderten von Bildern hat das Team hinter Cleanride ihrem Computer beigebracht, was ein dreckiges Auto ist und wie ein sauberes Auto aussehen sollte.

So kann der Computer nun über eine Kamera nach einer Autofahrt ziemlich genau erkennen, ob das Fahrzeug direkt im Anschluss weitergenutzt werden kann, oder ob unerwünschte Dinge zurückgeblieben sind, die erst aufgeräumt werden sollten.

Dazu gehören Chipstüten, Taschentücher, Einwegbecher, aber auch Flecken auf den Sitzen, wie etwa Kaffeeflecken oder eben Erbrochenes.

In der nächsten Stufe soll System Gerüche erkennen

Für die Tests mit der KI seien Essensreste und Autositze echt gewesen, das Erbrochene aber nicht, versichert Cleanride.

Die „Kotze“ habe man mit anderen Lebensmitteln nachgemischt. So stimmten am Ende Konsistenz und Aussehen. Damit konnte man die KI noch hereinlegen.

Doch wenn das System die nächste Stufe erreicht, wird das nicht mehr so leicht. Im “Level 3” soll es dann über spezielle Sensoren sogar Gerüche wie zum Beispiel Zigarettenrauch ausmachen können.

Kunden werden nicht gefilmt

Dabei ist Cleanride wichtig zu betonen, dass die Autoinsassen zu keiner Zeit gefilmt werden. Der Mini-Computer ist während der Nutzung ausgeschaltet.

Erst wenn Kunden die Fahrt beenden und das Auto mit der App abschließen, aktiviert sich die Kamera.

Daten zu Gegenständen, Schmutz und Gerüchen im Auto werden dann an die Carsharing-Anbieter weitergeleitet.

Handtasche im Auto vergessen? KI erinnert dich

Für Carsharing-Anbieter und -Nutzer hat das mehrere Vorteile. Erstens wissen sie so in Härtefällen, welche Nutzer ihre Autos versaut haben. Zweitens können so sehr verschmutzte Fahrzeuge sofort aus dem Verkehr gezogen werden, anstatt dass Nutzer mit schmutzigen Autos herumfahren.

Darüber hinaus kann die KI Nutzer darauf aufmerksam machen, wenn sie einen Gegenstand im Auto vergessen haben.

Sehr praktisch!

Cleanride gehörte mit dieser Idee zu den Finalisten bei der Nutzfahrzeuge Innovation Challenge 2018 von Volkswagen.

Aktuell schließt Cleanride seine Phase der Live-Demonstrationen mit dem Prototyp seiner KI ab. In den kommenden zwölf Monaten folgen dann der Nachweis, dass das Konzept wirklich funktioniert. Läuft alles nach Plan, könnte 2020 schon ein Pilotprojekt starten.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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