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Continental testet Reifen aus Löwenzahn

Löwenzahn Wiese
Reifen aus Löwenzahn? Das könnte bald möglich sein. (Foto: Pixabay / Lars_Nissen_Photoart)
geschrieben von Marinela Potor

Wenn wir über Nachhaltigkeit bei Autos sprechen, dann geht es vor allem um den Antrieb. Dabei wird ein anderer Klimasünder oft völlig vergessen: die Reifen. Continental testet deshalb eine Alternative für Reifen – Löwenzahn.

Hevea Brasilienis. So heißt der subtropische Baum, aus dem der Naturkautschuk für beinahe alle Autoreifen dieser Welt gewonnen wird. Je mehr Autos hergestellt werden, umso höher ist die Nachfrage nach dem Rohstoff.

Um dieser nachzukommen, werden Regenwälder gerodet. Da dies nicht besonders nachhaltig ist, sind Unternehmen und Wissenschaftler schon seit langem auf der Suche nach Alternativen.

Synthetischer Kautschuk kann nicht mithalten

Es gibt zwar die Möglichkeit, Naturkautschuk über nachhaltigere Verfahren zu gewinnen, doch die werden fast nur in Brasilien, dem Herkunftsland des Baumes, angewandt. Der Naturkautschuk für unsere Autoreifen stammt aber nicht aus Südamerika, sondern aus Südostasien. Hier wird Regenwald abgeholzt, um die steigende Nachfrage zu decken.

Auch gibt es seit Jahren ein weiteres Problem. Der Naturkautschuk wird von einem Pilz bedroht, dem Microcyclus ulei. Er sorgt dafür, dass Ernteerträge sinken und Kautschukpreise weltweit steigen.

Es gibt deswegen schon seit langem den Versuch, Kautschuk synthetisch herzustellen. Zwar gibt es synthetische Verfahren, doch der so hergestellte Kautschuk kann einfach nicht mit den elastischen Fähigkeiten des Naturkautschuks mithalten.

Jetzt haben Forscher des Münchner Fraunhofer Institut möglicherweise eine Alternative gefunden: russischen Löwenzahn.

Russischer Löwenzahn ist Kriegsbeute

Genau genommen haben die Deutschen diese Idee geklaut. Im Zweiten Weltkrieg fiel der Wehrmacht die sowjetische Forschung zu russischem Löwenzahl als Kautschukersatz in die Hände. Hitler wollte gigantische Flächen damit bepflanzen und trieb die Forschung dafür sogar in Konzentrationslagern an.

Doch trotz dieser dunklen Vergangenheit könnte die Pusteblume als Kautschukersatz viele Vorteile bieten.

Selbst Löwenzahn kann Naturkautschuk nicht völlig ersetzen

Sie könnte zwar nicht den gesamten Weltbedarf an Naturkautschuk ersetzen, dafür aber immerhin ergänzen. Auch ist es nicht so, dass ein Autoreifen nur aus Kautschuk besteht.

Im Schnitt macht der Naturkautschuk etwa 30 Prozent eines Autoreifens aus. Daneben werden andere Rohstoffe wie Ruß und Silica beigemischt.

Doch selbst wenn man diesen Anteil teilweise mit Löwenzahn ersetzen könnte, wäre dies ein Fortschritt. Damit müssten nicht mehr so viele Bäume gerodet werden und man wäre ein wenig unabhängiger von Importen.

Löwenzahn wächst außerdem ganz wunderbar auf „Marginalflächen“. Darunter versteht man Böden mit schlechter Qualität, auf denen sonst keine Nutzpflanzen wachsen. In Deutschland gibt es etwa eine Million Hektar ungenutzte Marginalfläche.

Theoretisch könnte so die Pusteblume eine nachhaltige Alternative zum Naturkautschuk bieten.

Serienproduktion frühestens 2020

Diese Theorie möchte Reifenhersteller Continental nun in die Praxis umsetzen. Schließlich hat das Unternehmen die Forschung an den Löwenzahn-Reifen mitfinanziert. Nun hat Continental grünes Licht gegeben und testet bereits die ersten Reifen auf der Straße.

Dabei handelt es sich allerdings vorerst noch um firmeneigenes Gelände. Die Serienproduktion soll frühstens 2020 starten. Continental baut den Löwenzahn allerdings nicht auf Feldern an, sondern in einer eigenen Pilotanlage.

Besonders interessant ist dabei für Continental die Nutzung von Löwenzahn für LKW-Reifen, da diese einen höheren Naturkautschuk-Anteil haben als PKWs.

Die Forscher und das Unternehmen erhoffen sich so, nicht nur eine effizientere Produktion, sondern auch eine bessere CO2-Bilanz und mehr Biodiversität. Das Projekt wurde dementsprechend in diesem Jahr mit dem Greentec-Award ausgezeichnet.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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