Transport

Copenhagen Wheel im Roadtest: Tolles Fahrgefühl – wenn der Motor nicht ausfällt

Copenhagen Wheel Superpedestrian Test
Im Roadtest: Das Copenhagen Wheel von Superpedestrian
geschrieben von Marinela Potor

Wie fährt sich eigentlich das Copenhagen Wheel von Superpedestrian? Als ich netterweise das Angebot bekam, das E-Wheel zu testen, habe ich natürlich direkt zugesagt. Mein Eindruck: Cooles Teil … wenn der Motor nicht ausfällt.

Das Copenhagen Wheel ist ein E-Wheel der Marke Superpedestrian, das in wenigen Minuten ein Fahrrad in ein Pedelec verwandelt. Für alle, die über motorisierte Pedalunterstützung beim Radfahren nachdenken, aber sich nicht gleich in ein teures E-Bike zulegen wollen, ist das Copenhagen Wheel also eine gute Option.

Was theoretisch gut klingt, wollte ich natürlich auch in der Praxis ausprobieren und habe daher das Testangebot dankend angenommen. Fünf Tage lang bin ich das Copenhagen Wheel über die Hügel von Cincinnati rauf und runter gefahren. Fazit: Schickes Design, tolles Fahrgefühl – wenn der Motor nicht streikt.

Ein echter Hingucker!

Als mir die netten Jungs von The Garage OTR in Cincinnati mein Testrad überreichten (vielen Dank an dieser Stelle an Josh, für das Heruntersägen (!) des Sitzes auf meine „Größe“), war ich zugegebenermaßen sehr angetan. Das Copenhagen Wheel ist mit dem knalligen roten Design ein echter Hingucker!

Copenhagen Wheel Superpedestrian Radweg

Das Design ist ein echter Hingucker

Um das E-Wheel anzubringen, muss das Hinterrad abmontiert und das Copenhagen Wheel stattdessen angebracht werden, was aufgrund der Bauweise nur bei Fahrrädern ohne Rücktrittbremse funktioniert.

Wer einigermaßen fahrradmechanisch unterwegs ist, bekommt das – je nach Modell – relativ einfach hin. Wer sich das nicht zutraut, sollte es sich lieber beim Fachhändler montieren lassen.

Die Specs in der Übersicht

  • maximale Geschwindigkeit: 25 km / h (250 Watt) in Europa und 32 km / h (350 Watt) in den USA
  • Gewicht: 7,5 kg
  • Ladezeit 4 Stunden
  • Preis: 1.749 Euro

Einmal angebracht, bemerke ich das erste Problem: Das Copenhagen Wheel ist schwer! Ich kann es kaum alleine heben. Um es an den Fahrradträger am Auto anzubringen, brauche ich Hilfe.

Fairerweise muss man aber sagen, dass das für die meisten E-Wheels gilt, und das Copenhagen Wheel mit seinen 7,5 Kilogarmm nicht mal das schwerste Modell auf dem Markt ist. Das Gewicht lässt sich aber kaum vermeiden, schließlich sind im Rad sowohl der Motor als auch der Akku.

Der Motor wird über ein kleines Rädchen eingeschaltet (Mädels, passt auf eure langen Fingernägel auf, es besteht Bruchgefahr!). Direkt daneben ist übrigens auch eine Klappe, unter der sich der Eingang für das Ladekabel versteckt.

Copenhagen Wheel Superpedestrian Detail

Einfach losfahren – wenn da nicht die App wäre

Ist das Wheel eingeschaltet, kann man es mit der Superpedestrian-App über Bluetooth mit dem eigenen Smartphone koppeln. Zwar braucht das Wheel theoretisch keine App, um zu fahren. Die App zeigt einem jedoch die gefahrene Route an, sowie einige Informationen zu Tempo, Kalorienverbrauch und Akkustand, was natürlich sehr hilfreich ist.

Copenhagen Wheel Superpedestrian App

Im Test fast das nervigste – die App

Über die App kann man darüber hinaus auch den Fahrmodus einstellen (Eco, Standard und Turbo – je nachdem wie viel Motorkraft man haben will oder wie viel Akku man sparen möchte), sowie die Empfindlichkeit des Rücktritts einstellen.

Denn das Copenhagen Wheel ist so eingestellt, dass man beim Rücktritt automatisch abbremst und dadurch den Akku wieder aufladen kann.

Wer also auf längeren Touren oder auf wechselndem Terrain unterwegs ist, will wahrscheinlich vor allem die Modi wechseln, weshalb ich eigentlich empfehlen würde, die App und das Wheel stets zu verbinden.

Das klingt bis dahin sehr einfach: Fahrrad einschalten, App verbinden, losfahren. Nur – so einfach war es bei mir kein einziges Mal. Die App brauchte grundsätzlich rund 10 Minuten, um das Wheel zu erkennen.

Ich musste sowohl Bluetooth als auch Motor wiederholt ein- und ausschalten, bis die Verbindung endlich hergestellt war. Trotz Kopplung hat die App dann aber mehrere meiner Fahrten gar nicht aufgezeichnet. Ebenfalls sehr problematisch zeigte sich an dieser Stelle der Standby-Modus des Copenhagen Wheels.

Der Hersteller gibt an, dass sich das Rad nach ca. zehn Minuten Stillstand in den Energiesparmodus schaltet. Mein persönlicher Eindruck war aber, dass dies eher nach fünf Minuten geschah und ich habe es auch in der gesamten Testzeit nicht geschafft, dies über die App zu ändern.

(Achtung, das kann auch bei den Updates der App problematisch werden, wenn diese länger als zehn Minuten dauern! Wenn also ein Update ansteht, solltet ihr das Rad lieber an der Steckdose haben.)

Das wäre alles kein Problem, wenn das Wheel dabei nicht die Verbindung zur App unterbrechen würde. Denn dann ging in meinem Fall das ewige Verbindungsspiel wieder von vorne los.

Ich bin nicht sicher, ob es an dieser Stelle an meinem alten Motorola lag oder daran, dass sehr viele Smartphones mit dem Testaccount verbunden sind und das Wheel einfach verwirrt war. Für mich war es aber mit das nervigste Problem mit dem Copenhagen Wheel.

Trotz allem, tolles Fahrgefühl

Immerhin: Das tolle Fahrgefühl konnte die Schwierigkeiten mit der App beinah wettmachen. Der Motor ist sehr leise, man hört ihn kaum und vor allem im Turbo-Modus konnte ich damit selbst auf den steilen Hügeln von Cincinnati sogar ein paar Autos abhängen, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen.

Ich gebe zu, das war schon ziemlich geil!

Copenhagen Wheel Superpedestrian Testfahrt

Wenn die Technik nicht versagt, bietet das Copenhagen Wheel ein tolles Fahrgefühl

Dazu muss ich aber sagen, dass ich die US-Version mit einer Spitzengeschwindigkeit von 32 Kilometer pro Stunde getestet habe. In Europa kommt das Copenhagen Wheel maximal auf 25 Kilometer pro Stunde.

Akkuleistung stets im Auge behalten

Ich habe das Copenhagen Wheel aber nicht nur auf steilen Kurzstrecken, sondern auch auf einer langen Fahrt von insgesamt etwa 35 Kilometern getestet. Auf der flachen Strecke reichte der Eco-Modus völlig aus. Ich würde auch keine stärkere Motorleistung empfehlen, wenn ihr länger unterwegs sein, da das Batterieleben davon sehr stark beeinflusst wird.

Zum Vergleich: Ich bin bei einem Akkustand von 87 Prozent im Turbo-Modus losgefahren. Die Strecke war ca. 5,5 Kilometer lang und ging überwiegend bergauf. Am Ende war mein Akku auf unter 70 Prozent gesunken.

Im Öko-Modus wiederum bin ich ebenfalls bei ca. 85 Prozent Akkuleistung losgefahren und hatte nach etwa 20 Kilometern noch 56 Prozent Akku.

Es ist daher nicht schlecht, wenn ihr hin und wieder auf euren Akkustand blickt, denn glaubt mir – ohne Motor fahren ist nicht lustig. Denn auch das habe ich, wenn auch nicht freiwillig, getestet.

Und dann fiel der Motor aus…

Auf meiner Langstrecke fiel nämlich plötzlich der Motor komplett aus. Ich hatte gerade eine kurze Pause (es mögen zehn Minuten gewesen sein) gemacht und wollte wieder aufsteigen, als ich merkte: Der Motor zog nicht an.

Das letzte Mal, bevor sich die App mal wieder verabschiedet hatte, war der Akkustand über 50 Prozent. Ich schaltete das Wheel also aus und wieder ein – nichts. An, aus … immer noch nichts. An, aus – Funkstille. Eigentlich schaltet der Standby-Modus den Motor nicht aus, aber in dem Moment hatte sich der Motor komplett verabschiedet.

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Das Copenhagen Wheel fährt auch ohne Motorantrieb und zum Glück war ich auf einem flachen Stück unterwegs. So fühlt es sich dann aufgrund des Gewichts des Hinterrads zwar eher so an als würde man leicht bergauf fahren, aber man kommt wenigstens voran.

Sollte dies allerdings auf einem Berg passieren, wäre das natürlich so ziemlich das Worst-Case-Szenario.

Nach einigen schweißtreibenden Kilometern ohne Motor habe ich nochmals den An-Aus-Knopf betätigt und dann ging es zum Glück wieder. Das scheint leider keine Ausnahme gewesen zu sein, denn das Gleiche ist mir auf einer weiteren Kurzstrecke nochmals passiert.

Hier konnte ich das Wheel allerdings sofort durch An- und Ausschalten wieder aktivieren. Während ich mit den App-Problemen noch leben kann, muss ich an der Stelle sagen: Das darf eigentlich nicht passieren!

Copenhagen Wheel Superpedestrian Rad

Kleines Rad, viel Kraft – allerdings nur, wenn der Motor läuft

Fazit: Ein E-Wheel ohne „E“ ist kein Spaß

Sowohl was das Design als auch das Fahrgefühl und die Motorleistung angeht, war ich vom Copenhagen Wheel sehr angetan. Gerade wer sein Pedelec nutzen möchte, um zur Arbeit zu pendeln, oder den Berg zum Supermarkt mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückzulegen, hat hier ein sehr starkes E-Wheel unterm Hintern.

Stark verbesserungsfähig ist jedoch aus meiner Sicht die Verbindung zwischen App und Wheel und für mich wäre der Motorausfall – falls es sich dabei nicht um einen individuellen technischen Ausfall bei meinem Testrad gehandelt hat – ein echter Dealbreaker.

Mein Tipp: Wenn ihr darüber nachdenkt euch das Copenhagen Wheel zuzulegen, fragt unbedingt, ob ihr es vorab testen dürft. Denn eins kann ich nach meinem Roadtest sagen: Ein E-Wheel ohne „E“ ist wirklich kein Spaß!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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