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Im Test: Das urbane E-Bike von Cowboy

Cowboy E-Bike, Pedelec, Elektrofahrrad
Wir testen das E-Bike "Cowboy". (Foto: Cowboy)
geschrieben von Marinela Potor

Was ist schwarz, elektrisch und leuchtet immer voraus, wenn du fährst? Das E-Bike „Cowboy“ vom gleichnamigen belgischen Start-up. Doch ist es wirklich das angepriesene „Elektrorad für urbane Fahrer“ oder einfach nur noch ein E-Bike auf dem Markt? Wir haben es getestet!

Vor mir steht ein großer Karton mit der pinken Aufschrift „I’m a Cowboy“. Ich bin gespannt.

Die erste Hürde ist tatsächlich schnell überwunden. Denn durch den cleveren Auspack-Mechanismus der Schachtel kann man das E-Bike sehr einfach herausziehen.


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Dabei hilft natürlich auch, dass das E-Bike mit 16,1 Kilogramm am unteren Gewichtsspektrum für Pedelecs liegt.

Neben dem eigentlichen Fahrrad enthält das Paket einen kleinen Werkzeugkasten, Ladekabel, Katzenaugen, eine Fahrradklingel sowie Pedale und natürlich eine Anleitung.

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Das Zubehör-Set von Cowboy enthält zusätzliche Lichter.

Die braucht man eigentlich kaum, weil sich das Cowboy sehr schnell und einfach aufbauen lässt. Wenige Minuten später stehe ich so vor einem fahrbereiten E-Bike. Fast.

Cowboy, Graffiti, urbanes E-Bike

Bevor du losradeln kannst, fehlt noch ein Schritt.

Cowboy fahrbereit machen

Denn das Cowboy funktioniert nicht ohne die dazugehörige App*. Diese muss man sich erst herunterladen, ein Nutzerprofil erstellen und dann über Bluetooth mit dem E-Bike verbinden.

Dazu muss logischerweise dein Bluetooth aktiviert sein und du brauchst eine Netzwerkverbindung. WLAN ist nicht erforderlich.

Als letztes musst du das E-Bike zum Fahren entsperren. Dafür musst du das Schloss-Symbol auf dem Smartphone ein paar Sekunden gedrückt haben.

Um es nach der Fahrt wieder abzusperren, musst du ebenfalls das geöffnete Schloss-Symbol ein paar Sekunden mit dem Finger gedrückt halten.

All das funktioniert relativ schnell und unkompliziert, wenn man es einmal gemacht hat. Während der Fahrt brauchst du übrigens auch kein Netz. Das ist nur zum Auf- und Zusperren nötig.

Warum so kompliziert?

Trotzdem: Ich finde das komplizierter, als es sein muss.

Es ist zwar super, wenn E-Bikes dazugehörige Apps bieten, mit denen du dein Tempo, den genauen Akku-Stand oder die Strecke sowie gefahrene Kilometer prüfen kannst.

Beim Cowboy bist du über die App auch ständig mit einem Service-Team verbunden und seit Neuestem ist sogar noch ein zusätzlicher Diebstahl-Schutz über die App möglich.

Gleichzeitig fände ich es praktischer, wenn man die App unabhängig vom Einschalten des E-Bikes nutzen könnte. So musst du also immer auch dein Handy dabei haben und noch darauf achten, dass es Netz und ausreichend Akku hat.

Warum so umständlich, wenn man es auch einfacher (etwa über einen Einschalt-Mechanismus direkt am Rad) hätte machen können?

Natürlich ist die App-Nutzung an sich nicht umständlich. Doch für mich gilt: Je mehr Dinge ich brauche, um ein Fahrrad zu fahren, desto komplizierter mache ich dieses eigentlich so genial einfache Transportmittel.

Lichter an, dein Cowboy ist bereit

Sobald das Rad dann aber entsperrt ist, schalten sich die Lichter ein, die du übrigens über die App ein- und ausschalten kannst. Beim Cowboy ist das eine weiße Leuchte vorne und ein Bremslicht hinten am Rad sowie fünf kleine Leucht-Punkte an der Oberstange, die den Akku-Stand anzeigen.

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Die fünf Punkte zeigen den Akkustand an.

Fünf leuchtende Punkte heißt: voller Akku. Ich kann also losfahren. Meine erste Proberunde ist dann schon allerdings nicht mehr ganz so reibungslos.

Nicht für kleine Cowboys

Denn obwohl ich den Sattel schon auf den niedrigsten Stand habe, ist das Fahrrad eigentlich zu groß für meine 1,58 Meter. Leider ist der Sattel auch das einzig Verstellbare am Cowboy, sodass ich nicht mehr viel machen kann.

Ich komme beim Fahren zwar an die Pedale, doch das Lenkrad erreiche ich nur, wenn ich mich sehr weit – im Rennfahrer-Stil – nach vorne beuge.

Das mag Geschmackssache sein, aber ich finde das sehr unbequem und bei längeren Fahrten bekomme ich das auch durch leichte Schmerzen in Oberarmen und Schultern unangenehm zu spüren.

Nun sind die meisten Fahrradfahrer zugegebenermaßen wahrscheinlich größer als ich. Und das Unternehmen gibt die ideale Größe für Cowboy-Fahrer auch zwischen 1,70 und 1,95 Metern an.

Dennoch finde ich es schade, dass man beim Cowboy nicht beispielsweise auch das Lenkrad anheben kann, um hier noch mehr Spielraum zu haben.

Ich bin ehrlich gesagt auch kein Fan von Querstangen am Fahrrad. Einen Diamantrahmen hätte ich bequemer gefunden.

Auch hier wäre es schön, wenn das Unternehmen künftig vielleicht einfach mehr Optionen und Modelle ins Sortiment nimmt.

Das nächste, was mir auffällt, ist die abrupte und sehr starke Bremse. Hier würde ich vor der ersten richtigen Tour ein paar Proberunden empfehlen, damit man nicht aus Versehen zu stark bremst und dann vom Rad fällt.

Sobald ich mich aber erstmal ans Cowboy gewöhnt habe, kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren, das „E“ im Bike.

Intelligente Motorunterstützung

Das Cowboy hat nämlich interessanterweise nur einen Gang, passt sich aber automatisch an deinen Fahrstil oder die Situation an.

Das habe ich mir sehr viel ruckartiger vorgestellt, als es in der Praxis ist. Tatsächlich finde ich das automatische Umschalten sehr subtil und es wirkt nie störend oder überraschend, wenn das Cowboy eigenständig die Intensität der Motorunterstützung ändert.

Auch hier wäre ein kleiner Kritikpunkt jedoch: Das hätte man etwas mehr dem Fahrer überlassen können. Denn in einigen Situationen hätte ich gerne eine andere Einstellung gehabt, als das Cowboy mir automatisch bietet.

Denkbar wäre beispielsweise, dass man verschiedene Modi hat (smart, viel Motorunterstützung, wenig Motorunterstützung etc.), die einem mehr Optionen zur Selbstregelung der Motorleistung bieten.

Das Fahrgefühl (wenn wir von meiner unbequemen Haltung absehen) würde ich aber insgesamt mit „gut“ bewerten, da sich das Cowboy unterm Strich doch angenehm fährt.

Motor: Ausreichend für urbane Landschaft

Was den Motor selbst angeht, ist er für eine nicht zu bergige Stadt völlig ausreichend, wenn man einigermaßen fit ist.

Denn bei Steigungen musste ich schon kräftiger treten, als ich es bei anderen E-Bikes gewohnt bin. Es fühlt sich dadurch mehr an wie klassisches Fahrradfahren, was für fitte Radler sicherlich auch ein Vorteil sein kann.

Wer sich dagegen mehr Motorleistung wünscht, wird beim Cowboy enttäuscht sein.

Dennoch: Als ich das Cowboy auf den gefühlt höchsten Berg im Ruhrgebiet fahre, dem Kaiserberg am Phoenixsee in Dortmund, schafft es das E-Bike bis ganz nach oben.

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Den steilen Berg kam das Cowboy problemlos hoch.

Das Cowboy positioniert sich aber auch ganz klar als urbanes Bike und nicht als Offroad-Fahrrad. In dem Sinne darf man da sicherlich nicht zu viel erwarten und wenn man nicht gerade in einem Ort mit lauter steilen Bergen wohnt, ist das Cowboy sehr Stadt-tauglich.

Solider Akku und rutschfeste Reifen

Das gilt übrigens auch für nasse Straßen und Straßen voller Laub. Hier war ich überrascht wie sicher und rutschfest die Reifen waren.

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Reifen kommen sicher auch über nasses Laub.

Um das Cowboy etwas weiter auszureizen, habe ich auch ein paar Fahrten im Dunkeln sowie einen längeren Ausflug auf etwas rustikaleren Radwegen von etwa 25 Kilometern unternommen.

Die eingebauten Lichter reichen meiner Meinung nach völlig für einigermaßen beleuchtete Straßen in der Stadt aus. Wer mehr möchte, kann das zusätzliche Licht montieren und hat damit beispielsweise auch im dunklen Winter ein sehr sicheres E-Bike.

Positiv überrascht war ich auch von der Akku-Leistung. Die angegebenen 70 Kilometer Reichweite scheinen nach meinen Fahrten akkurat. Damit ist das Cowboy auch für einen längeren Ausflug oder weite Pendelstrecken sehr gut geeignet.

Besonders hilfreich ist dabei, dass man den Akku einfach ausbauen kann und so in der Wohnung, im Büro oder im Café wieder aufladen kann.

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Der Akku lässt sich mit einem Schlüssel einfach herausnehmen. (Foto: Cowboy)

Und auch auf Radwegen außerhalb der Stadt mit verschiedenen Unebenheiten hatte das Cowboy keine Probleme.

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Auch auf unebenen Flächen und auf Herbstlaub fährt das E-Bike verlässlich.

Zum Schluss noch ein Wort zum Design. Das ist natürlich immer Geschmackssache. Ich wurde aber tatsächlich mehrfach von anderen Radfahrern angehalten, die vom Cowboy-Look sehr angetan waren und auch generell war das E-Bike ein Hingucker.

Empfehlenswert für die Stadt, mehr Variation wäre schön

Mein ehrliches Fazit ist: Das Cowboy ist durchaus ein gutes E-Bike für die Stadt, aber ich würde es mir aktuell nicht zulegen, einfach, weil es für meine Größe zu unbequem zum Fahren war und ich auch gerne mehr Optionen für die Motorunterstützung hätte.

Wenn du aber glaubst, das Cowboy wäre etwas für dich, würde ich unbedingt eine Testfahrt empfehlen, bevor du rund 2.000 Euro investierst. Dies kannst du übrigens direkt über die Website von Cowboy organisieren.

Denn dadurch, dass es aktuell nur ein Modell (mit wenig Variationsmöglichkeiten) gibt, muss man das E-Bike genau so mögen, wie es aktuell ist.

Wenn du das tust, hast du mit dem Cowboy aber ein verlässliches, qualitativ gutes und vor allem sehr stylisches E-Bike.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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