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Deutsche Bahn senkt Preise fürs Klima: Bringt das überhaupt etwas?

Zug, Deutsche Bahn, Schienen
DB senkt Preise fürs Klima. Reicht das? (Foto: Pixabay / holzijue)

Ab sofort gibt es für Bahnreisende in Deutschland eine gute Nachricht: Die Deutsche Bahn senkt ihre Preise. Tickets im Fernverkehr werden rund 10 Prozent günstiger. Damit sollen mehr Menschen zum umweltfreundlicheren Zugfahren bewegt werden. Doch Verbraucherschützer zweifeln daran.

Deutsche sollen mehr Bahn statt Auto fahren – dem Klima zuliebe. Das ist einer der Beschlüsse aus dem Klimapaket der Koalition. Doch wie kriegt man die Menschen aus den eigenen Autos in den Zug? Die Regierung sagt: Indem man die Preise für Fahrkarten senkt.

Konkret geht es dabei um die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die bislang für Fernstrecken ab 50 Kilometer galt. Diese soll nun an die Mehrwertsteuer im Nahverkehr angepasst und auf sieben Prozent reduziert werden. Diesen Preisnachlass möchte die Deutsche Bahn auch vollständig an den Kunden weitergeben.


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Deutsche Bahn senkt Preise: Das wird günstiger

Das bedeutet: Tickets im Fernverkehr – allerdings nur innerdeutsche Strecken – sind ab sofort rund 10 Prozent günstiger. Das gilt übrigens für alle Schienenanbieter, also beispielsweise auch für den Nightjet der ÖBB in Deutschland oder Flixtrain (allerdings nicht für Fernbusse).

Der Super Sparpreis reduziert sich damit beispielsweise von 19,90 Euro auf 17,90 Euro und eine Sitzplatzreservierung in der 2. Klasse kostet ab sofort nur noch vier Euro statt wie bisher 4,50 Euro. Auch Radfahrer können sich auf günstigere Preise freuen. Die Fahrradkarte im Fernverkehr kostet nun acht Euro statt bislang neun Euro.

Die Bahncard 100 kostet nun ebenfalls 10 Prozent weniger (3.952 Euro für die 2. Klasse und 6.685 Euro für die 1. Klasse). Für die Bahncard 50 und die Bahncard 25 steht jedoch noch nicht fest, ob es auch hier einen Preisnachlass gibt. Hier verhandelt die Bahn derzeit noch mit Bund und Ländern.

[Update vom 10. Januar 2020: Die Bahn gibt bekannt, dass auch die Bahncard 50 und die Bahncard 25 günstiger werden. Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, auch hier die Mehrwertsteuer abzusenken. Damit werden alle Bahncards etwa 10 Prozent günstiger. Die Probebahncard gibt es damit ab 17,90 Euro.]

Die Bahn rechnet aufgrund der günstigeren Preise mit etwa fünf Millionen mehr Fahrgästen. Eigentlich super, oder? Doch Verbraucherschützer befürchten, dass all das nicht sehr viel bringt.

In welchen Zügen sollen die zusätzlichen Fahrgäste rein?

Denn mehr Fahrgäste sind ja schön und gut. Doch wie sollen die jetzt auch noch in ohnehin oftmals überfüllten Zügen transportiert werden und die Pünktlichkeit bei höherem Aufkommen garantiert werden?

Wenn mehr Fahrgäste unterwegs sind, braucht die Bahn auch mehr Züge. Doch bis die geliefert werden, dauere es oft Jahre, kritisiert etwa Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn gegenüber der Berliner Morgenpost. Denn letztlich entscheide nicht der Preis, sondern vor allem die Zuverlässigkeit der Bahn darüber, ob Menschen gerne und oft Bahn fahren.

Die Bahn investiert zwar kräftig in neue Züge und kauft auch gebrauchte Züge auf, doch ob diese rechtzeitig in Betrieb gehen können, ist noch unklar.

Dirk Flege, Chef der Allianz pro Schiene, glaubt außerdem, dass allein die Reduzierung der Mehrwertsteuer nicht reicht. Es müsste deutlichere Preissenkungen geben, um ein wirkliches Signal zu setzen.

Das Problem dabei ist, dass die Deutsche Bahn das nicht allein in der Hand hat. Denn das Unternehmen kann an derzeit hohen Fixkosten wie Stromsteuer, Ökosteuer, EEG-Umlage oder Schienenmaut selbst nicht viel machen.

Hier wäre eigentlich der Staat gefragt, der diese Kosten für die Bahn entweder senken oder im Umkehrschluss andere Transportmittel wie Flugzeug und Auto (etwa über eine höhere Kerosinsteuer oder eine PKW-Maut) teurer machen müsste.

Genau hier scheint die Regierung aber eine Rolle rückwärts zu machen oder zumindest nicht ganz konsequent zu sein.

Weniger Gelder für die Bahn, dafür mehr für Autobahnen

Denn der Bund hat der Deutschen Bahn zwar mehr Geld zugesichert. Allerdings gilt das nur für die Instandhaltung und Sanierung der Schieneninfrastruktur. Beim Aus- und Neubau jedoch möchte die Regierung das Geld kürzen. Das berichtet die Rheinische Post.

Nach Informationen der Zeitung will das Verkehrsministerium 2020 lediglich 1,501 Milliarden Euro und 2021 1,552 Milliarden Euro in neue Infrastruktur investieren. 2019 waren es noch 1,638 Milliarden Euro.

Parallel dazu fördert das Ministerium den Aus- und Neubau von Bundesfernstraßen. Ab 2021 möchte die Regierung 2,721 Milliarden Euro unter anderem in neue Autobahnen investieren (2019 waren es 2,6 Milliarden und 2018 2,362 Milliarden).

Grünen-Politiker Oliver Krischer kritisiert daher, dass die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene so nicht erreicht werden könne.

Die Befürchtung ist nicht ganz unberechtigt. Denn wenn die Bahn überfüllt und unzuverlässig ist und es gleichzeitig gut ausgebaute Autobahnen gibt, wird niemand für ein paar Euro Ersparnis lieber Zug als Auto fahren.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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