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Deutschland – Montenegro im Elektroauto: „100% erfolgreich!“

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Zwei Gäste von Michael Bader posieren mit der Zoe. So idyllisch kann eine Urlaubsfahrt im Elektroauto aussehen. (Foto: Michael Bader)

Kann man von Deutschland nach Montenegro im Elektroauto in den Urlaub fahren? Nach einem Selbstversuch mit der Renault Zoe sagt Michael Bader: „Definitiv – und gerne wieder.“ Wir haben Bader während seiner Fahrt begleitet und haben nun mit ihm nach seiner Ankunft in Montenegro gesprochen. 

Nach 2.042 Kilometern, 76 Stunden und 15 Ladepausen hat Michael Bader es geschafft. Er ist mit der Renault Zoe am Freitagabend in seiner Wahlheimat Montenegro angekommen.

Los ging die Fahrt am Dienstag in Norderstedt bei Hamburg. Hier hatte sich Bader nämlich ein neues Elektroauto zugelegt, die Renault Zoe. Dieses wird er in Zukunft an Gäste vermieten, die in seinen Ferienwohnungen in der Gemeinde Bar übernachten.


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Zwar hätte er sich das Auto auch durchaus nach Montenegro bringen lassen können. „Das fand ich aber nicht besonders sexy“, sagt er im Gespräch mit Mobility Mag. Vielmehr reizte ihn die Frage: Wäre es eigentlich möglich, mit einem Elektroauto von Deutschland nach Montenegro in den Urlaub zu fahren?

Als wir mit ihm am Samstag telefonieren und er die gesamte Strecke problemlos hinter sich gebracht hat, sagt er ohne zu zögern: „Ja, die Mission war 100 Prozent erfolgreich und ich würde es sofort und gerne genau in der gleichen Konstellation wieder tun.“

Will heißen: von Deutschland nach Montenegro mit einem Elektroauto, das eine reale Reichweite von rund 300 Kilometern hat und auch kein Schnellladekabel.

Deutschland – Montenegro im Elektroauto? Läuft … entspannt!

Natürlich muss man für so eine Tour Spaß am Autofahren haben und auch keine große Eile haben, um ans Ziel zu gelangen. Denn bei einem langsam ladenden Auto wie der Zoe heißt eine Ladepause auch, dass man eine oder sogar zwei Stunden an einer Ladesäule hängt.

In dieser Zeit hat Michael Bader aber stets eine gute Beschäftigung gefunden. Entweder er war einkaufen, essen oder Kaffee trinken. Insbesondere auf seiner letzten Teilstrecke, von Split nach Bar, hat er aber auch die Landschaft genossen.

Hier hat er sich nämlich für die Küstenstrecke entschieden. „Da waren die Ladestationen dann auch wirklich in bester Lage, mit tollen Ausblicken auf die Küste. Es war wirklich idyllisch“, berichtet er.

Als jemand, der zum ersten Mal mit dem Elektroauto unterwegs war, hat er auch viel dazugelernt. Zum Beispiel: „Nächstes Mal mache ich nicht mehr so viele Ladepausen.“ Denn bei dieser Tour hat er sehr viele Stopps eingelegt, einfach, weil er nicht sicher war, ob und wie gut die Ladeinfrastruktur auf der Strecke sein würde.

„Da hätte ich mich vorher nicht so verrückt machen sollen“, sagt er nun im Nachhinein.

Kostenfaktor Strom: 20 Euro

Denn mit Ausnahme von Slowenien hatte er an keiner Stelle Probleme. Größter Stolperstein war tatsächlich das Laden am Flughafen in Dubrownik.

Aber nicht wegen der Ladestation. Vielmehr muss man an diesem Flughafen auf einen Bezahlparkplatz fahren. „Das Laden war zwar kostenfrei, aber ich habe umgerechnet 14 Euro fürs Parken bezahlt“ erzählt Michael Bader.

Tatsächlich waren diese 14 Euro und eine überteuerte Ladesäule in Slowenien die einzigen Male, in denen er überhaupt etwas fürs Laden bezahlt hat. Denn von IKEA über Lidl bis hin zu Solarstationen und Ladestationen an Tankstellen und in Hotels: Das Laden war überall gratis.

Nun ja, fast. Denn an jedem Ladestopp hat Michael Bader entweder in Form von Einkäufen oder einer Übernachtung auch eine Art Gegenleistung erbracht.

Doch seine reinen Strom-Ausgaben für die gesamte Strecke belaufen sich damit auf 20 Euro.

Damit kann natürlich kein noch so niedriger Diesel- oder Benzinpreis mithalten, auch wenn man natürlich durch eine zusätzliche Übernachtung und die Extra-Stopps sicherlich auch mehr Geld ausgibt als man es ohne Ladestopps täte.

Andererseits hat Michael Bader seine Ladestopps auch sichtlich genossen. So entspannt war er bislang noch nie unterwegs, sagt er.

Plötzlich ist der Fahrtwind so laut

Es habe auch Spaß gemacht ein Elektroauto zu fahren. Dabei sei das Fahren an sich eigentlich fast genauso wie im Verbrenner. Die größte Umstellung war für Michael Bader aber der Lärmfaktor. Beziehungsweise die Tatsache, dass der Motor keinen Lärm macht.

„Stattdessen hört man nun plötzlich andere Geräusche, die der Verbrennermotor sonst übertönt, wie etwa den Fahrtwind oder die Räder“, sagt Bader.

Auch bei ihm auf dem Hof müsse er sich an die lautlose Zoe noch gewöhnen. Denn hier hört er normalerweise an der steilen Auffahrt, wenn Feriengäste mit dem Mietwagen ankommen. Nun fahren sie fast geräuschlos an.

Dennoch freut er sich schon darauf, das Elektroauto an seine Gäste weitergeben zu können. Langfristig möchte er sich noch eine zweite Zoe zulegen. „Die fahre ich dann auch sehr gerne wieder nach Montenegro“, sagt er.

Eine Ladestation auf dem Hof hat er schließlich schon und bei einem Tagesstrompreis von 10 Cent pro Kilowattstunde ist die Zoe für rund vier Euro aufgeladen. Nachts ist es sogar mit fünf Cent pro Kilowattstunde noch günstiger.

Gewinnspiel für E-Auto-Fahrer

Doch Bader möchte mit dieser PR-Aktion sowie den Elektroautos auch die Elektromobilität und den E-Tourismus in Montenegro fördern. So will er nach und nach seine eigenen Verbrenner „ausmustern“, wie er sagt und nur noch Elektroautos anbieten (und selbst fahren).

Als Ansporn für mehr Elektroautos in Montenegro hat er sich für seine Gäste auch schon ein besonderes Gewinnspiel überlegt. „Die ersten Gäste, die nach Montenegro im Elektroauto fahren, bekommen eine Woche kostenfreien Urlaub“, sagt er.

Weitere Details dazu wird er auf seiner Website und über Social Media bekanntgeben.

Und mit Ausreden dürfe ihm jetzt keiner mehr kommen, lacht Bader. „Ich habe jetzt gesehen, dass es sogar mit einer Renault Zoe von Hamburg aus geht. Wenn ich das so geschafft habe, dann schaffen das andere Elektroauto-Fahrer locker.“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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