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Deutschlandtakt: Diese Bahnfahrten werden künftig kürzer – und weitere Infos

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Lange haben wir gewartet, jetzt soll der Deutschlandtakt kommen. (Foto: Deutsche Bahn AG / Georg Wagner)

Seit 2008 diskutiert man in Deutschland den Deutschlandtakt bei Zügen. Nun soll er endlich umgesetzt werden. Züge werden demnach öfter fahren und viele Bahnfahrten sollen kürzer werden – auch im Regionalverkehr. 

Mehr Züge, weniger Wartezeiten, alles perfekt aufeinander abgestimmt und mit doppelt so vielen Fahrgästen wie bisher: Der Deutschlandtakt ist ein ziemlich ehrgeiziges Vorhaben.

Angeregt vom landesweiten Bahn-Takt in der Schweiz, diskutieren verschiedene deutsche Verbände bereits seit 2008 einen derart abgestimmten landesweiten Fahrplan.


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Nun hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ihn offiziell im „Zukunftsbündnis Schiene“ eingeläutet. Mit dem Deutschlandtakt soll sich nämlich die erste Arbeitsgruppe befassen. Erste Maßnahmen starten schon in diesem Jahr.

Wir fassen die wichtigsten Informationen zusammen und zeigen dir, welche Bahnfahrten künftig kürzer werden.

Was ist der Deutschlandtakt?

Der Deutschlandtakt bezieht sich auf einen abgestimmten Zugfahrplan in ganz Deutschland. Er soll sämtliche Züge und Anbieter umfassen, sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr einschließen und für Stadt und Land gelten.

Abgestimmte Fahrpläne gibt es zwar schon jetzt zwischen einzelnen Strecken und Knotenpunkten. Ein landesweites Konzept fehlt aber noch – und oftmals ist der Regionalverkehr auch ausgeklammert.

Genau das soll der Deutschlandtakt nach und nach ändern. So will man damit insgesamt die Anzahl der Fahrgäste im Nah- und Fernverkehr bis 2030 verdoppeln. Als Vergleichswert gilt das Jahr 2019. Hier waren 151 Millionen Fahrgäste im Fernverkehr unterwegs und 2,77 Milliarden im Nahverkehr.

Um das zu schaffen, sollen ab der zweiten Hälfte der 2020er Jahre Fernverkehrszüge in den größten deutschen Städten alle 30 Minuten lang fahren, und das immer zur gleichen Zeit. Als Taktzeiten gelten dabei die Minuten 0, 15, 30 und 45. Leipzig bekommt demnach zum Beispiel die Minuten 15 und 45. Das heißt: Jeden Tag kannst du hier Fernverkehrszüge um viertel nach und viertel vor erwarten.

An diese Taktzeiten soll zudem der Regionalverkehr angepasst werden. Die Idee ist dabei, dass auch Menschen im ländlichen Raum somit schneller und einfacher an die großen Metropolen per Zug angebunden sind.

In den Großstädten starten erste Änderungen bereits in diesem Jahr. Ab 2021 sollen dann die „Vorzüge in den Regionen spürbar“ sein, heißt es auf der Website zum Deutschlandtakt.

Den Anfang wird wohl zum Fahrplanwechsel im Dezember die Strecke Hamburg – Berlin machen.

Was genau bedeutet der Deutschlandtakt für Fahrgäste?

Der Deutschlandtakt wird häufigere Verbindungen und dichtere Taktzeiten einführen. Das bedeutet zunächst einmal, dass Züge öfter fahren und du somit mehr Verbindungen zur Verfügung hast. Gleichzeitig sorgen die regelmäßigen Taktzeiten für bessere Planbarkeit und musst dir auch keine seltsamen Uhrzeiten mehr für Fernverbindungen merken.

Gleichzeitig sollen die Anschlüsse besser abgestimmt werden, sowohl im Fern- als auch (später) im Regionalverkehr. Der Deutschlandtakt verspricht also insgesamt kürzere Wartezeiten.

Unterm Strich kommst du damit einfacher und schneller ans Ziel. Das Bundesverkehrsministerium hat diese Zeitersparnis schon für einzelne Strecken vorgerechnet.

  • Stuttgart – Berlin (über Mannheim) 4:34 statt 5:38 Stunden (–1:04 Stunden)
  • Berlin – Düsseldorf 3:32 statt 4:13 Stunden (-0:41 Stunden)
  • Görlitz – Nürnberg 4:08 statt 5:25 Stunden (-1:17 Stunden)
  • Lübeck – Berlin 2:12 statt 2:40 Stunden (–0:28 Stunden)
  • Eisenach – Cottbus 2:52 statt 3:46 Stunden (–0:54 Stunden)
  • Berlin – Kiel 3:01 statt 3:33 Stunden (-0:32 Stunden)
  • Berlin – Düsseldorf 3:32 statt 4:13 Stunden (-0:41 Stunden)
  • Stuttgart – Hamburg 4:13 statt 5:14 Stunden (-1:01 Stunden)
  • Berlin – Zürich 7:05 statt 8:11 Stunden (-1:06 Stunden)
  • Hamburg – München (über Hannover): 4:45 statt 5:40 Stunden (-0:55 Stunden)
  • Berlin – Münster 2:52 statt 3:31 Stunden (-0:39 Stunden)
  • Berlin – Bonn 4:03 statt 4:42 Stunden (-0:39 Stunden)

Während erste Taktanpassungen schon im Dezember starten, gilt der Ausbau der Strecke München – Lindau als eines der ersten Leuchtturmprojekte für den Deutschlandtakt.

Die Strecke gehört aktuell mit Tempolimits zwischen 80 und 140 Kilometer pro Stunde zu einer der langsamsten Fernverbindungen in Mitteleuropa. Mit dem Ausbau zum Deutschlandtakt sollen Züge hier dann bis zu 160 Kilometer pro Stunde fahren können.

Hinzu kommen neue Bahnsteige, Unterführungen, Haltepunkte sowie ein komplett neuer Bahnhof in Lindau-Reutin.

Daraus ergibt sich nicht nur eine schnellere Fahrt zwischen Lindau und München. Auch die Strecke München – Zürich könnte man 2021 dann in vier Stunden (30 Minuten schneller als bislang) bewältigen.

Daneben gibt es weitere Strecken, die bis 2025 umgesetzt werden sollen. Das ist die erste Etappe des Deutschlandtakts. Die ersten Effekte sollen hier auf ersten Teilstrecken schon ab 2021 spürbar sein.

Nach 2025 soll dan der Deutschlandtakt nach und nach ganz Deutschland umfassen.

Der „Herr der Knoten“

Wer sich fragt, wie das alles funktionieren soll, der stößt auf Philipp Schröder, oder den „Herrn der Knoten“, wie er im Blog des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur genannt wird. Der Verkehrsplaner soll jedenfalls dafür sorgen, dass die Taktzeiten und damit der Deutschandtakt reibungslos laufen.

Das soll über eine bundesweite Abstimmung von Fahrplänen zwischen den verschiedenen Knotenpunkten in Deutschland funktionieren.

Feste Knoten gibt es in Deutschland für Züge schon seit 1979. Dortmund ist ein solcher Knotenpunkt, genau wie Mannheim oder Köln. Für den Deutschlandtakt sollen neue Knoten dazukommen, wie etwa Erfurt.

Schröder und sein Team haben nun die Aufgabe, die Wünsche von Ministerien, Kommunen, Ländern, Eisenbahnunternehmen, Güterverkehr sowie der Deutschen Bahn irgendwie unter einem Hut bekommen. Denn schließlich hat jede Seite andere Vorstellungen oder Prioritäten, wenn es um Abstimmungen oder Taktenzeiten geht.

Es ist sicherlich keine Aufgabe, um die ihn viele Menschen beneiden. Der Ansatz ist aber für Deutschland auch revolutionär und hat Potenzial. Denn erstmals werden damit zuerst Strecken und Zeiten geplant, und zwar mit allen Beteiligten, und lediglich im zweiten Schritt, die Schienen und Infrastruktur angepasst. Bislang lief es immer andersherum – mit den bekannten Problemen.

Neben einer umfassenden Planung will die Bahn die Infrastruktur verbessern und ausbauen. Dazu gehören unter anderem digitale Stellwerke sowie die Einführung eines einheitlichen europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystems (European Train Control System, ETCS).

Güterverkehr: Sechsmal weniger Treibhausgase

Der Deutschlandtakt hört aber nicht beim Personenverkehr auf. Auch der Güterverkehr soll darin integriert sein. Hier soll es ebenfalls mehr Warentransport auf der Schiene geben und das flexibler und besser planbar.

Langfristig soll der Marktanteil des Gütertransports auf der Schiene um 25 Prozent steigen. Das komme nicht nur dem Gütertransport und somit der Wirtschaft zugute, sondern auch dem Klima. Denn angeblich stößt der Güterverkehr auf der Schiene pro Tonnenkilometer sechsmal weniger Treibhausgase aus als der LKW-Transport.

Kritik: Kleine Zugunternehmen fühlen sich übergangen

Am Deutschlandtakt selbst gibt es eigentlich keine Kritik. Niemand hat etwas gegen mehr Züge, bessere Taktung und schnellere Fahrten einzuwenden. Die Probleme zeigen sich aber, wie so oft, im Detail und vor allem bei der Umsetzung.

So waren viele kleine Eisenbahn-Unternehmen nicht sonderlich begeistert davon, dass Verkehrsminister Scheuer derart vorpreschte, ohne sie vorher zu fragen.

So stehe bislang etwa noch nicht einmal fest, wer im kommenden Jahr welche Verbindungen auf welchen Trassen anbieten darf. Sie fühlen sich entsprechend überrumpelt von Scheuers Ankündigungen, wie die Welt berichtet.

Die Opposition fragt sich währenddessen, ob und wie die vielen Ankündigungen finanziert werden sollen. Zumal Scheuer nicht nur die Strecken in Deutschland verbessern möchte. Er träumt auch schon von europäischen Schnellzügen und gar einem Europatakt.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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