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So reist dein Paket durch die Welt: Vor Ort im DHL-Hub in Cincinnati

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Wir besuchen DHL im Amerika-Hub in Cincinnati.

Wie reist eigentlich ein Paket durch die Welt? Genau das haben wir uns beim Paketdienst DHL direkt vor Ort angeschaut. Marinela Potor war zu Besuch im CVG-Hub von DHL bei Cincinnati und hat bei einer nächtlichen Tour tausende Pakete gesehen, ein riesiges Flugzeug bestiegen und ein paar skurrile Fakten gelernt. 

Vom Weihnachtspäckchen an die Tante in Kanada bis zur Online-Bestellung aus China: Die Wege, die unsere Pakete zurücklegen, sind enorm. Doch weißt du eigentlich, wie genau diese Pakete von A nach B kommen? Dahinter stecken riesige logistische Prozesse. Wie etwa beim Paketdienst DHL, der zur Deutschen Post AG gehört.

DHL operiert weltweit, vor allem aber über drei große „Hubs“: die Zentrale in Leipzig, dem Asien-Pazifik-Zentrum in Hongkong sowie dem Amerika-Hub in Cincinnati. Genau dort war ich vor Ort und hab eine nächtliche Tour durchs Gelände gemacht und dabei gesehen, wie Pakete mit Flugzeugen aus aller Welt ankommen, ausgeladen, neu verteilt und weiterverschickt werden.


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DHL bei Cincinnati: 250.000 Pakete pro Nacht

Der CVG-Hub von DHL (der genau genommen im Ort Erlanger, Kentucky liegt, der aber zum im Großraum Cincinnati gehört) ist mit einer Gesamtfläche von 785.000 Quadratmetern nach der größte aller Hubs.

Hier arbeiten rund 3.000 Angestellte und im Schnitt werden pro Nacht 250.000 Einheiten, also größere und kleiner Pakete, abgefertigt. Das entspricht in etwa 90 Prozent des Volumens, das DHL in den USA abfertigt.

Pro Nacht deshalb, weil die Hauptarbeitszeit am CVG-Hub von DHL in etwa von 22.00 Uhr abends bis 03:00 Uhr morgens ist. „Am intensivsten wird es zwischen 02:00 und 03:00 Uhr. Dann landen die meisten Flugzeuge“, erklärt Ramp-Operations-Manager Hubert Ligon, während er über die Landebahn von DHL führt und jedes Flugzeug nach fünf Sekunden nach Modell, Baujahr und Traglast identifizieren kann.

Besonders stolz ist Ligon auf das neue Flaggschiff in der Flugzeug-Flotte von DHL: die Boeing 777. Mit einer Traglast von über 100 Tonnen ist es zwar nicht das Schwergewicht in der Flotte, aber definitiv das modernste aller Flugzeuge. Dazu gehört unter anderem die Tatsache, dass es 18 Prozent weniger CO2 ausstößt als seine Vorgänger.

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Eine brandneue Boeing 777 wartet auf ihre Ware.

Fehlerhafte Etikette häufigstes Problem

Heute Nacht werden 55 Flugzeuge erwartet. Sobald diese landen, müssen sie erstmal enteist und neu betankt werden. Dann erst dürfen die Mitarbeiter die Pakete entladen. In sogenannten „Tag-Wagen“ rollen sie dann zum Warenhaus. Hier werden sie entpackt und nach Größe sortiert.

Die großen und kleinen Fuhren werden in separaten Bereichen abgehandelt. Sobald die Pakete entpackt und grob sortiert sind, laufen sie über ein Laufband durch einen Scanner. Ab hier läuft eigentlich das Meiste automatisch ab.

Der Barcode am Paket enthält alle Informationen zum Zielort des Pakets. Je nachdem, wohin das Paket verschickt wird, landet es auf einem ganz bestimmten „Tablett“ auf dem Laufband.

Soll das Paket zum Beispiel nach Toledo, Ohio, kommt es automatisch auf das „Detroit-Tablett“. An einer bestimmten Stelle im Laufband klappt sich dieses Tablett dann um und das Paket rollt in einen Container. Alles, was in diesem Container ist, wird neu verpackt und in einem kleinen Flugzeug nach Detroit verschickt. Von Detroit aus kommt es dann per LKW nach Toledo.

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Von diesen „Tabletten“ fallen die Pakete automatisch in die richtigen Container.

Dieser ganze Prozess erfolgt für jedes einzelne Paket. Damit dabei nichts schiefgeht, verfolgen fünf bis sechs Mitarbeiter in einem Kontrollraum den gesamten Ablauf. Von hier aus können sie bei Problemen eingreifen. „Das häufigste Problem, das wir haben, sind fehlerhafte Etikette“, erklärt Operations-Manager Tyler McCarthy. „In dem Fall müssen wir das Paket nochmals durchs komplette System jagen.“

Ansonsten hat vor allem das Wetter einen Einfluss auf die Reise der Pakete. Vor zwei Nächten ist zum Beispiel ein heftiger Tornado knapp an Cincinnati vorbei über die Stadt Nashville gefegt. Entsprechend muss der Prozess angepasst, Flugzeuge umgeleitet oder der Abflug verschoben werden. Dies wiederum wird im zweiten Kontrollzentrum (Network Control Group) bei DHL koordiniert.

„Wir verschicken viele Rolls Royce“

Natürlich hat auch das Coronavirus Auswirkungen auf DHL. Das Unternehmen hat durch das Virus etwa 70 Millionen Euro Verluste gemacht hat.

Sehr viel könne man nicht machen, außer natürlich alle Mitarbeiter in Sachen Hygiene zu schulen und wachsam zu bleiben, sagt Jeff Billingsley, Vizepräsident und General Manager im CVG Global Hub.

Ansonsten scheint es aber in der Regel im CVG-Hub wie am Schnürchen zu laufen. „Im vergangenen Jahr waren wir 365 Tage fehlerfrei“, verkündet Billingsley stolz.

Tatsächlich hat man in der DHL-Zentrale das Gefühl in einer reibungslos laufenden Maschine zu sein. Doch es gibt auch hier immer wieder Ausnahmesituationen. Zum Beispiel, wenn in den Flugzeugen nicht nur Pakete, sondern auch Luxusautos ankommen. „Am häufigsten werden Bugattis, Ferraris, Bentleys und Rolls-Royce verschickt“, sagt Rampen-Manager Hubert Ligon.

Aktuell arbeitet DHL mit der neuesten James-Bond-Produktion zusammen. Dabei wird vor allem Ausrüstung verschickt, aber vielleicht ja auch der ein oder andere Luxuswagen.

In der Vergangenheit sind tatsächlich schon so manche skurrile Dinge durch den CVG-Hub von DHL gereist. Dazu gehören zum Beispiel mehrere Tonnen Berliner Mauer, der EM-Siegerpokal von Dänemark, eine Gitarre von Jimi Hendrix sowie Shorts von Boxer Muhammad Ali.

Was heute noch so alles ankommt, werde ich aber nicht mehr mitbekommen. Denn um zwei Uhr morgens endet meine DHL-Tour. Ich bin sehr müde, doch im CVG-Hub geht es jetzt erst richtig los.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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