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Chinesischer „Zug“ fährt bald autonom – auf gemalten Schienen

ART autonomer Zug Bus China Zhuzhou
Bild: CRRCGC
geschrieben von Marinela Potor

Schon im kommenden Jahr will die chinesische Stadt Zhuzhou Passagiere in einem autonomen „Zug“ transportieren – auf vorgemalten Schienen.

Das chinesische Bahnunternehmen CRRC möchte ab 2018 einen autonomen Zug in der Stadt Zhuzhou im Landesinneren kursieren lassen. Autonomous Rail Rapid Transit (ART) heißt dieser Wunderzug, der keine Schienen braucht, sondern sich allein an aufgemalten Spuren orientiert.

Der Zug, der eigentlich ein Bus ist

Ein wenig geschummelt ist das allerdings schon. Denn erstens umfährt der ART mit diesen Führungsspuren die typischen Probleme, die autonome Fahrzeuge haben. Diese müssen nämlich in Echtzeit die Verkehrslage erkennen und bewerten und entsprechend reagieren können. Diese Probleme wird der ART nicht haben, da er sich ja nur an die aufgemalten Spuren halten muss und darin, wie eine Straßenbahn, alleine unterwegs ist.

Zweitens handelt es sich beim ART auch nicht wirklich um einen Zug, sondern um einen Bus. Denn auch wenn das Fahrzeug vom Design her einem Zug ähnelt, ist es in Wirklichkeit ein elektrischer Bus.

Umweltfreundlich und billig, doch auch sicher?

Grund für das ungewöhnliche Design war wohl auch der Vorsatz, eine umweltfreundliche Transportlösung für Zhuzhou zu schaffen. Der ART soll daher auch vom Look her so wenig wie möglich mit einem Dieselbus gemeinsam haben. Na ja, und CRRC ist immerhin ein Bahnunternehmen.

„Eine virtuelle Schiene für den Bus“, nennt es Chefentwickler Feng Jianghua vom Zhuzhou Institute, welches das Fahrzeug für CRRC seit 2013 entwickelt.

Der Bedarf nach öffentlichen Transportmitteln ist groß, denn wie viele Städte in China ist Zhuzhou in der Provinz Hunan in nur wenigen Jahren zu einer Millionenstadt geworden. Eine U-Bahn für den Massentransport sei aber zu teuer, sagt Feng Jianghua. Ein Kilometer U-Bahn koste demnach zwischen 58 und 102 million US-Dollar. Der ART habe dagegen nur 2,2 Millionen US-Dollar gekostet.

Allerdings gibt es bei diesem Transportmittel auch Bedenken, dass der ART durch die immer gleiche Route schnell Spurrinnen in die Fahrbahn drücken könnte. Auch ist noch nicht ganz klar, wie sich der Bus in den Spuren bei Eis oder Schnee verhält.

Ein Bus kann bis zu 500 Fahrgäste transportieren

Der E-Bus fährt mit einem schnelladefähigen Akku und kann eine Spitzengeschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde erreichen. Das Standard-Modell besteht aus drei Gondeln, ist 30 Meter lang und kann bis zu 300 Passagiere 40 Kilometer transportieren. Das Maxi-Modell liegt bei 50 Metern Gesamtlänge mit einer Kapazität von bis zu 500 Fahrgästen. Angeblich können die Gondeln auch beliebig gekoppelt werden. Der ART ist zudem mit Sensoren ausgestattet, mit denen er die Straßendimensionen erkennen und seine eigene Route planen kann.

Die erste virtuelle Schiene für den ART soll durch die Innenstadt von Zhuzhou gehen und 2018 in Betrieb genommen werden.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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