Transport

Doku-Tipp: Wer hat das Elektroauto umgebracht?

Dokumentation Elektroautos Mörder
geschrieben von Marinela Potor

Wer glaubt, dass Elektroautos eine neuartige Entwicklung sind, irrt gewaltig. Vor gut 20 Jahren entwickelten beinah alle Autohersteller in den USA elektrische PKWs. Nur wenige Jahre später jedoch verschwanden die E-Autos still und heimlich komplett von der Bildfläche. Wer hat sie getötet?

Dieser Frage geht die Dokumentation „Who killed the electric car“* nach. Sie stammt zwar aus dem Jahr 2006, ist aber ein spannendes Zeugnis zur zeitgenössischen Geschichte des Elektroautos – und zudem wie ein spannender Krimi aufgebaut. Wie der Titel schon verrät, dreht sich dabei alles um die Frage: Wer hat das Elektroauto getötet, und noch dazu so geschickt, dass es kaum jemand mitbekommen hat?

Viele Verdächtige, wer ist der Mörder?

Denn tatsächlich gab es in den späten 1990ern und frühen 2000ern in den USA zahlreiche E-Autos auf den Straßen. Ganz plötzlich verschwanden sie alle. Wieso? Was ist mit ihnen passiert? Wer steckt dahinter? Wie bei einem klassischen Agatha-Christie-Krimi stellt die Dokumentation dabei gleich mehrere Verdächtige mit triftigen Motiven in den Raum:

  • die Ölindustrie
  • die Autokonzerne
  • die Regierung
  • die Verbraucher
  • Saudi-Arabien
  • Japan
  • die Brennstoffzelle
  • die SUVs
  • die 90er Jahre
  • und sogar die Lithium-Batterien.

Die Dokumentation geht der Reihe nach alle Mord-Theorien durch und kommt zu einem überraschenden Schluss, mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Tom Hanks will Amerika mit Elektroautos retten

Doch es ist nicht nur der Thriller-Aspekt, der diese Doku sehenswert macht, sie zeigt auch, wie eine eigentlich voll entwickelte Technologie glorreich scheitern kann. Als Zuschauer wird man schon hin und wieder nachdenklich bis depressiv, wenn einem die Hintergründe des Scheiterns klar werden. Nachdenklich, weil man nicht umhinkommt sich zu fragen: Passiert dieser stille Mord nach wie vor? Depressiv, weil wir offensichtlich schon vor 20 Jahren eine Chance hatten, umweltfreundlichere Autos auf die Straße zu bringen und sie nicht genutzt wurde.

Wo stünden wir wohl heute, wenn das Elektroauto überlebt hätte?

Der Zuschauer bekommt zudem Einblicke in die Entwicklung der Hybrid-Autos und eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet japanische Autohersteller so führend in diesem Bereich Sinn. Spoiler Alert: Sie hatten so große Angst, dass die US-Autohersteller bessere Autos bauen könnten, dass sie Weltführer in der Technologie wurden.

Hinzu kommen prominente Darsteller mit interessanten Einsichten. Mel Gibson spricht beispielsweise über Koloskopien, Arnold Schwarzenegger verspricht als Gouverneur von Kalifornien aus einem Truck die Energiewende und Tom Hanks verkündet, dass er mit seinem Elektroauto „Amerika retten“ wird.

 

Zehn Jahre alt – und brandaktuell

Was „Who killed the electric car“ aber wirklich sehenswert macht, ist die Relevanz des Themas. Denn auch mehr als zehn Jahre nach der Veröffentlichung ist die Dokumentation noch brandaktuell. Und auch wenn der Mörder am Ende möglicherweise entlarvt wird, die Doku wirft dennoch viele wichtige – auch heute noch relevante – Fragen auf.

Auch wenn man den Machern Einseitigkeit zu batteriebetriebenen Elektroautos vorwerfen kann, liefert die Dokumentation interessante Einblicke in die letzte große Welle der Elektroautos in den USA. Sie ist dazu unterhaltsam gemacht und nicht nur für Experten gedacht, sondern für alle, die sich für Klimawandel, Politik oder einfach nur für Autos interessieren.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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