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Drohnen entdecken bislang unbekannte Orte und Menschen: Fluch oder Segen?

Drohne Wald
Foto: Pixabay / Pexels
geschrieben von Marinela Potor

Wenn wir geglaubt haben, dass es auf der Erde keine weißen Flecken mehr auf der Landkarte gäbe, belehren uns Drohnen gerade eines Besseren. Mit der Technologie ist es gelungen, bislang völlig unbekannte Orte und Menschen zu entdecken. Doch ist das wirklich so gut?

Dr. Julian Balyss würde diese Frage wahrscheinlich mit einem “Ja” beantworten. Denn Drohnen waren es, mit denen der Naturschützer und Schmetterlingsexperte aus Wales unter anderem eine sensationelle Entdeckung machte, die seiner Meinung nach Bedeutendes zum Naturschutz beitragen könnte.

Gemeinsam mit einem Team aus insgesamt 28 Wissenschaftlern und Filmemachern bestieg Julian Balyss einen Berg in Mosambik. Sie sind damit wahrscheinlich seit mindestens hundert Jahren die ersten Menschen, die Fuß auf Berg Lico setzen. Möglich gemacht haben dies moderne Mobilitätstechnoloigen.

Expedition 2.0

Die Expedition von Julian Balyss begann bereits 2012, als der Naturschützer zum ersten Mal über Google Earth einen kleinen Wald auf dem Gipfel von Berg Lico entdeckte. Die Technologie war für Balyss nichts Neues. Seit über 15 Jahren hatte er schon Google Earth genutzt, um afrikanische Regenwälder in höheren Lagen zu studieren.

Doch das Waldstück auf Berg Lico elektrisierte ihn. Denn während das umliegende Land kultiviert und genutzt wurde, sah es so aus als wäre genau dieses Stückchen Wald bislang noch nie von Menschen betreten worden, schildert Julian Balyss seine ersten Eindrücke gegenüber dem Magazin „Topic“.

„Ich zoomte weiter heran an einen Krater, an die eigentlichen Seiten des Berges und konnte sehen, dass sie aus glattem Granit waren. Es war ein Inselberg. Die Ränder waren steil, glatt, waldartig. Und hier war es, als die Aufregung kam.

Denn wenn du da nicht hinauf kannst, dann ist dieser Wald sehr einzigartig, ganz besonders, völlig unberührt, sehr selten. Du schaust auf eine Stelle, an der noch nie Menschen vorher waren, oder zumindest nur sehr wenige.“

Um sich davon selbst zu überzeugen, reiste Balyss 2017 nach Mosambik und setzte eine Drohne ein, um seine Hypothese zu bestätigen. Die Aufnahmen der Drohne schienen ihm Recht zu geben, auch wenn sich später herausstellen sollte, dass mindestens eine andere Person vor ihm den Berggipfel betreten hatte.

Ein Jahr später bestieg das Expeditions-Team von Balyss Berg Lico. Der Naturschützer glaubt hier so etwas wie eine Zeitkapsel gefunden zu haben, möglicherweise sogar unbekannte Arten, die uns wiederum neue Einsichten in die Biodiversität der Region erlauben können.

All das kann uns viel darüber lehren, wie wir die Natur besser schützen und erhalten können, glaubt Balyss.

Doch Dr. Julian Balyss ist nicht der einzige, der belegt, wie Drohnen uns nicht nur neue Orte, sondern sogar neue Menschengruppen zeigen können.

Drohne entdeckt unbekannten Stamm im Amazonas

Im August 2018 entdeckte so ein brasilianisches Forscherteam mitten im Amazonas-Regenwald einen Stamm, der wahrscheinlich noch nie Kontakt zur Außenwelt hatte.

Auf den Aufnahmen der Drohne sieht man 16 Indigene, die über eine Lichtung laufen und eine Person trägt etwas, das Experten für einen Bogen halten.

Das Team wurde von der Nationalen Stiftung der Indigenen (FUNAI) angeführt. Die FUNAI beobachtet regelmäßig das Amazonas-Gebiet in Brasilien, um sicherzustellen, dass niemand unbefugt Kontakt mit abgeschiedenen indigenen Gruppen aufnimmt oder illegalerweise Wälder rodet oder Tiere tötet.

Eine der größten Sorgen von FUNAI ist tatsächlich, dass die indigene Bevölkerung mit Außenstehenden in Kontakt kommt. Denn die Indigenen seien sehr anfällig für Infektionen, die durch andere Menschen zu ihnen gebracht werden, was wiederum ihre Existenz gefährden könnte, sagt die Organisation.

Die Drohnen sollen daher nicht die indigene Bevölkerung exponieren, sondern schützen, sagte FUNAI-Präsident Wallace Bastos gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

„Diese Bilder haben die Macht, die Gesellschaft und die Regierung dazu zu bringen darüber nachzudenken, wie wichtig es ist, diese Gruppen zu beschützen.“

Können Drohnen nicht auch missbraucht werden?

Doch wie bei jeder Technologie stellt sich auch hier die Frage, ob die Drohnen Fluch oder Segen sind. Denn während sie einerseits durch die Neuentdeckung von Orten oder Menschengruppen viel zu deren Schutz beitragen können, ist natürlich auch das Gegenteil denkbar.

Was hält den Sensationslustigen oder naive Touristen davon ab, eigene Drohnen über den Amazonas fliegen zu lassen, um selbst bisher unbekannte indigene Völker zu entdecken? Und was hält Kriminelle davon ab, in Naturreservaten mit Drohnen unbewachte Landstücke zu finden und diese für sich zu beanspruchen? Was hält Wilderer davon ab, geschützte Tiere mit Drohnen zu finden?

Können Drogenkartelle und Wilderer von Drohnen profitieren? Natürlich! Können Drogenkartelle und andere Kriminelle wiederum genau durch Drohnen gestoppt werden? Logisch!

Die Frage nach den Vorteilen oder Nachteilen von Mobilitätstechnologien ist deshalb nicht so einfach zu beantworten. Beide Szenarien sind denkbar und werden wohl auch eintreffen.

Deshalb müssen wahrscheinlich die Regulierungen für Drohnen über die aktuellen Regelungen zur Flugerlaubnis und zum Datenschutz erweitert werden. Dennoch wird es spannend zu sehen, welche weiteren Entwicklungen Drohnen mit sich bringen werden.

Wie seht ihr das?

Empfindet ihr Drohnen und andere moderne Mobilitätstechnologien eher als Fluch oder als Segen? Oder seht ihr es wie Autor David Wong und sagt: „Technologie ist weder gut noch schlecht an sich, sondern ihr Nutzen hängt davon ab, wie Menschen sie verwenden“?

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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