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Viel Spaß, wenig Infrastruktur: Der Leihscooter von Circ in Dortmund

Wir testen den E-Scooter von Circ in Dortmund. (Foto: Niklas Stadler - www.niklasstadler.at / Circ)
geschrieben von Marinela Potor

Wie fährt sich der E-Scooter von Circ in Dortmund? Marinela Potor hat es ausprobiert. Das Fazit: Der Scooter bringt Spaß, die Infrastruktur der Stadt macht aber Angst.

Seit diesem Sommer hat Dortmund zwei Leihscooter-Anbieter: Lime und Circ (ehemals Flash). Nun soll auch noch Tier dazukommen. Ich war schon lange neugierig, wie sich der Berliner Anbieter Circ in Dortmund so fährt und habe ihn nun auch endlich testen können. So viel schon vorweg: An einigen Punkten hatte ich richtig Angst – das lag aber nicht am E-Scooter!

Unpraktisch: Ohne Internet geht es nicht

Es ist ein grauer Januartag in Dortmund. Es ist aber recht mild und auch trocken. Mit anderen Worten: gutes Wetter zum E-Scooter-Fahren.


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Davor habe ich mir schon die Circ-App* heruntergeladen. Denn wie bei allen Leihscootern, muss man auch bei Circ in Dortmund vorab die App downloaden, ein Profil einrichten und eine Bezahlmethode registrieren. Apropos bezahlen: Bei Circ musst du pro Fahrt einen Euro Startgebühr bezahlen und danach 20 Cent pro Minute.

Auch musst du die Ortungsfunktion aktivieren, damit die App dir die nächstgelegenen E-Scooter anzeigen kann.

In meinem Fall ist der nächste Scooter etwa fünf Gehminuten von mir entfernt. Sobald ich am Scooter stehe, versuche ich ihn aufzuschließen und stelle fest: Ich brauche dafür nicht nur die App, sondern auch eine aktive Internetverbindung.

Das mag vielleicht innerhalb von Deutschland für die meisten kein Thema sein. Doch spätestens, wenn man etwa im Urlaub einen Circ-Scooter im Ausland ausleihen möchte, könnte das ein Problem sein. Da musst du also entsprechend vorbereitet sein.

Kick & Go

So, jetzt will ich aber losfahren! Dazu muss ich erstmal den QR-Code am E-Scooter über die App einscannen. Das ist relativ selbsterklärend, da man dafür einfach das QR-Symbol in der App nutzt und das Scannen dann innerhalb von weniger Sekunden erledigt ist.

Falls das nicht klappen sollte, kannst du auch den Pin am Griff des E-Rollers eintippen. Danach fragt dich die App, ob du die Fahrt wirklich starten möchtest und sobald du das bestätigst, geht es auch schon los.

Zunächst schaltet sich die Vorderleuchte ein und danach taucht eine Erklärung in der App auf, wie du den Circ aktivierst. Allerdings ging das so schnell, dass ich nur das Wort „Kick“ gesehen habe. Zum Glück steht dann aber auch noch die Anweisung auf dem Griff. „Kick & Go“.

Circ E-Scooter, Haltegriff

Am Haltegriff befinden sich fast alle wichtigen Funktionen des E-Rollers.

Das bedeutet: Du musst eine Kick-Bewegung mit deinem Bein machen, den E-Scooter leicht anschieben und dann den Button unterhalb des grünen Pfeils betätigen. Dann springt der Motor an, die Vorderleuchte schaltet sich ein und es geht los.

Am Anfang ist die Anfahrt noch überraschend abrupt und kann daher etwas ruckelig sein. Mein Tipp wäre daher, es zunächst ein paar Mal in einer ruhigen Ecke zu üben. So zischt dir dann der Scooter nicht unter dir davon. Denn wenn man das Gefühl noch nicht kennt, kann das so überraschend sein, dass man womöglich hinfällt.

Nachdem man das aber ein paar Mal übt, hat man den Dreh relativ schnell heraus und es kann losgehen.

E-Roller von Circ sehr standfest

Ich habe den Circ (das neue Modell „Kaiser“ mit Wechselakku) in Dortmund bergauf, bergab, auf einer befahrenen Straße, auf Fahrradwegen sowie auf Kopfsteinpflaster getestet.

So viel kann ich schon sagen: Kopfsteinpflaster kann der Circ zwar meistern, es fühlt sich aber sehr unangenehm an. Für unebenes Gelände kann ich den Circ also nicht empfehlen.

Umso angenehmer fährt er sich dafür auf gepflasterten Straßen. Hier zieht der Motor richtig an. Das Fahrgefühl ist aber immer angenehm und kontrolliert.

Es dauert zwar ein bisschen, bis ich herausgefunden habe, wie fest ich Gas und Bremse betätigen muss, ohne dass der Scooter ruckartige Bewegungen macht. Auch das bekomme ich aber schneller als gedacht ausbalanciert.

So traue ich mich dann auch relativ schnell mehr Gas zu geben. Und siehe da! Selbst bei vollem Tempo fühle ich mich auf dem Circ sicher und standfest. Balance-Probleme hatte ich während der gesamten Testfahrt nie.

Auch enge Kurven sind kein Problem und ich bin auch überrascht wie gut man damit auch durch engere Passagen kommt – und das ohne viel zu wackeln. Für den Circ sind auch die Dortmunder Hügel kein Problem. Selbst mit einer schwereren Tasche fährt er den Berg problemlos hinauf.

Nur bergab wird es mir teilweise etwas zu schnell. Hier bräuchte ich definitiv noch etwas mehr Zeit und Übung, um mich auch dabei (trotz Helm, den ich übrigens wärmstens empfehlen würde!) wirklich sicher zu fühlen.

Stabiler Scooter, hoher Spaßfaktor

Weil man aber auf dem Circ überwiegend schon nach kurzer Zeit wirklich sicher steht, setzt auch schnell der Fahrspaß ein. Insbesondere auf gut ausgebauten Radwegen kann ich den Circ in Dortmund als Fun-Fahrzeug empfehlen. Noch besser fände ich es, wenn der Scooter wie auch ein Fahrrad eine Klingel hätte, sodass man andere Verkehrsteilnehmer besser vorwarnen kann.

Circ E-Scooter Dortmund

Als Freizeitfahrzeug – zum Beispiel am Phoenixsee – ist der Circ-Scooter in Dortmund sehr zu empfehlen.

Parken nur in vorgesehen Zonen

Nach meinem Test stelle ich den Scooter wieder ab. Dazu musst du einfach nur über die App die Fahrt beenden. Fertig. Natürlich kannst du den E-Scooter nicht irgendwo abstellen.

So gibt es auch in Dortmund Sperrzonen für E-Roller. Diese sind bei Circ in der App rot markiert und hier kannst du deinen E-Scooter nach der Fahrt auch nicht abstellen. Solltest du das trotzdem tun, kannst du die Fahrt nicht beenden. Sprich: Du zahlst dann weiter für die Fahrt. Das funktioniert auch, soweit ich das in der Stadt gesehen habe, auch sehr gut.

Circ hat darüber hinaus noch ein Verfahren, das das Unternehmen „incentivierte Parkzone“ nennt. Das sind die Zonen, in der das Unternehmen Nutzer dazu anregen möchte zu parken. Das kann entweder an Haltestellen sein oder in Randgebieten auf dem Weg zu einer Haltestelle.

Stellst du deinen Scooter hier ab, gibt es als Belohnung bei der nächsten Fahrt eine Ermäßigung von 50 Cent.

Damit möchten Circ und die Stadt sicherstellen, dass die E-Scooter möglichst strategisch verteilt sind. Die genauen Zonen ermittelt Circ über ein Flottenmanagement-System und im Austausch mit der Stadt, erklärt Marco Lietz, Head of Public Affairs Europe mir später.

E-Scooter? Wieso nicht!

Insgesamt kann ich mir durchaus vorstellen, den E-Scooter von Circ in Dortmund auch hin und wieder privat zu nutzen, zum Beispiel um damit zur U-Bahn-Haltestelle zu kommen oder auch später am Abend sowie an Wochenenden oder Feiertagen damit zu fahren, wenn die Stadtbahn nicht fährt oder die Strecke zu weit oder zu unpraktisch für das Fahrrad ist.

Auch für kleine Freizeit-Touren auf Radwegen kann ich den Circ durchaus empfehlen.

Allerdings, darauf muss man sich wohl als E-Scooter-Fahrer überall einstellen, die Leute gucken. Die Blicke, die ich so abbekommen habe, reichten von neugierig über interessiert bis hin zu abfällig und abwertend.

Hier liegt es, denke ich, auch in der Verantwortung der Fahrer, dieses negative Bild, das E-Scooter haben, zu verändern.

Denn auch in Dortmund habe ich mehr als einmal verbotenerweise zwei Personen auf einem Scooter gesehen oder einfach Fahrer, die im Affenzahn an Familien mit Kindern vorbei düsen und leider auch hin und wieder achtlos hingeschmissene Fahrzeuge (wenn auch nicht so häufig wie in anderen Städten).

All das muss nicht sein und es würde sicherlich die Akzeptanz der E-Roller erhöhen, wenn die Nutzer etwas mehr Rücksicht nehmen und sich an die Regeln halten würden.

Circ in Dortmund: Sicher ist was anderes

Neben den seltsamen Blicken gibt es für mich aber ein größeres Problem mit dem Circ in Dortmund. Und das ist nicht etwa der E-Roller, sondern vielmehr die mangelhafte Infrastruktur der Stadt.

Ja, in einigen Stadtteilen gibt es durchaus Radwege. Meist sind diese aber ohnehin sehr eng und führen über den Gehweg, sodass es dann mit Fußgängern, Radfahrern und E-Scootern wirklich sehr eng wird und damit für alle unangenehm zu manövrieren ist.

Noch schlimmer finde ich es aber, mit dem E-Roller auf der Straße zu fahren. Auch das habe ich probiert – und es da direkt mit der Angst zu tun bekommen.

Denn für Autos, Fahrräder UND E-Scooter ist einfach nicht genug Platz da und ich wurde teilweise wirklich mit gefährlich wenig Abstand und im sehr hohen Tempo überholt.

Sicher fühlt sich anders an.

Gerade wenn die Stadt, wie jetzt angekündigt, die E-Scooter von Circ in Dortmund an den ÖPNV anbinden möchte, dann müsste sie eigentlich zuerst die Infrastruktur verbessern. Das heißt: mehr und breitere Radwege bauen.

Erst dann könnten E-Scooter wie Circ auch in Dortmund eine sinnvolle und sichere Transportmethode werden.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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