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E-Scooter klauen? Mit diesen Tricks schützen Unternehmen ihre Fahrzeuge

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E-Scooter klauen ist lukrativ. Unternehmen wehren sich nun. (Foto: Scoot)
geschrieben von Marinela Potor

Für die einen sind die Leih-E-Scooter in Städten eine Plage, für die anderen eine Einladung zum Diebstahl. E-Scooter klauen ist für einige Diebe zum neuen Sport geworden. Doch Unternehmen wehren sich jetzt.

E-Scooter klauen ist ein lukratives Geschäft. Das liegt nicht daran, dass es so viele Roller-Fans da draußen gibt. Vielmehr nehmen Diebe die Leih-E-Scooter auseinander und verkaufen wertvolle Einzelteile wie Akkus und Motoren.

Das funktioniert deshalb besonders gut, weil die meisten Verleiher die gleichen E-Scooter von Segway-Ninebot nutzen. Das macht es für die Betrüger ziemlich leicht, die Einzelteile unauffällig abzusetzen.


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Genau das wollen E-Scooter-Verleiher aber jetzt ändern.

Hohe Verluste für Verleiher

Denn für die E-Scooter-Unternehmen gehen mit den Diebstählen auch hohe Verluste einher.

Das Berliner Unternehmen Wind berichtet beispielsweise gegenüber Bloomberg, dass in Paris rund zehn Prozent aller E-Scooter geklaut werden, also etwa 1.500 Roller im Wert von rund tausend Euro.

Auch in anderen europäischen Großstädten wie Brüssel schlagen die Diebe offenbar häufig zu.

Wind hat dabei beobachtet, dass die Diebstähle meist am frühen Morgen erfolgen, nachdem Mitarbeiter die aufgeladenen E-Scooter wieder an ihre Stationen bringen.

Als Wind die gestohlenen E-Roller der Polizei meldete, hieß es, man könne nichts ohne Beweise tun. Die wollte Wind liefern.

Dazu baute das Unternehmen zunächst versteckte GPS-Sensoren in den Fahrzeugen ein, um so die Route der Diebe nachverfolgen zu können. In Brüssel wiederum schickte das Unternehmen die eigenen Mitarbeiter auf Verbrecherjagd.

Mitarbeiter als Detektive

Einige Mitarbeiter versteckten sich dafür – das Smartphone gezückt – an strategischen Punkten. So sollten sie die Diebe auf frischer Tat ertappen.

Die 007-Mission funktionierte erstaunlich gut. Denn an dem Tag waren die Diebe offenbar besonders langsam, sodass Wind sogar noch Zeit hatte, die Polizei zu alarmieren und diese die Langfinger verhaften konnte.

So viel Glück hat man natürlich nicht immer. Auch ist es sicherlich nicht ideal, die eigenen Mitarbeiter ständig als Detektive einzusetzen.

Daher haben sich E-Scooter-Verleiher auch weitere Maßnahmen überlegt.

Wind beispielsweise hat mittlerweile seine eigenen Fahrzeuge entwickelt. Diese sind wesentlich robuster und können schwerer gehackt werden. Auch nutzt das Unternehmen viel spezifischere Bauteile, sodass es damit viel schwieriger ist, das Diebesgut abzusetzen.

Seitdem hat Wind beobachtet, dass die Diebstahlrate in Paris von 1.500 geklauten E-Scootern pro Monat auf etwa 150 pro Monat zurückgegangen ist.

Diebstahlsichere Technologie

Natürlich ist Wind nicht das einzige Unternehmen, dass vom Leih-Scooter-Klau betroffen ist. Ein anderer Verleiher, der mit Langfingern zu kämpfen hat ist Scoot. Das Start-up aus San Francisco verleiht neben seinen klassischen elektrischen Vespa-Rollern auch Fahrräder und seit Neuestem auch E-Scooter.

Wie begehrt die Fahrzeuge bei Dieben sind, konnte das Unternehmen dann sehr schnell feststellen. Scoot-CEO Michael Keating berichtete davon, dass in den ersten zwei Betriebswochen mehr als 200 Scoot Kicks geklaut oder zerstört wurden.

Um die Fahrzeuge besser zu schützen, setzt Scoot nun auf diebstahlsichere Technologie.

So müssen Scoot-Nutzer die E-Scooter mit einem speziellen Schloss nach der Nutzung abschließen. Da man dieses Schloss nur über die App öffnen kann, ist es schwieriger zu knacken als ein reguläres Zahlenschloss.

Lime musste Alarm-System einstellen

Auch Leih-Scooter-Anbieter Lime hat sich verschiedene technische Lösungen gegen E-Scooter-Diebe überlegt. Eine davon ist der Block-Mechanismus.

Das Prinzip ist relativ simpel: Wenn ein Nutzer den E-Scooter bewegt, ohne dafür gezahlt zu haben, blockiert sich das Fahrzeug automatisch und kann nicht mehr gefahren werden.

In einigen Städten gab es damit allerdings Probleme, weil die E-Scooter sich während der Fahrt neu hochfuhren, dabei den Diebstahl-Alarm auslösten und die Fahrzeuge blockierten. Das überraschte die Fahrer natürlich und führte zu mehreren Unfällen. In Basel und Zürich sind Lime-Scooter seitdem verboten.

Auch ein anderer Anti-Diebstahl-Trick von Lime ging etwas nach hinten los. Das Unternehmen installierte geheime Alarm-Systeme in seine E-Scooter. Diese sollten bei Diebstahl automatisch die Polizei alarmieren.

Wenn ein Nutzer sich also den E-Scootern näherte, ohne die App heruntergeladen oder bezahlt zu haben, schaltete sich nach einer kurzen Zeit eine schrille und sehr laute weibliche Roboterstimme ein, die übersetzt Folgendes schrie: „Schließ mich auf zum Fahren oder ich rufe die Polizei.“

Das Problem dabei war nach der Erfahrung einiger Passanten in den USA, dass diese Stimme auch Unbeteiligte ermahnte, wenn sie sich zu lange mit den E-Scootern beschäftigten oder aus Neugierde Knöpfe drückten.

Das erschreckte nicht nur Fußgänger, sondern war auch für Ladenbesitzer sehr nervenaufreibend. Offenbar war die laute Stimme auch nur als Abschreckung gedacht. Die Polizei wurde nie alarmiert. Lime stellte den lauten Alarm schließlich ein.

Auch wenn die Versuche von Lime nicht erfolgreich scheinen, die Ideen dahinter könnten, mit besserer Umsetzung, durchaus wirksam gegen Diebe sein.

E-Scooter klauen: Brüssel startet Einsatztruppe

Dennoch setzt man an einigen Orten offenbar lieber auf menschlichen Diebstahl-Schutz.

So gibt es in Brüssel seit diesem Monat eine spezielle Einsatztruppe aus Polizisten, städtischen Angestellten und privaten Unternehmen, die gemeinsam Lösungen gegen Vandalismus und Diebstahl von E-Scootern entwickeln wollen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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