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Sollten E-Scooter nachts verboten werden?

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Anbieter wie Lime und Circ ziehen ihre E-Scooter derzeit ab. (Foto: Pixabay / Christian Bueltemann)
geschrieben von Marinela Potor

Wie kann man Leihscooter sinnvoll und vor allem sicher in den Stadtverkehr integrieren? Damit kämpfen derzeit viele Städte. In den USA probiert man etwas Neues: das Fahren von E-Scootern nachts verbieten. Ist das eine gute Idee? Eine Einschätzung.

Heute stimmt der Bundesrat über verschiedene Änderungen in der Straßenverkehrsordnung ab. Einen Punkt beobachten E-Scooter-Verleiher dabei besonders nervös: die mögliche Neuregelung der Parkrechte.

Das könnte die Nutzerzahl und die Attraktivität von E-Scootern drastisch senken, fürchten E-Scooter-Verleiher. Doch es könnte sogar noch schlimmer kommen. In den USA verbieten erste Städte jetzt sogar, die E-Scooter nachts zu fahren.


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Tödliche Unfälle vor allem nach 21 Uhr

Den Anfang machte dafür die Stadt Atlanta im Sommer 2019. Nach einer Reihe von tödlichen Unfällen hatte die Stadt genug. Seit dem 9. August dürfen E-Scooter zwischen 21 Uhr und vier Uhr morgens nicht mehr gefahren werden.

Im Zeitraum von Mai bis August waren allein in Atlanta vier E-Scooter-Fahrer durch Unfälle verstorben, und zwar immer nach einem Zusammenprall mit einem motorisierten Fahrzeug, die meisten davon nach 21 Uhr.

Im gleichen Zeitraum verzeichnete die Stadt übrigens keinen einzigen tödlichen Fahrradunfall. Doch die Unfälle begannen sich ziemlich genau zu dem Zeitpunkt zu häufen, als die Stadt dazu überging, das Fahren auf Gehwegen zu verbieten.

Natürlich ist nicht nur Atlanta von dieser Problematik betroffen. Mittlerweile hat auch Chicago das nächtliche Fahren von E-Scootern zwischen 22 Uhr und fünf Uhr morgens verboten. Andere Städte denken darüber nach.

Das Nachtverbot sei kein Anti-Scooter-Gesetz, sagen die Städte. Sie wollten die E-Scooter als neue Mobilitätsform unterstützen. Doch gleichzeitig müssten sie auch für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen. Für die Scooter-Verleiher aber kommt es aufs Gleiche heraus.

Nutzerzahlen sinken drastisch

Die Nutzerzahlen sind seit dem Nachtfahrverbot nämlich drastisch gesunken – und das kann nicht nur durch den Winter erklärt werden, in dem Ausleihzahlen generell zurückgehen.

Viele Fahrer leihen sich die E-Scooter nachts aus, weil Busse und städtische Bahnen so spät gar nicht mehr fahren. Die Nachtfahrten sind also ein guter Markt für die Leihscooter. Der bricht natürlich ein, wenn man genau dann nicht mit den E-Scootern fahren darf.

Dementsprechend haben die Verleiher Gotcha, Lyft, Lime, und Bolt ihre E-Scooter aus Atlanta abgezogen.

Doch wie sinnvoll ist es überhaupt, E-Scooter nachts zu verbieten?

Sind E-Scooter nachts besonders gefährdet? Nein!

Sicher, wer im Dunkeln unterwegs ist, hat ein höheres Unfallrisiko als bei Tageslicht. Zum einen sieht man nicht so gut. Zum anderen sind andere Verkehrsteilnehmer öfter müde und weniger aufmerksam als am Tag. Sind E-Scooter-Fahrer aber deshalb besonders gefährdet im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern?

Nach einem Report des Deutschen Verkehrssicherheitsrates von 2003 zu Unfällen in der Dunkelheit, sind eigentlich Fußgänger diejenigen, die nachts am häufigsten verunglücken, gefolgt von Moped- und Motorroller-Fahrern. Damals gab es natürlich noch keine E-Scooter auf den Straßen.

Doch vielleicht kann man E-Scooter am besten mit Fahrrädern oder E-Bikes vergleichen. Man bewegt sich auf zwei Rädern und der Körper ist relativ ungeschützt. Die Geschwindigkeiten sind ähnlich und darüber hinaus benutzen E-Scooter-Fahrer und Radfahrer oft die gleichen Wege.

Warum gibt es aber im gleichen Zeitraum in Städten wie Atlanta mehr tödliche Unfälle mit E-Scootern als mit Fahrrädern? Das mag tatsächlich weniger am Fahrzeug, sondern eher an den Fahrern liegen.

Verbote sind langfristig nicht die Lösung

Radfahrer tragen häufiger einen Helm als E-Scooter-Fahrer. Ihre Unfälle fallen deshalb möglicherweise weniger schwerwiegend aus. Auch nutzen viele Radfahrer nachts reflektierende Kleidung, was wahrscheinlich die wenigsten E-Scooter-Nutzer tun.

Hier fehlt also schlichtweg ein Bewusstsein für die Risiken bei vielen E-Scooter-Fahrern.

Auf der anderen Seite sind E-Scooter-Fahrer auch in US-Städten ein relativ neues Phänomen. In einer derart Auto-dominierten Stadt wie Atlanta achten Autofahrer zudem ohnehin schon kaum auf Radfahrer, aber dann sicher noch weniger auf schlecht sichtbare E-Scooter-Fahrer.

Und es ist sicherlich auch nicht ideal, wenn sich E-Scooter-Fahrer und PKW-Fahrer die Straße teilen müssen.

Unfälle überraschen da nicht. Nachtfahrverbote können die Unfallquote natürlich senken. So hat Atlanta seit dem Verbot keinen einzigen tödlichen E-Scooter-Unfall mehr verzeichnet. Andererseits kann das auch nur eine temporäre Lösung sein, wenn man der Mikromobilität wirklich eine Chance geben will.

Langfristig sollte man lieber an allen drei Ecken ansetzen: ein höheres Sicherheitsbewusstsein bei E-Scooter-Fahrern schaffen, genauso aber auch bei Autofahrern und schließlich eine urbane Infrastruktur schaffen, bei der alle Verkehrsteilnehmer auch nachts sicher unterwegs sind.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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