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E-Scooter-Sharing: Der große Mobility Mag Guide

Frauen auf Lime Scootern in der Stadt
E-Scooter-Sharing: Der große Mobility Mag Guide (Foto: Screenshot / Lime)
geschrieben von Marinela Potor

E-Scooter sind der neue heiße Scheiß auf Deutschlands Straßen. Seit dem 15. Juni sind E-Scooter in Deutschland erlaubt. Damit ist auch das E-Scooter-Sharing gestartet. Doch was ist das genau? Wie geht das? Welche Anbieter gibt es? Wir haben alles rund ums E-Scooter-Sharing hier für dich zusammengefasst.  


Inhaltsverzeichnis


Was ist E-Scooter-Sharing?

E-Scooter-Sharing ist vergleichbar mit Carsharing oder Bikesharing. Ein kommerzieller Anbieter stellt dabei eine Flotte von mehreren hundert oder sogar tausend E-Scootern in einer Stadt auf. Diese kannst du dir dann bei Bedarf ausleihen. So kannst du E-Scooter fahren, wann du willst, ohne selbst einen Scooter kaufen zu müssen.

Generell gibt es zwei Sharing-Modelle, stationär und free-floating.

Stationär bedeutet: Die E-Scooter sind an festgelegten Punkten in der Stadt zu finden. Nur hier kannst du den Scooter abholen. Genauso musst du nach deiner Fahrt den E-Scooter wieder an einer Station andocken.

Free-floating bedeutet: Die E-Scooter sind überall zu finden und du kannst sie dort abstellen, wo du willst. Einen E-Scooter in deiner Nähe findest du über die GPS-Funktion in der jeweiligen Sharing-App auf deinem Smartphone. Das ist das System, das du aktuell in Deutschland findest.

In beiden Fällen sind die Anbieter meist auf eine bestimmte Zone in der Stadt (häufig die Innenstadt) begrenzt. Das heißt: Du kannst auch beim Free-Floating-Modell die E-Scooter nur innerhalb dieser Zone ausleihen, fahren und wieder zurückgeben.

In welchen Städten gibt es Scooter-Sharing?

Aktuell findest du Sharing-Anbieter für E-Scooter in mehr als 50 deutschen Städten. Das Magazin „Gründerszene“ hat nach Informationen des Bundesverbands für Elektrokleinstfahrzeuge die folgende interaktive Karte erstellt, auf der du siehst, welche Anbieter in welchen Städten E-Scooter-Sharing anbieten.

Welche Anbieter gibt es?

Derzeit sind in Deutschland sieben E-Scooter-Sharing-Anbieter aktiv.

Bird

Bird zählt in seinem Heimatland – den USA – zu einem der größten Anbieter für E-Scooter-Sharing. In Deutschland dagegen startet das Unternehmen erstmal zaghaft. Bislang gibt es Bird nur in einem Pilotprojekt in Bamberg.

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Hello, Calgary! We’ve landed. 🇨🇦

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Circ

Das Berliner Start-up Circ (ehemals Flash) war das erste Unternehmen, das geteilte E-Scooter auf deutsche Straßen gebracht hat. Fun Fact: Deutschlandstart war dabei nicht Berlin, sondern Herne. Bis Ende des Jahres will Circ seine Roller in 80 Städten stationieren.

Das Start-up designt seine E-Scooter selbst, lässt sie aber in China anfertigen. Eine Design-Besonderheit: An der Haltestange kannst du dein Smartphone sicher während der Fahrt anbringen.

Grover

Grover hat sich einen Namen als Miet-Commerce-Unternehmen gemacht. Die Berliner Firma verleiht verschiedene Tech-Produkte, unter anderem Smartphones, Laptops oder VR-Ausrüstung. Ab dem 9. August sollen nun bundesweit unter dem Namen „Grover Go“ auch E-Scooter dazukommen.

Dafür arbeitet Grover mit Moovi zusammen, einem E-Scooter-Hersteller aus Hannover. Anders als die Konkurrenz setzt Grover dabei auf ein monatliches Abo-Modell.

Lime

Lime ist kein Neuling in Sachen Shared-Mobility. Das Unternehmen aus San Francisco startete erst in den USA mit Leihfahrrädern, führte dann auch E-Scooter ein und ist seit 2017 auch in Deutschland als Bikesharing-Anbieter aktiv.

Nun möchte Lime natürlich auch seine E-Scooter an die Deutschen bringen. Die giftgrünen E-Scooter von Lime findest du aktuell in Berlin, Köln, Dresden, Frankfurt, Hamburg und München.

Tier

Auch Tier ist kein Anfänger, wenn es um E-Scooter-Sharing geht. Das Unternehmen sagt über sich selbst, es sei Marktführer bei geteilter Micro-Mobility in Europa.

Tatsächlich gibt es Tier aktuell in 20 europäischen Städten und das Unternehmen hat jüngst verkündet, es habe im Juni bereits zwei Millionen Fahrten verzeichnet. Einer der Investoren bei Tier ist übrigens Nico Rosberg, der ehemalige Formel-1-Pilot, der sich jetzt sehr aktiv für grüne Mobilität einsetzt.

Voi

Voi ist ein schwedischer E-Scooter-Anbieter, der in acht deutschen Städten, vor allem in Süddeutschland, zu finden ist.

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Voi 🛴 Tan ☀️ Bark 🐶 Repeat ✔️ #scooterwoofer

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Wind Mobility

Wind Mobility gehört wahrscheinlich noch zu den Geheimtipps unter den E-Scooter-Verleihern. Vielleicht sagt dir aber der Name „Byke“ mehr. Unter dieser Marke hatte das Unternehmen bislang einen recht erfolgreichen Bikesharing-Dienst in und um Frankfurt.

Doch während das Unternehmen sein Bikesharing-Angebot immer weiter reduziert hat, setzt es nun offenbar unter Wind Mobility auf E-Scooter-Sharing. Aktuell gibt es Wind-Scooter in 15 Städten in Europa. In Deutschland zählen dazu unter anderem Stuttgart und Freiburg.

Wind Mobility nutzt die E-Scooter von Ninebot (Segways Es2).

Wie viele geteilte E-Scooter gibt es in Deutschland?

Die Zahl ändert sich aktuell beinahe täglich, genaue Angaben gibt es dazu nicht. Statista schätzt die Anzahl der Scooter von Sharing-Anbieter allein in Berlin, München, Hamburg und Frankfurt am Main auf etwa 10.000.

Wie funktioniert E-Scooter-Sharing?

Je nach Anbieter kann dies etwas abweichen, aber das generelle Sharing-Prinzip ist bei den meisten gleich.

1. App herunterladen

Hierbei lädst du dir zunächst die App des entsprechenden Anbieters auf dein Smartphone.

2. Registrieren

Bei den meisten Sharing-Anbietern musst du im nächsten Schritt eine Bezahlmethode anmelden (Kreditkarte, bei einigen Anbietern geht auch Paypal) sowie deine Handy-Nummer verifizieren.

Bevor du dir dann einen E-Scooter ausleihen kannst, musst du bei einigen Anbietern ein gewisses Guthaben auf dein E-Scooter-Konto laden.

Achtung: Obwohl du in Deutschland E-Scooter schon ab 14 Jahren fahren darfst, musst du fürs E-Scooter-Sharing mindestens 18 Jahre alt sein.

3. E-Scooter in deiner Nähe finden

Die E-Scooter-Verleiher in Deutschland nutzen das Free-Floating-System. Das bedeutet: Die Apps greifen über die GPS-Funktion auf deinem Smartphone (das musst du vorher zulassen) auf deinen Standort zu. So können sie dir auf einer Karte innerhalb der App anzeigen, wo du freie Scooter findest.

4. E-Scooter ausleihen

Sobald du dann vor dem gewünschten E-Scooter stehst, musst du lediglich den QR-Code am Lenkrad mit der Smartphone-App einscannen. Dazu musst du logischerweise vorab der App den Zugriff zu deiner Handy-Kamera erlauben.

Das Scannen stellt eine Verbindung mit dem E-Scooter her, das Fahrzeug wird entsperrt, deine Fahrt registriert und du kannst losfahren.

5. E-Scooter nach der Fahrt wieder abgeben

Sobald du angekommen ist, stellst du den Scooter ab und scannst wieder den QR-Code am Lenkrad. Damit wird deine Fahrt offiziell abgeschlossen.

Du wirst auf der App-Karte sehen, in welcher Zone du den E-Scooter wieder abstellen kannst – und wo nicht. Solltest du aus irgendwelchen Gründen den E-Scooter innerhalb von 24 Stunden nicht in diesem Gebiet wieder abstellen können, kannst du den Anbieter um eine spezielle Abholung bitten.

Die ist allerdings nicht ganz billig. Lime und Wind Mobility berechnen dafür zum Beispiel 100 Euro.

Viele Anbieter haben darüber hinaus angefangen „No-Parking-Zones“ zu markieren, in denen du die Scooter nicht abstellen darfst, da du damit sonst Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer behinderst. Stellst du deinen E-Scooter dennoch hier ab, musst du eine erhöhte Mietgebühr zahlen.

Einige Anbieter verlangen auch in Foto von dem abgestellten Scooter. Zudem kontrollieren die Anbieter, ob die Scooter richtig abgestellt sind. Das läuft natürlich nicht immer und überall reibungslos und sorgt regelmäßig bei anderen Verkehrsteilnehmern für Frust.

6. Bezahlen

Das Bezahlen läuft entweder Prepaid oder wird nach der Fahrt abgerechnet. Beim Prepaid-Verfahren musst du vorher Guthaben auf dein Konto laden und kannst dieses dann nutzen. Andernfalls wird die Fahrt direkt im Anschluss über die registrierte Kreditkarte abgerechnet.

Was kostet das Ganze?

Alle E-Scooter-Anbieter verlangen eine einmalige Entsperrungs-Gebühr. Aktuell liegt diese durch die Bank weg bei einem Euro. Darüber hinaus wird der Fahrpreis pro gefahrener Minute berechnet. Der Preis pro Minute, liegt je nach Anbieter, zwischen 14 und 20 Cent pro Minute.

Grover ist, soweit wir wissen, bislang der einzige Anbieter, der über ein Monatsabo abrechnet. Die Modelle soll es ab 29,90 Euro pro Monat geben.

Muss ich einen Helm tragen?

Nein! Beim E-Scooter besteht keine Helmpflicht. Allerdings empfehlen alle Sharing-Anbieter dies.

Darf ich auf dem Bürgersteig fahren?

Nein! Das Fahren auf dem Bürgersteig ist für E-Scooter generell nicht erlaubt. Welche Regeln außerdem bei E-Scootern gelten und welche Strafen du gegebenenfalls zahlen musst, haben wir hier für dich zusammengefasst.

Was passiert, wenn ich einen Unfall habe?

Wenn du verletzt bist oder ein Sachschaden entstanden ist, solltest du in erster Linie einen Krankenwagen und die Polizei rufen. Darüber hinaus empfehlen die Anbieter, dass du bei Schäden Fotos vom Unfallgeschehen machst und dich mit dem Kundenservice in Verbindung setzt. Die meisten Sharing-Dienste decken dich aber mit einer Haftpflichtversicherung während der Fahrt ab.

Wie lange darf ich einen E-Scooter fahren?

Hier gibt es unterschiedliche Regelungen, je nach Anbieter. Bei Lime und Voi zum Beispiel darfst du einen E-Scooter bis zu 24 Stunden ausleihen. Nach diesem Zeitraum musst du ihn wieder offiziell zurückgeben – also innerhalb der vorgegebenen Zone abstellen und den QR-Code scannen.

Tust du das nicht, wird der Scooter automatisch deaktiviert. Natürlich kannst du theoretisch den Scooter nach 24 Stunden sofort wieder ausleihen.  Natürlich fällt dann immer die Euro-Gebühr für das Entschlüsseln der Scooter an.

Circ wiederum macht die Maximaldauer an der Marke von 50 Euro fest. Sobald du mit dem E-Scooter eine Strecke im Wert von 50 Euro gefahren bist, beendet Circ die Fahrt automatisch. Auch hier kannst du natürlich den gleichen Scooter sofort wieder ausleihen.

Allerdings: Der Scooter muss dabei in Bewegung bleiben. Wenn du bei Circ den E-Roller länger als 30 Minuten nicht bewegst, wird er automatisch wieder für andere Nutzer freigegeben.

Wie werden die E-Scooter wieder aufgeladen?

Die Betreiber sammeln abends die E-Scooter ein und laden sie auf. In den frühen Morgenstunden werden die Scooter wieder im Stadtgebiet verteilt. Du kannst den Akku-Stand der Fahrzeuge auch über die Apps prüfen.

Darüber hinaus kannst auch du selbst zum Scooter-Auflader werden und damit Geld verdienen. Diese Auflader haben, je nach Betreiber, unterschiedliche Namen. Lime nennt sie „Juicer“, Tier spricht von „Rangern“.

Dafür musst du dich direkt über die Anbieter anmelden. In Deutschland brauchst du zudem einen Gewerbeschein. Der Gewinn richtet sich danach, wie lange der jeweilige E-Scooter nicht aufgeladen wurde. In den USA kannst du damit sogar bis zu 20 US-Dollar pro Scooter verdienen. Deutsche Auflader berichten aber eher von Einnahmen um die vier Euro pro Scooter.

Was passiert mit meinen Daten?

Genau wie auch beim Carsharing oder Bikesharing sammeln auch Scooter-Sharing-Anbieter Informationen. Daran erkennen sie zum Beispiel, welche Routen beliebt sind, zu welchen Uhrzeiten die Nutzer ihre Roller ausleihen oder welche Altersgruppen den Service nutzen.

Im Idealfall kommen sich so Angebot und Nachfrage näher und du hast am Ende einen besseren Service. Solche Informationen sind sehr wertvoll und es ist auch durchaus denkbar, dass die Anbieter diese Informationen mit örtlichen Verkehrsplanern teilen könnten. All diese Daten sind natürlich anonymisiert.

Gleichzeitig besteht natürlich immer auch die Gefahr, dass solche Datensätze gehackt werden können und dann theoretisch jemand ganz genau weiß, von wo, wohin, wie und wann du dich die Stadt bewegst.

Allerdings: E-Scooter-Anbieter beteuern, dass sie keine Kundeninformationen verkaufen.

Wie nachhaltig sind E-Scooter im Sharing?

Ob E-Scooter-Sharing umweltfreundlich ist, kann pauschal nicht beantwortet werden. Es kommt zum einen darauf an, was du für ein Verkehrsmittel damit ersetzt.

Beispiel eins: Bislang bist du dem eigenen PKW zur Arbeit gefahren. Das Parken und die vielen Staus findest du aber sehr nervig und steigst jetzt auf E-Scooter-Sharing um. E-Scooter statt Auto ist besser für die Umwelt.

Einen Klimavorteil bieten die E-Scooter auch, wenn du zum Beispiel damit leichter zur U-Bahn oder zur Bushaltestelle kommst – und im Gegenzug dein Auto stehen lässt.

Beispiel zwei: Bislang bist du zu Fuß zur Arbeit gelaufen oder mit deinem Fahrrad gefahren, jetzt nutzt du einen elektrischen Leih-Scooter. Das ist natürlich schlechter für die Klimabilanz. Denn ein Elektrofahrzeug hat einfach einen schlechteren Fußabdruck als akku-lose Verkehrsmittel wie etwa dein Fahrrad.

Auch sind nicht alle E-Scooter gleich. Werden die E-Scooter zum Beispiel in China gefertigt und dann nach Deutschland per Container-Schiff oder Flugzeug transportiert, ist das nicht so gut für die Umwelt wie eine Produktion in Deutschland.

Ein weiterer Faktor in der Umweltbilanz: Wie lange halten die Scooter? Müssen die Leih-Roller durch achtlose Nutzer jedes Jahr ausgetauscht werden, ist das schlechter für das Klima als ein E-Scooter, der jahrelang hält.

Hast du noch weitere Fragen zum E-Scooter-Sharing? Lass es uns wissen und wir beantworten sie dir gerne! 

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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