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E-Taxi geht nicht? Diese beiden Unternehmen machen’s vor!

Taxi Stadt
Foto: Pixabay
geschrieben von Marinela Potor

Elektroautos sind für den Taxibetrieb völlig ungeeignet. So lautet die Meinung vieler Taxiunternehmer in Deutschland. Aller Taxiunternehmer? Nein! Es gibt zwei Pioniere, die zeigen, dass es doch geht.

Schätzungen zufolge fahren in Deutschland kaum mehr als 100 E-Taxis. Es sind vor allem die geringen Reichweiten bei den erschwinglichen Modellen, die dafür sorgen, dass die meisten Taxiuntenternehmen Elektroautos meiden.

Auch ist das Laden per Kabel nicht ideal für Taxis. Wie soll das gehen, wenn man in einer nachrückenden Warteschlange am Flughafen oder am Bahnhof auf Fahrgäste wartet?

Einige Experten bezeichnen Elektroautos deshalb sogar als „vollkommen ungeeignet“ für den Taxibetrieb.

Gert Wohlgemuth und Markus Wahl sehen das völlig anders. Die beiden Taxiunternehmer aus München und Bochum beweisen, dass Elektromobilität auch beim Taxi funktionieren kann.

Deutschlands erste reine E-Taxiflotte fährt in München

Der 25. Juli 2018 war für Gert Wohlgemuth und seine beiden Geschäftspartner Gregor Beiner und Johann Schuster vom Münchner Taxi Zentrum (MTZ) ein großer Tag in der Geschichte ihres Betriebes. An diesem Tag weihten sie ihre neue Flotte ein: rund 80 vollelektrische Fahrzeuge.

Damit ist MTZ Deutschlands erster und bislang einziger Taxibetrieb mit einer reinen Elektroflotte.

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um das I-Pace-Modell von Jaguar. Dieses bietet mit seinen 90 Kilowattstunden-Akkus und einer Reichweite 480 Kilometer nach WLTP eine solide Grundlage für den Taxibetrieb.

Allerdings hat sich der Münchner Unternehmer damit kein besonders günstiges Auto ausgesucht. Der Einstiegspreis für den I-Pace liegt bei 65.500 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für die Taxiumrüstung.

Um dies bezahlen zu können, nimmt MTZ die Förderung der Stadt München für E-Taxis in Anspruch. Die Stadt zahlt dem Unternehmen pro Besetztkilometer 20 Cent, bis 40 Prozent des Anschaffungspreises bezahlt sind.

Doch nicht jedes Unternehmen kann sich solch teure Modelle leisten und nicht jede Stadt kann Taxibetriebe auf diese Weise unterstützen. Darüber hinaus haben Taxiunternehmer keine besonders große Auswahl bei E-Taxis.

Audi hat sich zum Beispiel komplett aus dem Taxibetrieb zurückgezogen und die klassischen Limousinen von Daimler gibt es noch gar nicht elektrisch. Darüber hinaus sind nur wenige Elektroautos als Taxis in Deutschland zugelassen.

Zu teuer? Geringe Reichweite? Wer will, findet Optionen

Doch wer wirklich will, findet dennoch Alternativen. Markus Wahl betreibt das Unternehmen Bednarz Elektrotaxi in Bochum. Auch er sah die E-Taxis zunächst skeptisch.

Als er jedoch genau auf die Fahrstrecken seiner Flotte schaute, merkte er: Gut ein Drittel davon sind Kurzstrecken. Deshalb entschloss er sich dazu, entsprechend auch ein Drittel seines Fuhrparkes auf Elektroautos umzustellen.

Wahl testete zunächst den Kleintransporter e-NV 200 von Nissan. Nach bereits einem Tag war klar: Das Auto taugte nicht für seinen Betrieb. Die Reichweite von 100 Kilometern reichte einfach nicht aus. Darüber hinaus hatten ältere Fahrgäste Schwierigkeiten auf die hohen Sitze zu kommen.

So schnell wollte Markus Wahl aber nicht abgeben. Er probierte noch den Nissan Leaf – und war begeistert. Das Auto fuhr sich „super“ und die 180 Kilometer Reichweite reichten für seinen Betrieb aus. Seitdem fährt Bednarz Elektrotaxi mit vier Nissan Leaf durch Bochum.

Problematisch war allerdings die Ladesituation in der Stadt. Öffentliche Ladesäulen sind Mangelware, sodass Bednarz Elektrotaxi fünf eigene Ladesäulen installieren musste. Die Autos werden dort nachts und beim Schichtwechsel mit Ökostrom geladen.

Im Winter ist die Situation dennoch schwierig. Wegen der kalten Temperaturen erreichen die Akkus weniger Ladeleistung und müssen öfter geladen werden. Darüber hinaus sei die Umstellung auf die Elektroautos aber die richtige Entscheidung gewesen, sagt Wahl.

Angst, den lukrativen Spesengast zu verpassen

Markus Wahl rechnet vor, dass sich die E-Taxis für ihn langfristig rechnen. Bei den variablen Kilometerkosten liegen seine Elektroautos um rund 50 Prozent niedriger als die Verbrenner. Auch bei der Inspektion musste er weniger bezahlen als bei seinen anderen Fahrzeugen.

Doch lohnt sich das Geschäft mit den E-Taxis auch für andere Taxibetriebe? Was macht jemand, der vielleicht keine Finanzierung hat wie Gert Wohlgemuth oder keinen großen Fuhrpark wie Markus Wahl?

Für kleinere Betriebe ist die Kalkulation nicht ganz so einfach. Denn viele Taxibetriebe in Deutschland operieren nur mit einem einzigen Wagen. Diese Ein-Wagen-Betriebe warten oft an Flughäfen und hoffen auf lukrative Spesenfahrgäste. Spesengäste sind die Fahrgäste, die auf Firmenkosten fahren und sich vorzugsweise gleich 200 Kilometer weit mit dem Taxi fahren lassen.

Mit einem E-Auto wäre eine solche Strecke immer noch schwer machbar. Aus Angst, diese lukrativen Fahrten zu verpassen, setzen viele Kleinstbetriebe weiterhin auf Verbrennungsmotoren. Allerdings muss man auch sagen, dass diese Spesengast-Fahrsituation extrem selten vorkommt.

Doch auch hier gibt es Hoffnung. In diesem Jahr möchte Nissan zum Beispiel sein neues Leaf-Modell mit einer 60 Kilowattstunden-Batterie herausbringen. Das würde sogar für Strecken zwischen 300 und 400 Kilometer reichen.

Deshalb ist Markus Wahl auch zuversichtlich, dass er sein Ziel erreichen kann. Bis 2021 soll auch seine gesamte Flotte elektrisch sein.

Weitere Alternative: Wasserstoffautos

Eine weitere umweltfreundlichere Alternative für Taxibetriebe wären darüber hinaus Fahrzeuge mit Brennstoffzellen. Denn Wasserstoffautos bieten locker Reichweiten um 400 Kilometer, und das ebenfalls ohne lokale Emissionen.

So wäre zum Beispiel der Toyota Mirai als Taximodell verfügbar. In Paris wiederum kommen die Wasserstoffautos von Hyundai, Typ ix 35 Fuel Cell, bereits seit mehreren Jahren zum Einsatz.

Wasserstoffautos haben allerdings einen großen Nachteil: Sie müssen – logisch – mit Wasserstoff betankt werden. In Deutschland ist das Tankstellennetz dafür sehr dürftig.

Doch auch hier wird bereits an Alternativen geforscht. So werden künftig sicher neben Gert Wohlgemuth und Markus Wahl sicher noch weitere Taxiunternehmen auf alternative Antriebe umstellen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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