Future

Mit Solarsegel und Zero Waste: Das umweltfreundlichste Kreuzfahrtschiff der Welt

Ecoship Kreuzfahrtschiff
Screenshot: Vimeo / Oliver Design
geschrieben von Marinela Potor

Kreuzfahrtschiffe gehören zu den größten Umweltsündern der Welt. Rund 90.000 Passagierschiffe pro Jahr belasten Luft und Ozeane mit 20 Millionen Tonnen Schwefeloxid. Keine gute Bilanz! Dass es auch anders, nämlich nachhaltiger, geht, will nun das Projekt „Ecoship“ beweisen.

Das Ecoship ist eine Idee von Yoshiokata Tatsuya, dem Gründer der Nichtregierungsorganisation „Peaceboat“, einem Schiff, das seit 1983 auf den Meeren dieser Welt für Frieden wirbt und 2015 für den Friedensnobelpreis nominiert war.

Gemeinsam mit der spanischen Designfirma Oliver Design, dem finnischen Schiffbauer Arctech Helsinki Shipyard sowie dem deutschen Ingenieursbüro Detlev Löll soll „das grünste Kreuzfahrtschiff der Welt“ entstehen.

Schifffahrt verursacht 50.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr

„Wir glauben, dass dieses Schiff ein Gamechanger für die gesamte Branche sein kann und zum Umweltschutz beitragen wird. Es wird ein Flaggschiff gegen den Klimawandel“, sagt Yoshiokata Tatsuya zuversichtlich.

Das hat die Kreuzfahrt tatsächlich auch bitter nötig, denn kaum eine andere Industrie verursacht so große Umweltschäden wie die Schifffahrt. Die Industrie insgesamt ist weltweit der größte Verursacher von CO2-Emissionen. Der Umweltverband NABU (Naturschutzbund Deutschland) nennt die Schifffahrt einen „der Hauptverursacher von Luftverschmutzung in Europa“. Laut einem Hintergrundpapier des NABU zur Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe sind Schiffsemissionen allein in Europa für bis zu 50.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

Ein Passagierdampfer ohne Filter und Entschwefelungsanlage (die wenigsten Schiffe haben solche Vorrichtungen) stößt pro Tag im Schnitt rund 450 Kilogramm Rußpartikel, 5250 Kilogramm Stickoxide und 7500 Kilogramm Schwefeldioxide aus. Allein die 15 größten Schiffe der Welt stoßen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, sagt der NABU

Hinzu kommen nochmals 80.000 Liter Abwasser pro Tag, welches mehrheitlich durch veraltete Filter und minderwertige Behandlungsanlagen läuft, bevor es in den Ozean gepumpt wird.

Kein Wunder, dass Peaceboat-Gründer Yoshiokata Tatsuya hier Verbesserungsbedarf sieht.

Solarzellen, Hybridmotor und Zero Waste

Das Ecoship wird nach Angaben von Oliver Design einen Hybridmotor haben und kann damit sowohl mit Diesel als auch mit dem wesentlich umweltfreundlicheren Flüssigerdgas (Liquified Natural Gas, LNG) angetrieben werden. Das soll den Spritverbrauch um 20% reduzieren und sorgt angeblich im Vergleich zu ähnlichen Schiffen für 40% weniger CO2-Ausstöße.

Das Ecoship soll außerdem mit 6000 m² Photovoltaikzellen ausgestattet werden sowie mit zehn ausklappbaren Windsegel, die ebenfalls mit Solarzellen belegt sind. Die Segel können damit sowohl zum Antrieb als auch zur Energieversorgung genutzt werden.

Das Ecoship will ebenfalls weniger Müll produzieren und keine schädlichen Abwässer in die Meere pumpen. Zero Discharges und Zero Waste (keine Abwässer und kein Abfall) sind das erklärte Ziel. Geschlossene Müll- und Wasserkreisläufe sollen dafür sorgen.

Das 60.000 Tonnen schwere Ecoship wird 250 Meter lang sein, 32 Meter breit und 8 Meter Tiefgang haben. Nach aktuellen Plänen bietet es damit Platz für 2000 Passagiere in 750 Kabinen. Der Plan ist, damit rund 100 Häfen pro Jahr anzusteuern und auf dem Schiff Ausstellungen zu grüner Technologie zu präsentieren. Darüber hinaus möchte das Ecoship so etwas wie ein schwimmendes Labor der Nachhaltigkeit sein und zur Ozeanforschung sowie zur Entwicklung grüner Schifffahrttechnologie beisteuern.

2020 soll das Ecoship der japanischen NGO in See stechen, pünktlich zu den Olympischen Spielen in Tokyo.

Auch spannend:


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

Kommentieren