Transport

In 3 Minuten zum vollen Akku

ES8 Elektro-SUV NIO
Bild: NIO
geschrieben von Marinela Potor

China investiert derzeit in Elektromobilität wie nur wenige andere Länder. Heraus kommen ziemlich beeindruckende Autos, von denen sich die dieselgate-geplagten VW, BMW & Co. und sogar Tesla noch ein Scheibchen abschneiden könnten. Ein Beispiel dafür ist NIO. Als eins der finanzstärksten Elektro-Start-ups in China, hat NIO vor kurzem seinen neuen Elektro-SUV vorgestellt. Der ES8 soll Teslas SUV Model X Konkurrenz machen.

Auf der Shanghai Motor Show debütierte das chinesische Start-up NIO (ehemals: NextEV) sein neuestes Serienfahrzeug, den ES8. Die Details, die bisher bekannt sind, zeigen: Der Siebensitzer mit 480 kW (653 PS) und einer Reichweite von 355 Kilometern kann es mit dem Tesla SUV Model X aufnehmen. Dazu hat NIO aber noch eins daraufgesetzt.

Das schnellste Ladesystem der Welt

Denn während Tesla seinen Supercharger anpreist, hat NIO sich etwas ganz Eigenes einfallen lassen – ein ultraschnelles Wechselakkusystem. Denn neben normalen Ladestationen, dem Laden an der Heimsteckdose oder einer passenden Wallbox, bietet NIO den ES8-Fahren außerdem die Möglichkeit, den Akku einfach auszutauschen, anstatt ihn aufzuladen. Drei Minuten dauert der Vorgang insgesamt und wäre damit – wenn man so will – das schnellste verfügbare Ladesystem der Welt.

Eine weitere Alternative ist das Laden per Power Mobile. Dieses kommt einfach zum Elektroauto angefahren und lädt den E8 in maximal einer Stunde wieder auf.

Preisvergleich: Halb so teuer wie Tesla Model X?

Das Basismodell wird in China für umgerechnet 57.000 Euro angeboten. Und das ist der Preis ohne Regierungssubventionen. Mit den Erleichterungen der Regierung für Elektroautos können Käufer noch gut 900 Euro zusätzlich sparen. Im Vergleich dazu kostet Teslas SUV Model X in der Basisversion 91.250 Euro, also beinahe doppelt so viel.

Allerdings, wer genau hinschaut, merkt, dass er dabei die Rechnung ohne den Akku gemacht hat. Grundsätzlich bietet NIO Kunden die Akkus zur Miete an. Umgerechnet 163 Euro wird dieses Monatsabo in China kosten. Wer den Akku beim ES8 lieber erwerben will, zahlt nochmals rund 13.000 Euro. Damit ist der ES8 allerdings immer noch über 20.000 Euro billiger als der Tesla Model X.

Dabei scheint der ES8 weder an Innenausstattung noch an technischen Features gespart zu haben. Der SUV ist bei Allradantrieb mit zwei Elektromotoren, einem auf der Vorder- und einem weiteren auf der Hinterachse, ausgestattet. Das Auto fährt zudem mit Luftfederung (von Continental) und kann nach Herstellerangaben von 0 auf 100 in 4,4 Sekunden beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Im Powermodus können kurzfristig bis zu 200 km/h erreicht werden.

Die Sitze kommen in bequemer Loungeausstattung und sind zudem aus Leder, es gibt zudem einen Luftreiniger sowie ein Premium Sound System. Das Unternehmen spricht deshalb vom Auto recht selbstbewusst als „mobilen Lebensraum“.

Innenausstattung ES8 Elektro-SUV Nio

„Sofa“ nennt NIO seine Autositze (Bild: NIO)

Automatisierte Features: Autonomie-Level 3

Das liegt auch an den automatisierten Funktionen, die beim ES8 im Level 3 angesetzt sind. Das bedeutet, das Fahrzeug kann von alleine auf der Autobahn die Spuren wechseln, von alleine zu einer vollen Bremsung kommen und ist auch im Stop-and-Go-Verkehr selbstständig. NIO behauptet, der ES8 sei bislang das erste Fahrzeug mit künstlicher Intelligenz im Auto selbst. Angeblich lernt die KI – genannt NOMI – auch eigenständig, auch wenn es regelmäßige Updates geben soll.

KI System ES8 Elektro-SUV NIO

Die KI im ES8 hört auf den Namen „NOMI“

Darüber hinaus rühmt das Start-up sich damit, das erste Fahrzeug der Welt mit der Technologie Mobileye EyeQ4 zu sein – einer speziellen Chip-Sichttechnologie für autonome Fahrzeuge. Die komplette Selbstfahr-Ausstattung beinhaltet fünf Radarsensoren, zwölf Ultraschallsensoren sowie eine Mehrfeldkamera (Blickrichtung: vorne) und eine Kamera, die auf den Fahrer gerichtet ist.

Junges Start-up, viele Fans

Auch wenn NIO erst seit 2014 Autos baut, hat das Start-up eine eingeschworene Fangemeinde. Nicht zuletzt aufgrund des superschnellen Sportautos EP9, das das Unternehmen herausbrachte – und welches in der Formel E startete.

Den ES8 soll es ab Mitte 2018 in China geben und in Europa etwas später. Wer das Modell probefahren will, kann dies in China in sogenannten „NIO-Houses“ tun. Ansonsten wird der Vertrieb ausschließlich über die App gemanagt.

Bis dahin arbeitet NIO schon an der nächsten Auto-Vison, EVE, einer Art autonom rollendes Wohnzimmer, das sich der Stimmung seiner Insassen anpasst.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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