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Experten zur Zukunft der Mobilität: Fahrräder sind innovativer als Drohnen

Straße Zukunft der Mobilität
geschrieben von Marinela Potor

Wie könnte unsere mobile Welt in 5, 15 und 50 Jahren aussehen? Genau das fragen wir in regelmäßigen Abständen Experten der Branche. Oliver Lah ist Leiter des Forschungsbereichs Mobilität und internationale Kooperationen am Wuppertal Institut und beschäftigt sich vor allem mit Fragen zur nachhaltigen Mobilität. Seine Zukunftsvision: Das Fahren des eigenen Autos wird so unnötig, dass wir es kaum noch aus der Garage holen.

Fliegende Autos, autonome Fahrzeuge, Shared Mobility: Die Zukunft der Mobilität ist vielseitig. Genau deshalb wollten wir von Experten der Branche wissen, wie sie sich eigentlich die mobile Zukunft vorstellen. Oliver Lah vom Wuppertal Institut beschäftigt sich mit nachhaltiger Mobilität. Er glaubt, dass die aktuelle Diskussion um neue Technologien alleine für eine Mobilitätswende nicht ausreicht. Seiner Meinung nach müssen wir schon jetzt strukturell komplett umdenken, um in Zukunft nachhaltige Mobilität zu ermöglichen.

Die Zukunft der Mobilität in fünf Jahren: Eintrittsgelder für Autos

Oliver Lah Wuppertal Institut

Shared Mobility, Elektromobilität, Fahrräder und ÖPNV sind laut Oliver Lah die Verkehrsmittel der Zukunft (Foto: Wuppertal Institut)

In der Vision des Filmes „Zurück in die Zukunft“ gab es im Jahr 2015 fliegende Autos mit Kernfusionsreaktoren. Solche Autos hatten wir, soweit ich weiß, vor drei Jahren noch nicht und es wird sie wahrscheinlich auch nicht geben, auch in 50 Jahren nicht.

Gibt es also eine radikale Veränderung der Mobilität in den nächsten fünf Jahren?

Wenn wir uns überlegen, dass bestehende Infrastruktur in Städten oft Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte bestehen bleibt – sicher nicht! Was wir aber schon heute ändern können ist die Art wie wir bestehende Systeme nutzen und wie wir uns entscheiden mobil zu sein.

Die Mobilität der Zukunft wird sicher vernetzter und zunehmend weniger abhängig vom eigenen Auto sein. Die Diskussion muss sich dafür aber schon jetzt mehr um das mobil sein an sich drehen und weniger um das Besitzen eines Fahrzeugs.

Eine Flotte von selbstfahrenden Fahrzeugen sehe ich noch nicht in fünf Jahren. Wenn wir über selbstfahrende – dann natürlich auch elektrische – Fahrzeuge sprechen, dann sollten diese Fahrzeuge auch das technische Potenzial nutzen und nicht nur eine einzelne Person befördern. Ich kann mir gut Sharing-Modelle vorstellen, in denen sich zum Beispiel eine Haus- oder Bürogemeinschaft ein Auto teilt.

Technologien wie Apps werden das Nutzen dieser Angebote einfacher machen, sie müssen dafür aber in Zukunft zusammengeführt werden. Aus der Car-2-Go-App und der BVG-App und der Mobike-App muss eine Mobilitätsapp werden, damit die Nutzung der Angebote für Verkehrsteilnehmer attraktiver wird. Das sind aber nur Add-Ons. Das ist nicht das Wesentliche, was Mobilität anders machen wird. Nur ein anderes Angebot kann die Mobilität wirklich verändern.

Dazu gehört auch eine Investitionsstruktur, die die Prioritäten richtig setzt und öffentlichen Personenverkehr klar gegenüber motorisiertem Individualverkehr bevorzugt.

Die Zukunft der Mobilität in 15 Jahren: In Deutschland gibt es noch vier Autos

Wenn man jetzt schon, wie erklärt, die Zeichen richtig setzen würde, könnte man in 15 Jahren schon einen großen Unterschied sehen. Wenn wir alles richtig gemacht haben, was den Ausbau und die Veränderung der nachhaltigen Verkehrsträger angeht, dann kommt in diesem Transformationsprozess natürlich auch der Technologie, wie zum Beispiel der Elektromobilität, eine wichtige Rolle zu.

In 15 Jahren kann man dann auch durchaus über die drei noch verbliebenen Autos in Deutschland sprechen – oder vielleicht sind es auch vier. Aber bis dahin müsste man alles andere elektrifizieren: alle Busse, alle Schienenwege, E-Bikes, Taxis, Carsharing.

Wenn wir das alles elektrifiziert haben, dann können wir uns darüber unterhalten, wie wir die wenigen noch verbleibenden Autos in der Elektrifizierung unterstützen. Das ist aber nicht der erste Schritt zur Mobilitätswende, das ist der letzte Schritt. Natürlich darf jeder, der möchte, sein eigenes Auto besitzen. Es sollte aber nicht mehr notwendig sein, um damit in die Stadt zu fahren. In 15 Jahren sollte das Autofahren im Vergleich zum öffentlichen Verkehrsangebot so unattraktiv sein, dass das Pendeln mit dem Auto uninteressant wird.

Die Zukunft der Mobilität in 50 Jahren: Drohnen weder sinnvoll noch wünschenswert

Das was ich für die Zukunft der Mobilität in 15 Jahren skizziert habe, ist das ambitionierte Ziel. In 50 Jahren sollten wir dann aber wirklich dort angekommen sein.

Wir sehen weiterhin einen Bewegungsdrang in die Ballungsräume, sodass ich glaube, dass in 50 Jahren Mobilität in den ländlichen Räumen deutlich weniger Menschen betrifft als das heute der Fall ist. Das ist eine Herausforderung, aber eine, die durch individuelle, vernetzte Angebote gewährleistet werden kann.

Nachhaltige Städte mit einem effizienten Mobilitätsangebot bieten eine hohe Lebensqualität. Im Moment ist das Umziehen in die Stadt ja nicht zwingend eine Entscheidung für mehr Lebensqualität, sondern oft eine ökonomische Entscheidung. Ballungsräume werden in 50 Jahren aber zu lebenswerten Orten werden wenn man heute die Prioritäten richtig setzt. Sie werden durch nachhaltige Mobilität auch zu Orten, die ein ganzes Stück leiser sind, die eine bessere Luft haben und wo man keine Zeit in Staus mehr verliert.

Wie bewegen wir uns in 50 Jahren?

Mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit der Bahn. Autonome SUVs, Drohnen oder Ähnliches als Fortbewegungsmittel der Zukunft sind weder sinnvoll noch wünschenswert. Kurze Wege sind immer besser als lange, auch in der Zukunft. Aktiv unterwegs zu sein ist nicht nur nachhaltig, sondern auch gesund, auch in der Zukunft.

Für weite Strecken wird es sicherlich noch Flugzeuge geben. Es ist aber durchaus vorstellbar, dass in Zukunft ein solides europäisches Schnellbahnnetz für Kurztrips und Urlaubsreisen das Bahnfahren sehr viel attraktiver macht als das Fliegen oder das Autofahren in nahegelegene Regionen.

Wenn es um die Fahrt zur Arbeit geht, denken viele wahrscheinlich, dass wir uns in eine Drohne setzen. Genau das wollen wir aber nicht!

Denn dadurch hätten wir wieder individuelle, motorisierte Mobilität, die mit einer großen Geräuschkulisse und Belastung einhergeht. Und dann muss man sich mal vorstellen, dass jeden Morgen 200.000 Menschen zur Arbeit fliegen!

Also: Wie bewege ich mich total futuristisch in 50 Jahren zur Arbeit?

Mit dem Fahrrad! Oder mit der Straßenbahn. Die Mobilität der Zukunft geht nicht zwingend mit besonders außergewöhnlichen Technologien einher, sondern eher „back to the roots“.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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