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Fairtiq: Diese App sucht dir automatisch das billigste Ticket in Bus und Bahn

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Stell dir vor, du wärst immer mit dem günstigsten Ticket unterwegs! (Foto: Fairtiq)
geschrieben von Marinela Potor

Das Schweizer Start-up Fairtiq hat eine richtig praktische App entwickelt: Sie erkennt, welche Strecke du mit Bus und Bahn fährst und löst immer das günstigste Ticket für dich – automatisch. Die App wird jetzt auch in Deutschland ausgerollt. 

Neulich bei einer Fahrt mit der Stadtbahn in Dortmund: Ich löse ein Ticket für eine Einzelfahrt. Später fällt mir auf, dass ich eigentlich nur eine Kurzstrecke gefahren bin – und somit zu viel für die Fahrt gezahlt habe.

Dumm gelaufen, kann man da sagen… oder eine App dafür entwickeln. Genau das hat das Schweizer Start-up Fairtiq* getan.

Einmal installiert, erkennt die App nämlich automatisch, welches das günstigste Ticket für deine Fahrt ist – und löst es auch noch automatisch für dich.

Immer mit dem günstigsten Ticket unterwegs

Das Abrechnungssystem nennt sich in der Fachsprache „Check-in / Check-out“. Als Nutzer checkst du mit der App also einmal ein, sobald du in das entsprechende Verkehrsmittel einsteigst. Dazu öffnest du die App und wischt mit dem Finger über den Start-Button nach rechts.

Nach deiner Fahrt machst du dann genau das Gleiche beim Check-out: Du wischt mit dem Finger über den Stopp-Button, um die Fahrt zu beenden. Dazu gibt es auch eine Erinnerungsfunktion in der App, die dann entweder Laut gibt oder vibriert, je nach Handy-Einstellung.

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Mit der Wischfunktion checkst du über die App ein und aus. (Foto: Fairtiq)

Dabei ist es egal, welches Verkehrsmittel du nutzt. Denn dort, wo du die App nutzen kannst, läuft Fairtiq immer abgestimmt mit dem jeweiligen Verkerhsverbund. Es ist also egal, mit welchem Fahrzeug du genau von A nach B kommst.

Der Clou dabei ist aber: Durch deine Standort-Daten kann die App genau erkennen, welche Strecke du gefahren bist und löst so automatisch immer das günstigste Ticket für dich.

Abgerechnet wird am Ende über das Verfahren, das du vorher registriert hast. Zur Auswahl stehen in Deutschland das Zahlen per Kreditkarte, Paypal oder SEPA.

Damit bist du also nicht nur immer mit gültiger Fahrkarte unterwegs, sondern auch immer mit dem besten Tarif – und das automatisch. Wer schon mal versucht hat, selbst den günstigsten Tarif in einer Stadt ausfindig zu machen, weiß, wie viel Zeit, Mühe und natürlich auch Geld man mit so einer App also sparen kann.

Fairtiq selbst verdient also nicht an deinen Tickets. Das Start-up wird von den Verkehrsunternehmen- und verbünden bezahlt, so ähnlich wie auch Fahrkartenautomaten-Betreiber entschädigt werden.

Bislang ist die App vor allem im städtischen Nahverkehr im Einsatz, aber auch die Nutzung im Fernverkehr ist möglich.

So nutzt du Fairtiq

Damit die App funktioniert, müssen allerdings einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein, erklärt Fairtiq-Pressesprecher Andrin Huber gegenüber Mobility Mag. Für die App müssen demnach folgende Funktionen aktiviert sein:

  • Standorterfassung (hohe Genauigkeit)
  • Zugriff auf die Bewegungssensoren (beim iPhone „Bewegung und Fitness“) muss aktiviert sein, damit die Check-out-Erinnerung bei vergessenen Check-outs generiert werden kann
  • In einigen Verkehrsverbünden (Rhein-Main Verkehrsverbund) ist auch Bluetooth erforderlich

Darüber hinaus muss auch die Datenverbindung (Internet) am Smartphone immer aktiviert sein. „Dabei ist es auch notwendig, dass du beim Check-in Datenempfang hast. Bist du während der Fahrt temporär in einem Funkloch, ist dies kein Problem“, erklärt Andrin Huber.

Auch wenn du beim Check-out keinen Datenempfang hast, kann die App über die genaue Standorterfassung immer noch deinen Streckenverlauf nachvollziehen, sagt Huber. „Der Standort wird in der App gespeichert und übermittelt, sobald wieder eine Verbindung besteht.“

Sollte die App auch auf deinen Standort nicht zugreifen können – weil du etwa in einer tiefen U-Bahn-Station bist – wartet die App mit dem Check-out, bis dein Standort wieder erkennbar ist.

Fairtiq kann übrigens auch Fußwege herausfiltern und so sicherstellen, dass diese nicht als Fahrstrecke verrechnet werden.

Was tun bei Akku-Ausfall?

Da Smartphone-Nutzer ihre Geräte natürlich für sehr viel mehr als die Fairtiq-App nutzen, stellt sich auch die Frage: Wie sehr geht die App aufs Akku? Und was passiert, wenn der Akku während einer Fahrt leer ist?

Fairtiq sagt, die App verbrauche im Schnitt etwa zwei bis fünf Prozent des Smartphone-Akkus pro Stunde. Grundsätzlich sei der Nutzer auch dafür verantwortlich, ein funktionierendes Handy dabei zu haben. Doch das System misst auch deinen Akkustand und kann so nachvollziehen, wenn dein Smartphone deswegen plötzlich ausfällt.

„Wenn ein Nutzer eine Buße bekommt, weil sein Akku leer ist, kann er sich beim Kundendienst melden. In der Regel kann er auf Kulanz hoffen, sofern er dies nicht ausnutzt und mehrmals macht“, erläutert Andrin Huber.

Spezielle Kurse für Senioren

Daran merkt man schon, dass das Fairtiq-Team sich über fast alle Eventualitäten Gedanken gemacht hat. Dazu gehört auch die Tatsache, dass viele Senioren in Bus und Bahn unterwegs sind und diese möglicherweise nicht so digital-affin sind wie jüngere Nutzer.

Dafür hat Fairtiq gemeinsam mit der Stiftung Pro Senectute spezielle Seniorenkurse gestartet, in denen die Nutzung der App erklärt und erprobt wird.

Bislang gibt es diese Kurse nur in der Schweiz. Doch sie kommen so gut an, dass Fairtiq nun überlegt, diese auch auf andere Fairtiq-Gebiete auszuweiten.

Fairtiq kommt nach Deutschland

In der Schweiz ist Fairtiq im gesamten Land im Einsatz, und das sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr. Darüber hinaus haben auch einige Regionen in Liechtenstein und Österreich die App bereits eingeführt.

In Deutschland gibt es die Fairtiq-App in Göttingen. In Köln testet man die App derzeit über das Pilotprojekt „FTQ Lab“*. Auch München möchte die App über ein solches Pilotprojekt ausprobieren. Im Rhein-Main-Verkehrsverbund in Frankfurt ist die Fairtiq-App wiederum in der Transport-App „RMV Smart“* integriert.

Künftig sollen noch weitere Regionen hinzukommen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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