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Fortomorrow: Rette das Klima – per Abo

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Klimaschutz einfach gemacht? Fortomorrow bietet dir ein Klima-Abo. (Foto: Pixabay / Frank Winkler)

Du möchtest den Klimaschutz in Europa vorantreiben? Deinen eigenen CO2-Fußabdruck ausgleichen? Und mehr für saubere Luft in Deutschland tun? Dann gibt es jetzt mit Fortomorrow das perfekte Abo-Modell für dich.

Es waren vor allem ihre Kinder, die Ruth von Heusinger dazu anspornten die Initiative Fortomorrow zu starten. „Es hat mir eine neue Perspektive gegeben zur Frage, wie ich die Welt hinterlassen möchte“, erzählt sie im Gespräch mit Mobility Mag. Aus dem Perspektivwechsel wurde schließlich eine gemeinnützige GmbH, Fortomorrow.

Darüber können Privatpersonen ein Klima-Abo abschließen und so auf denkbar unkomplizierte Weise ihren eigenen CO2-Ausstoß kompensieren und dabei den Klimaschutz in Europa vorantreiben.

So funktioniert das Klima-Abo von Fortomorrow

Um das zu tun, bietet Fortomorrow Interessierten zwei Ansätze. Mit dem Geld aus den Klima-Abos werden zum einen Bäume in Deutschland gepflanzt und zum anderen Emissionszertifikate innerhalb der EU aufgekauft.

Bäume pflanzen – aber anders

Noch eine Initiative, die Bäume pflanzt? „Ja, weil es im Moment schlicht das beste Konzept ist, um CO2 der Atmosphäre zu entziehen“, sagt Ruth von Heusinger.

Ruth vpn Heusinger, Fortomorrow

Ruth von Heusinger möchte dir dabei helfen, das Klima zu retten. (Foto: Ruth von Heusinger)

Denn wenn wir das Pariser Klimaziel von 40 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2030 erreichen wollen, reicht es ihrer Meinung nicht, nur den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Wir müssen gleichzeitig überschüssiges CO2, das zur globalen Erwärmung beiträgt, aus der Atmosphäre entnehmen.

Dazu kann man, wie Microsoft, in teure Zukunftstechnologien investieren oder – Bäume pflanzen.

Zumal wir in Deutschland mit der aktuellen Infrastruktur von Stromanbietern bis hin zum öffentlichen Transport auch gar keine Möglichkeit haben, komplett klimaneutral zu leben. Ausnahme: Du lebst völlig autark und nutzt gar keine öffentlichen Infrastrukturen.

Doch für die meisten von uns gilt: Es ist unglaublich schwer, unseren CO2-Abdruck im Alltag auf Null zu fahren, selbst wenn wir auf vegane Ernährung umstellen oder nicht mehr mit dem Flugzeug reisen.

Daher: Bäume pflanzen.

Deutscher Wald statt Regenwald

Nun wählt Fortomorrow aber einen bewusst anderen Ansatz als vergleichbare Kompensationsprojekte wie etwa Atmosfair. Denn beim Klima-Abo von Fortomorrow werden Bäume ausschließlich in Deutschland gepflanzt.

„Das ist teurer als in den Tropen und die Bäume wachsen aufgrund des Klimas natürlich langsamer. Gleichzeitig haben wir aber die Sicherheit, dass die Bäume durch das Bundeswaldgesetz geschützt sind,“ erklärt von Heusinger.

Sprich: Anders als etwa in Brasilien, wo ein Regimewechsel auch den Umgang mit dem Regenwald drastisch verändert hat, ist es in Deutschland nicht so einfach, einmal bestehende Wälder zu vernichten. Im schlimmsten Fall müssen diese kompensiert werden, wie wir es auch gerade beim Bau des Tesla-Werks in Brandenburg erleben.

Fortomorrow arbeitet für die Pflanzung mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Diese sucht wiederum in Kooperation mit verschiedenen Forstbetrieben die besten Brachflächen zum Aufforsten. „Wir pflanzen also dort Bäume, wo andernfalls keine entstehen würden“, erklärt Ruth von Heusinger.

Die Expertise der Forstbetriebe soll dabei helfen, die besten Flächen auszuwählen. Gepflanzt werden dabei Mischwälder, da diese nachweislich einen besseren Klimaeffekt haben.

Beziehungsweise: Noch steht die erste Baumpflanzung von Fortomorrow noch aus. Schließlich werden Bäume erst im Herbst gepflanzt. Entsprechend soll die erste Baumpflanzaktion Ende Oktober oder Anfang November 2020 erfolgen.

Unternehmen zur Nachhaltigkeit antreiben

Das zweite Mittel, in das Fortomorrow dein Geld aus dem Klima-Abo investiert, sind Emissionszertifikate.

Eigentlich können diese nur von Unternehmen gekauft werden. Daher schaltet sich Fortomorrow dazwischen und hat bereits die erste große Menge an Zertifikaten gekauft.

Diese haben einen recht interessanten Effekt.

Die EU hat nämlich schon 2005 den Handel mit Emissionszertifikaten eingeführt, um Unternehmen bestimmter Industrien dazu zu bewegen, weniger CO2 auszustoßen. Der Emissionshandel ist also im Prinzip ein erzwungener CO2-Ausgleich für Unternehmen.

Pro Jahr und Industriezweig wird eine Obergrenze an erlaubten CO2-Emissionen vorgegeben. Aktuell fallen die Energiebranche, verarbeitende Industrien und die Luftfahrtbranche unter die durch den Emissionshandel regulierten Sektoren.

Will nun ein Unternehmen aus einem dieser Sektoren CO2 ausstoßen, muss es im Gegenzug eine Emissionserlaubnis für jede Tonne CO2 haben. Diese erhalten Unternehmen in Form von Emissionszertifikaten. Ein Zertifikat entspricht einer Tonne CO2 und kostet aktuell 25 Euro pro Tonne. Die Zertifikate sind damit ein signifikanter Teil der Betriebsausgaben.


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Unternehmen haben darum ein gesteigertes finanzielles Interesse daran, weniger Geld für Zertifikate auszugeben. Das wiederum können sie dann tun, wenn sie ihre Emissionen reduzieren. Die Politik will also mit den Zertifikaten einen wirtschaftlichen Anreiz zu mehr Nachhaltigkeit in Betrieben geben.

Nur: So perfekt funktioniert dieses System nicht immer. Aufgrund der Wirtschaftskrise 2008 haben viele von der Regelung betroffenen Betriebe ihre Produktion und somit auch die Emissionen zurückgefahren, ähnlich wie aktuell während der Corona-Pandemie.

Damit gab es plötzlich überschüssige Zertifikate auf dem Markt, einen sinkenden Preis für diese und damit auch einen geringeren Anreiz, die Emissionen zu senken.

Genau hier will Fortomorrow ansetzen.

Per Abo dreifach dem Klima helfen

Die Initiative nutzt 50 Prozent der Spendengelder aus den Klima-Abos, um damit Emissionszertifikate aufzukaufen. Diese behält Fortomorrow dann aber ein. Sprich: Sie fallen aus dem allgemeinen Zertifikatshandel heraus.

Die Folge: Unternehmen haben weniger Zertifikate, die Preise dafür wiederum steigen und somit auch der Anreiz klimafreundlicher zu handeln.

So kannst du also mit deinem Klima-Abo gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Du entnimmst CO2 aus der Atmosphäre, regst Unternehmen zu klimafreundlicherem Handeln an und kompensierst dabei deinen eigenen Fußabdruck.

So geht Klimaschutz im Abo

Dafür bietet Fortomorrow drei verschiedene Abo-Modelle. Das Standard-Abo für 20 Euro im Monat ist auf den Fußabdruck eines Durchschnittsdeutschen ausgelegt. Damit kannst du also deinen persönlichen CO2-Abdruck kompensieren.

Dann gibt es ein Familien-Abo für die ganze Familie oder auch ein individuelles Abo, bei dem du selbst einen Betrag zur Spende festsetzen kannst.

Fortomorrow selbst behält bislang – in Absprache mit den Abonnenten – lediglich zehn Prozent der Spenden für den eigenen Kostenaufwand ein.

Langfristig denkt das Unternehmen aber darüber nach, andere Einnahmequellen zu finden, – etwa Emissionsberatung für Unternehmen – um so 100 Prozent der Spenden in die Klimaprojekte zu investieren.

Das Modell kommt gut an. Aktuell hat Fortomorrow, das erst im März 2020 gestartet ist, knapp 100 Abonnenten. In fünf Monaten haben diese 260 Tonnen CO2 kompensiert, Geld für 519 Bäume gesammelt und 130 Emissionszertifikate erworben. Das wäre genug, um ein kleines Kohlekraftwerk drei Stunden lang stillzulegen.

Abonnenten handeln nachhaltiger

Das Schöne an Fortomorrow scheint aber zu sein, dass sich die Abonnenten nicht auf ihren Spenden ausruhen. „Das war uns sehr wichtig, dass wir wirklich etwas bewegen, Menschen anfangen ihr Leben umzustellen und wir so das Klima langfristig schützen“, betont Ruth von Heusinger.

Sprich: Die Idee ist nicht, dass die Abonnenten ihr Gewissen beruhigen und dann wie gehabt weiterleben. Vielmehr gibt es einen regen Austausch unter ihnen dazu, wie sie selbst in ihrem Alltag ihr Verhalten auf mehr Nachhaltigkeit umstellen.

„Ein Abonnent hat beispielsweise berichtet, wie er mit dem Zug statt mit dem Auto nach Spanien gefahren ist. Ein anderer hat nun auf vegane Ernährung umgestellt. Diese Geschichten sind auch ein Ansporn für alle, um eigenes nachhaltiges Verhalten zu inspirieren“, sagt von Heusinger.

Klar ist für sie daher: Ein Klima-Abo ist einer von vielen Schritten, um die globale Erwärmung aufzuhalten.

Wieso müssen Bürger die ganze Verantwortung fürs Klima tragen?

Findet sie es aber nicht seltsam, dass Privatbürger ihr eigenes Geld spenden müssen, um Klimaziele zu erreichen, die eigentlich die Politik garantieren muss?

Um Wälder zu pflanzen, die der Staat ohnehin pflanzen sollte?

Und noch dazu Unternehmen zum richtigen Handeln anzuregen, obwohl diese gesetzlich dazu verpflichtet sind?

Es klingt schließlich etwas paradox, wenn einzelne Bürger gleich doppelt fürs Klima zahlen müssen. Einmal für den Schaden, den die Unternehmen ihnen und der Umwelt durch die Emissionen zufügen und dann nochmals durch private Zahlungen, um Wälder zu pflanzen oder den Emissionshandel zu beschleunigen.

Für Ruth von Heusinger kann man diese Fragen auf zwei Arten beantworten.

Erstens: „Menschen, die sich für diese Wege entscheiden, wollen bereits heute so leben, wie in Zukunft hoffentlich alle Menschen leben werden: klimaneutral. Auch wenn diese Wege im Moment noch mehr kosten und sie selber dafür eigenes Geld investieren.“

Zweitens: „Für viele Menschen, die Klimaneutralität möglichst schnell fordern, ist es selbstverständlich, dass sie dann auch bereits jetzt die Kosten für die Klimaneutralität tragen. Als Privatperson muss man ja nichts für seinen CO2-Ausstoß zahlen, egal ob man sehr viel Fleisch ist oder einen SUV fährt.“

Man könnte es auch so sagen: Viele Menschen wollen mehr fürs Klima tun. Über Fortomorrow haben sie damit nun ein weiteres Instrument, um mit ihren eigenen Mitteln den Klimaschutz vorantreiben.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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