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Faktencheck: Sind Frauen wirklich bessere Autofahrer als Männer?

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Sind Frauen wirklich die besseren Autofahrer? (Foto: Pexels / bruce mars)

Frauen gelten im Vergleich zu Männern als die entspannteren, rücksichtsvolleren und damit besseren Autofahrer. Doch stimmt das überhaupt? 

„Wusstet ihr schon, an 90 Prozent aller Verkehrsunfälle sind Männer schuld. Und wisst Ihr auch warum: Weil sie der Frau den Schlüssel zum Auto gegeben haben.“

Ja, es gibt immer noch schlechte Witze über Frauen hinterm Steuer. Auch wenn es eigentlich sehr viele Studien gibt, die das Gegenteil zeigen. Nämlich, dass Frauen eigentlich die sichereren – und in diesem Sinne die bessereren – Autofahrer sind.


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Natürlich gibt es sehr ruhige männliche Autofahrer und weibliche Furien auf der Straße. Doch ein Blick auf Unfallstatistiken zeigt eigentlich immer wieder, dass vor allem Männer zwischen 18 und 35 Jahren besonders riskant fahren und damit mehr und schwerere Unfälle verursachen als Frauen.

Nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes starben 2017 dreimal so viele junge Männer bei Autounfällen wie Frauen und in mehr als der Hälfte der Fälle (57,2 Prozent) waren Männer und nicht Frauen die Hauptverursacher von Unfällen. Genau darum zahlen junge Autofahrerinnen beispielsweise auch weniger bei ihrer KfZ-Versicherung als männliche Fahranfänger.

Doch warum sind Frauen eigentlich sicherere Autofahrer als Männer? Und wie aussagekräftig sind all diese Statistiken? Wir werfen einen Blick auf die gängigsten Erklärungsmodelle.

Autofahren ist wie jagen

Fast jedes Mal, wenn man erklären will, warum Frauen und Männer sich unterschiedlich verhalten, kommt jemand mit einer Steinzeit-Theorie um die Ecke, und das ist bei dem Thema „Autofahren“ nicht anders.

Evolutionäre Psychologen gehen dabei davon aus, dass das Fahrverhalten von Männern und Frauen auf unsere Steinzeit-Instinkte zurückgeht.

Demnach überlebten vor allem die Männer, die besonders schnell waren und Risiken eingingen, um Beute zu erlegen. Demgegenüber war es für Frauen sicherer, weniger Risiken einzugehen, um so das Überleben der Kinder zu sichern.

Das mag überzeugend klingen – oder auch überhaupt nicht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unsere Gehirne und Instinkte seitdem Tausende von Jahre Zeit hatten sich weiterzuentwickeln und es in der Steinzeit auch gar keine Autos gab…

Mein Auto, mein Revier

Eine etwas verfeinertere Version dieser Theorie versucht daher das unterschiedliche Fahrverhalten eher über Revier-Instinkte zu erklären. Peter Marsh and Peter Collett etwa sind die Autoren des Buches „Driving Passion: The Psychology of the Car“ (übersetzt in etwa: „Fahrende Leidenschaft: Die Psychologie des Autos“).

Darin beschreiben sie das Auto als „Territorium“. Insbesondere für junge Männer sei das eigene Auto oftmals das erste nach außen sichtbare Symbol von Freiheit und Unabhängigkeit und verkörpere damit so etwas wie das eigene Revier.

Kommt dem jemand zu nahe, wird es instinktiv aggressiv verteidigt, was zum riskanteren Fahrverhalten von Männern führt.

Hormone fahren Achterbahn

Abseits von Instinkten glauben andere Wissenschaftler wiederum, dass das Hormon Testosteron für das riskantere Fahrverhalten von Männern verantwortlich ist.

Mehr Testosteron im Körper sorgt für eine höhere Bereitschaft, Risiken einzugehen oder Konflikte zu provozieren. Da Männer im Regelfall einen höheren Testosteronspiegel haben als Frauen, könnte das nach dieser Theorie das aggressivere Fahrverhalten der Männer erklären.

Neuere Studien hingegen zeigen, dass auch Frauen durchaus riskantes Verhalten eingehen, wenn auch seltener als Männer. Doch was genau eine Frau oder ein Mann als Risikoverhalten auslebt, ist wiederum gesellschaftlich geprägt.

Wenn eine Frau ein Risiko eingehen will, lässt sie sich demzufolge eher hypnotisieren oder schwänzt die Schule. Männer dagegen leben ihren Adrenalindrang eher beim Autofahren aus.

Männer sind sorgloser als Frauen

Eine andere Studie unter knapp 3.000 jungen europäischen Autofahrern wiederum fand heraus, dass die Risikowahrnehmung zwischen Männern und Frauen beim Autofahren zwar sehr ähnlich ist.

Doch beim Fahren tendierten die männlichen Autofahrer dazu, die Konsequenzen von aggressivem Fahrverhalten zu unterschätzen, während Frauen die Risikofolgen als gravierender ansahen und deshalb grundsätzlich eher vorsichtiger fuhren.

Das könnte demnach erklären, warum Frauen seltener Unfälle verursachen als Männer.

Frauen und die Handy-Plage

Doch riskantes Verhalten hinterm Steuer muss nicht immer nur aggressives Fahrverhalten sein. Es gibt eine Vielzahl von anderen Faktoren, die für ein ähnlich hohes Unfallrisiko sorgen. Zum Beispiel: abgelenkt sein.

Hier ist es aktuellen Untersuchungen zufolge sogar eher so, dass Frauen sich insbesondere durchs Handy häufiger ablenken lassen als Männer. Wenn man bedenkt, dass allein Telefonieren (über eine Freisprechanlage) beim Autofahren so ist als würde man alkoholisiert fahren, gibt es also auch bei Frauen durchaus riskantes Verhalten am Steuer.

Glaube nur der Statistik, die du selbst fälschst

Und es gibt noch etwas, was dafür spricht, dass Männer vielleicht doch bessere Autofahrer sind als die Unfallstatistiken vermuten lassen. Denn bei den meisten dieser Theorien geht man davon aus, dass Frauen deshalb die sichereren Autofahrer sind, weil sie seltener in Unfälle verwickelt sind. Doch die Zahl der Unfälle allein, mag zwar ein Hinweis sein, erklärt aber nicht zwangsweise wie jemand fährt.

So gibt es auch viel pragmatischere Erklärungen für die Unterschiede in den Unfallstatistiken.

Männer fahren in der Regel einfach häufiger Auto als Frauen. Wenn aber rein zahlenmäßig mehr Männer als Frauen auf der Straße unterwegs sind, ist es natürlich auch logisch, dass Männer in Unfallstatistiken überrepräsentiert sind.

Es mag zwar, insbesondere bei jungen Männern, eine allgemeine Tendenz dazu geben, aggressiver zu fahren als Frauen, doch vielleicht ist es unterm Strich auch gar nicht so wichtig, ob nun Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind.

Vielmehr sollten wir alle eher daran arbeiten rücksichtsvoller und umsichtiger zu fahren. Denn das ist am Ende für alle sicherer.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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