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Warum verschenkt die EU Interrail-Tickets?

Zug Europa Landschaft
EU macht Weg frei für Projekt "Freeinterrail" Bild: Pixabay / winterseitler
geschrieben von Marinela Potor

Ihr habt richtig gelesen: Es gibt Interrail-Tickets für lau. Die EU hat nämlich beschlossen, in diesem Jahr mindestens 20.000 Interrail-Tickets an junge Europäer zu verschenken. Wir erklären, warum.

Es ist offiziell: Die Europäische Kommission hat den Weg für kostenlose Interrail-Tickets für junge Europäer frei gemacht. Die Kommission stimmte dem Vorschlag des EU-Parlaments zu, indem sie ein Budget von 12 Millionen Euro für das Vorhaben bereitstellte.

Das bedeutet: Alle EU-Bürger, die in diesem Jahr 18 Jahre alt werden, können sich um die Gratis-Tickets bewerben.

Ticket-Tombola startet wahrscheinlich im Mai

Insgesamt 20.000 bis 30.000 kostenlose Tickets wird es für 2018 geben, so der aktuelle Stand. Es könnte aber auch sein, dass das Kontingent noch aufgestockt wird. Mit einem solchen Interrail-Ticket können die Jugendlichen mehrere Wochen lang bis zu 30 europäische Länder bereisen.

Da die Nachfrage höchstwahrscheinlich größer sein wird als das Angebot, wird die EU die Tickets wohl verlosen. Wie das alles genau ablaufen wird, steht allerdings noch nicht fest. Es wird ab Mai eine eigene Webseite dafür geben, mehr ist bisher nicht bekannt.

Und warum das Ganze? Ganz einfach. Mit der Initiative möchte die EU junge Menschen dazu ermuntern, Europa zu entdecken und ihre europäische Identität zu stärken.

Die Idee von Europa retten

Die Idee geht auf die beiden Aktivisten Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer zurück, die das Konzept „Freeinterrail“ 2014 entwickelten und seitdem auf mehreren Konferenzen, in den Medien und vor EU-Politikern vorgestellt haben.

Mit der Aktion, die auf Social-Media-Kanälen unter dem Hashtag #FreeInterrail verbreitet wird, wollen die Aktivisten „die Idee von Europa retten“. Die Idee von Europa ist ihrer Meinung nach die Einsicht, dass es Europa und den Europäern besser geht, wenn wir alle in Einheit und Frieden miteinander leben. Dieses friedliche Miteinander sei aber in Gefahr – durch Ausländerfeindlichkeit, Nationalismus und einem Vertrauensverlust in europäische Institutionen.

Um daher vor allem der jungen Generation von Europäern zu zeigen, was die EU wirklich bedeutet, kamen Herr & Speer auf die Idee der kostenlosen Interrail-Tickets. Sie finden, dass man die europäische Idee nur dann wirklich verstehen kann, wenn man sie selbst erlebt.

Anstatt die Vorteile der EU aus einem theoretischen Schulbuch zu lernen, sollte man sie lieber hautnah am eigenen Leib erfahren. Die Hoffnung der Initiative ist es, dass junge Menschen durch das Reisen merken, wie privilegiert wir als Europäer in einem beinah grenzenlosen Bündnis eigentlich sind und dass die Idee der EU zu einem spürbaren, realen Abenteuer wird.

Oder, wie Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Erziehung, Kultur, Jungend und Sport es ausdrückt: „Es ist wichtig, dass wir allen jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihren Horizont zu erweitern, indem sie andere Länder erleben. Erziehung ist nicht nur das, was wir im Klassenraum lernen, sondern das, was wir über die Kulturen und Traditionen unserer Mit-Europäer entdecken.“

Zurück zu den Ursprüngen

Das kostenlose Interrail-Ticket kehrt damit in gewissem Sinne zurück zu seinen Ursprüngen. Das Programm wurde 1972 unter dem Namen „Interrail72“ ins Leben gerufen. Damals konnten junge Menschen bis 21 Jahren sehr günstig durch 21 europäische Länder reisen. Für viele Jahrzehnte prägten Horden von jungen Europäern an den Bahnhöfen das Bild der europäischen Zugfahrt.

Für Jugendliche war es die Art, durch Europa zu reisen. Interrail stand für Freiheit und Abenteuer. Mit der Einführung von Billigfluglinien sowie günstigen Fernbussen, Mitfahrgelegenheiten und nicht zuletzt durch die Undurchsichtigkeit der Tarife und Zonen, hat die Beliebtheit der Interrail-Reisen bei jungen Menschen jedoch in den letzten Jahren nachgelassen. Die EU-Initiative könnte der klassischen Europareise per Zug wieder neuen Schwung verleihen.

In diesem Sinne haben Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer die Entscheidung der EU-Kommission begrüßt und hoffen nun, dass die Jugendlichen die Tickets so schnell und unbürokratisch wie möglich bekommen.

Sie sind nicht die einzigen, die sich freuen. Viele Europäer fiebern den Tickets schon ungeduldig entgegen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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