Kurz notiert

Offener Brief von „Kennern“: GDL gegen Bahn-Alleinherrscher

Konzernzentrale der Deutschen Bahn (Bild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben)
Konzernzentrale der Deutschen Bahn (Bild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben)
geschrieben von Ekki Kern

Nach dem für viele offensichtlich überraschenden Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, in der vergangenen Woche fragt die Gewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL) jetzt in einem „Offenen Brief„: „Brauchen wir überhaupt einen neuen „Bahnchef“?“

Unterzeichnet haben das Schreiben „sieben Kenner der Deutschen Bahn“, wie es heißt, nämlich Reinhold Dellmann, Verkehrsminister a.D. des Landes Brandenburg, Ludolf Kerkeling vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, Hans Leister von der „Zukunftswerkstatt Schienenverkehr“, Wolfgang Meyer, Geschäftsführer der Linearis GmbH, Prof. Dr. Kay Mitusch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Detlef Neuß, der Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands „Pro Bahn“, Christian Schreyer, der Geschäftsführer der Transdev GmbH, und Claus Weselsky, der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

In der Deutschen Bahn AG seien, so heißt es im „Offenen Brief“, „zwei grundverschiedene Unternehmen vereinigt“:

Einerseits die Infrastrukturunternehmen für die Gleise und die übrige Infrastruktur, welche ihre Leistungen gegenüber den Verkehrsunternehmen erbringen und ein natürliches Monopol der Infrastruktur im Staatsauftrag betreiben, und andererseits die Verkehrsunternehmen, die ihre Leistungen den Kunden und Bestellern im Wettbewerb mit konkurrierenden Eisenbahnverkehrsunternehmen anbieten.

Bislang bildeten die beiden Vorstände für Infrastruktur und Verkehrsbereiche zusammen mit den Vorständen für Personal und Finanzen den Konzernvorstand, dem ein „Bahnchef“ als Vorstandsvorsitzender vorstand. Das war Rüdiger Grube.

Die Unterzeichner des „Offenen Briefs“ wünschen sich nun allerdings eine Organisation, die „sich an den heterogenen Aufgaben der DB AG orientiert“: „Die derzeitige Situation, dass der Finanzvorstand den Vorsitz im Konzernvorstand innehat, kann durchaus ein sinnvoller Übergangszustand sein, bis eine Konzernstruktur gefunden ist, die auf Dauer tragfähig und sinnvoll ist“, heißt es:

Sowohl der Infrastrukturbereich als auch die Verkehrsunternehmen der DB liegen in den Händen von verantwortlichen Vorstandsmitgliedern; diese Funktionen sollten gestärkt und besser auf die jeweiligen Bedürfnisse ihrer jeweiligen Kundengruppen ausgerichtet werden. Beide Bereiche sollen ihre in der Grundkonzeption bereits sehr unterschiedlichen Aufgaben erfüllen und ihren jeweiligen Kunden verpflichtet sein.

Der Infrastruktur seien dabei alle Bereiche zuzuordnen, die Leistungen für alle Verkehrsunternehmen und nicht nur für DB-Verkehrsunternehmen erbringen. Dazu gehört auch das Projekt „Zukunft Bahn“, mit dem die Weiterentwicklung und Verbesserung des Systems der Eisenbahn in Deutschland erreicht werden soll. Eine solche Struktur, heißt es im „Offenen Brief“, würde es auch dem Eigentümer, also dem Bund, erleichtern, seine verkehrspolitischen Ziele durchzusetzen und die DB besser zu kontrollieren.

Ein neuer Bahnchef in der alten Struktur würde es hingegen „erneut schwer haben“, im deutschen und europäischen Regulierungsrahmen des Eisenbahnverkehrs allen grundverschiedenen Anforderungen nachzukommen und die überzogenen Erwartungen zu erfüllen.

Also, so folgern die Unterzeichner des „Offenen Briefs“, sollte diese Position zunächst nicht nachbesetzt werden, vielmehr sollten zwei Bahn-Manager mit klarem Auftrag, einmal für die Infrastruktur und zum anderen für die Verkehrsleistungen, gestärkt und unbelastet von vermeintlichen Gesamtkonzerninteressen an die Arbeit gehen.


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Über den Autor

Ekki Kern

Ekki Kern ist Chefredakteur von Mobility Mag. Ausbildung zum Medienredakteur an der Berliner Axel Springer Akademie und bei der "Welt". Gerne unterwegs in Bahn, Bus und Auto, mag sein Rennrad und interessiert sich beruflich wie privat auch für Film, Fernsehen und Radio.

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