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Warum ihr für gefälschte Bewertungen auf Tripadvisor ins Gefängnis kommen könntet

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Foto: Pixabay / mohamed_hassan
geschrieben von Marinela Potor

Gefälschte Bewertungen auf Tripadvisor? Dafür könnte es künftig mehr als Geldstrafen geben. Ein italienisches Gericht verhängte jetzt genau dafür eine Gefängnisstrafe. Könnte dieses Urteil das Ende der Fake-Reviews auf der Plattform einleuten?

Es ist zumindest eine Abschreckung. Denn der Beschuldigte, der Besitzer einer „Agentur“ namens PromoSalento, muss aufgrund seiner gefälschten Bewertungen auf Tripadvisor nicht nur eine Geldstrafe von 8.000 Euro zahlen. Ein italienisches Gericht verängte außerdem neun Monate Gefängnisstrafe. Damit wird eine Fake-Review auf Tripadvisor zum ersten Mal mit Gefängnisaufenthalt bestraft.

Ein Meilenstein für das Internet

Dies sei ein Meilenstein-Urteil für das Internet, sagte Brad Young, Vizepräsident von Tripadvisor:

Gefälschte Bewertungen zu schreiben war schon immer Betrug, aber das ist das erste Mal, dass wir gesehen haben, dass jemand als Ergebnis davon ins Gefängnis geschickt wurde.

Abgestraft wurde damit der Besitzer eines Accounts mit dem Namen „PromoSalento“. Als Tripadvisor-Agentur verkaufte PromoSalento gefälschte Bewertungs-Pakete an Unternehmen.

Die Praxis ist nicht neu. Es gibt eine ganze Horde von solchen „Agenturen“, die gegen Geld gefälschte Bewertungen auf Tripadvisor hinterlassen.

Das Versprechen: Tourismusunternehmen wie Hotels oder Restaurants, die diese Agenturen anheuern, können so ihre Konkurrenten auf Tripadvisor schlecht aussehen lassen. Denn die Agenturen hinterlassen gefakte Reviews und können damit in Extremfällen Unternehmen in den Ruin treiben.

Aufgrund der Größe und der Bedeutung der Plattform ist das Geschäft mit den Fake-Reviews sehr profitabel.

Das Geschäft mit den Fake-Reviews auf Tripadvisor

Seit seiner Gründung vor 18 Jahren ist die Plattform stark gewachsen. Tripadvisor verzeichnet weltweit mehr als sieben Millionen Listings und über 660 Millionen Nutzerbewertungen. Das Portal, das vor allem durch seine unabhängigen Nutzerbewertungen heraussticht, ist für viele Reisende die erste Informationsquelle. Sollen wir hier essen? Wie bewerten andere Reisende dieses Hotel?

In einer Zeit, in der Nutzerbewertungen im Internet über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden können, sind Bewertunen auf einer so großen Plattform wie Tripadvisor für Unternehmen aus der Reisebranche extrem wichtig.

So wichtig, dass einige bereit sind, Agenturen wie PromoSalento für falsche Bewertungen zu bezahlen. Sie hoffen, damit ihre Konkurrenten ausstechen zu können und dadurch im direkten Vergleich besser dazustehen.

Tripadvisor verwarnte, sperrte aber keine User

PromoSalento ist dabei weder die erste noch die einzige Agentur, die sich auf gefälschte Bewertungen auf Tripadvisor spezialisiert hat. Auch Tripadvisor kennt das Problem seit vielen Jahren und arbeitet mit einem eigenen „Forensik-Team“ sowie mit Algorithmen und KI daran, diese Fake-Bewertungen zu stoppen.

Das Unternehmen hat sogar auf seiner Webseite eine eigene Unterseite herausgebracht, die erklärt, wie Tripadvisor im Einzelnen gegen die gefälschten Bewertungen vorgeht. Nach eigenen Angaben konnte das Team so bereits 60 Fake-Reviewer entlarven.

Das Unternehmen hofft nun auf mehr Unterstützung von Behörden. Kein Wunder, denn der Ruf und der Erfolg der Plattform steht und fällt mit der Authentizität der Bewertungen.

PromoSalento ist Tripadvisor seit 2015 aufgefallen und das Unternehmen gibt an, über 1.000 Berwertungs-Versuche der Agentur geblockt zu haben. Darüber hinaus wurden Unternehmen, bei denen Tripadvisor eine Zusammenarbeit mit PromoSalento nachweisen konnte, erst in ihrer Bewertung heruntergestuft und später „geflaggt“.

Das heißt: Sie bekamen eine zusätzliche Verwarnung in Form einer roten Fahne und Nutzer erhielten den Hinweis, dass diese Unternehmen für falsche Bewertungen auf Tripadvisor gezahlt hatten. Tripadvisor sperrte oder löschte die Accounts der entsprechenden Unternehmen allerdings nie.

Kann das Tripadvisor-Urteil andere abschrecken?

Doch nicht nur Tripadvisor, auch Gerichte hatten in der Vergangenheit schon Strafen gegen Unternehmen mit vergleichbaren Vorgehensweisen verhängt. Dabei handelte es sich allerdings immer lediglich um Geldstrafen.

Tripadvisor hofft daher, dass die nun ausgesprochene Gefängnisstrafe abschreckend wird und es künftig weniger gefälschte Bewertungen auf der Plattform geben wird.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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