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Ghost: Wenn dein Autositz mit dir kommuniziert – unheimlich oder genial?

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Stell dir vor, dein Autositz könnte mit dir kommunizieren. (Foto: Pixabay / MikesPhotos)
geschrieben von Marinela Potor

Fährst du zu rücksichtslos, zu langsam oder zu unachtsam? Stell dir vor, dein Autositz könnte dir direktes Feedback zu deinem Fahrstil geben. Das gibt es! Das Berliner Start-up Ghost hat einen intelligenten Autositz entwickelt, der gleichzeitig unheimlich und total genial ist. 

Die Hände am Steuer, vor dir eine freie Landstraße. Du lehnst dich in die Kurve, beschleunigst im Rennfahrer-Modus – und spürst plötzlich ein Ziepen im Rücken. Was ist da los? Dein Autositz sagt dir gerade, dass du den Fuß vom Gas nehmen sollst. Wie bitte?

Es klingt wie ein Szenario aus einem Science-Fiction-Film. Doch diesen Autositz gibt es wirklich. Entwickelt haben ihn Laura Bücheler und Isabella Hillmer, die zwei Berliner Gründerinnen der Ghost – feel it GmbH.


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Fühlen ist besser als hören

Dazu hat das Team von Ghost Aktoren in die Rücklehne des Autositzes gebaut. Diese wiederum können dem Fahrer über Sensoren Feedback zu seiner Fahrweise geben, und zwar in Form von spürbaren Impulsen. Gibst du also zu viel Gas, spürst du es im Rücken. Dadurch entsteht auch ein Lerneffekt.

Denn das Gehirn speichert diese Impulse und lernt dabei, sie mit verschiedenen Situationen zu verbinden. So kann sich über die Zeit auch dein Fahrverhalten verbessern. Gleichzeitig reagieren Autofahrer schneller auf taktische Signale als auf auditive Signale. Sprich: Fühlen ist besser als hören.

In brenzligen Situationen reagierst du also schneller auf ein Gefühl als auf einen Warnton. Damit kann der intelligente Autositz nicht nur den Fahrspaß erhöhen, sondern auch für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen.

Wenn Maschinen mit Menschen reden

Hinter diesem kommunizierfreundigen Autositz steckt entsprechend smarte Technologie. Ghost hat sich nämlich auf taktile Mensch-Maschine-Interaktion spezialisiert.

So hat das Start-up beispielsweise einen Handschuh entwickelt, mit dem Menschen, die eigentlich kein Gefühl mehr in der Hand haben, wieder etwas spüren können. Ein weiteres Projekt von Ghost ist ein Gürtel für Ruderer der TU Berlin. Dieser weist die Sportler über Impulse an, wann der richtige Moment zum Atmen ist.

Auf seiner Website beschreibt das Unternehmen, die weiteren (nahezu unendlichen) Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

Mit Ghost Dinge spüren, die wir nicht wahrnehmen können

Erstens kann das intelligente Fühlen einen fehlenden Sinn ersetzen. Blinde Menschen könnten dadurch Richtungsanweisungen eines Navigationssystems nicht nur hören, sondern auch fühlen und sich besser orientieren.

Zweitens hilft die Technologie von Ghost dabei, existierende Sinneswahrnehmungen zu unterstützen. Damit könnten wir Dinge, die wir sehen, hören oder riechen durch das Fühlen noch mehr intensivieren, wie etwa beim intelligenten Autositz oder beim Ruder-Gürtel.

Denkbar wären aber auch andere Szenarien. Stell dir vor, du schaust dir einen Horrorfilm im Kino an und das Grusel-Gefühl wird durch einen spürbaren Impuls in deinem Sitz verstärkt. Oder du bist auf einem Konzert und ein taktiles Armband lässt dich die Musik intensiver fühlen.

Doch das ist erst der Anfang. Ghost könnte theoretisch auch Dinge spürbar machen, die wir gar nicht wahrnehmen können. Den für Menschen nicht hörbaren Ultraschall zum Beispiel. Die Frequenzen könnte man in spürbare Impulse umrechnen, sodass du plötzlich Ultraschall spüren kannst.

Und weil das genauso genial ist, wie es klingt, hat Ghost für seine Technologie schon Preise abgeräumt.

Laura Bücheler und Isabella Hillmer bekamen den ersten Preis bei der Porsche Next Open Innovation Challenge 2019.

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Laura Bücheler (l.) und Isabella Hillmer (r.) gewinnen den ersten Preis bei der Porsche Next Open Innovation Challenge 2019. (Foto: Porsche AG)

Beim diesjährigen Accelerator-Programm Start-up-Autobahn arbeitet Ghost wiederum mit der Forschungsabteilung von Mercedes-Benz an der Umsetzung ihres intelligenten Autositzes.

Der Autositz, der mit dir kommuniziert, könnte also schon bald in deinem Fahrzeug sein.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

1 Kommentar

  • Ich wöllte keinen Sitz der mich während der Fahrt stört. Ein weiteres Produkt welches innovativ sein soll aber kein Mensch braucht es. Das Unternehmen sollte ihre Entwicklung auf sinnvolle Produkte wie den Handschu konzenttieren, dieser kann Menschen wirklich helfen. Danke für den Artikel.

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