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Green Airlines: „Wir sind umweltfreundlicher als die Bahn!“

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Green Airlines will den Fluglinien-Markt in Deutschland mit diesem Flugzeug neu aufmischen. (Foto: Green Airlines)

Fliegen ist schlecht fürs Klima, Bahnfahren gut. Das scheint der allgemeine Konsens zu sein. Doch stimmt das wirklich? Green Airlines ist eine brandneue deutsche Fluglinie aus Karlsruhe, die sagt: „Wir sind umweltfreundlicher als die Bahn.“ Wir haben uns das Start-up genauer angeschaut.  

Daniel Sander ist ein Viel-Flieger, sei es privat oder beruflich. Selbst in Corona-Zeiten ist er beruflich relativ häufig mit dem Flieger unterwegs. Doch schon seit längerer Zeit ist er mit dem Angebot in Deutschland unzufrieden. Seit Jahren beobachte er den „Verfall“ der Lufthansa, erzählt er im Telefongespräch mit Mobility Mag.

Verfall? Er meint damit das Preis- Leistungsverhältnis. Früher habe man etwa in der Economy-Class genauso bequem gesessen wie heute in der Premium-Class. Nun sitze man sehr eingeengt und bekomme zudem eine Art Fließbandservice. Trotzdem verlangen deutsche Fluggesellschaften wie Lufthansa oder Eurowings sehr hohe Ticketpreise. Wofür eigentlich?


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„Irgendwann hat es dann Klick gemacht und ich habe mir gesagt: Warum es nicht selber besser machen?“ Das war vor etwa eineinhalb Jahren – und der Grundstein für Green Airlines.

Vorerst nur innerdeutsche Flüge

Green Airlines steht noch in den Startlöchern. In diesem Herbst soll es aber losgehen. Das geplante Startdatum ist wahrscheinlich der 31. Oktober.

Die Fluglinie mit Sitz in Karlsruhe möchte sich auf Geschäftsreisen spezialisieren und zunächst mit innerdeutschen Strecken beginnen. Los geht es dabei mit der Verbindung Karlsruhe – Berlin. Dann soll Karlsruhe – Hamburg folgen.

Diese Strecken sind bewusst gewählt. Denn für Geschäftsleute aus dieser Region ist es tatsächlich sehr kompliziert, direkt in die großen Metropolen zu fliegen. Green Airlines bedient damit einen kleinen, aber interessanten Markt.


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Geplant ist, dreimal am Tag zu fliegen, und zwar im Geschäftsmeeting-Takt: morgens, mittags und abends. Da Green Airlines ein relativ kleines Passagierflugzeug im Aufgebot hat, glaubt das Unternehmen auch, dies voll auslasten zu können.

„Mit ihren großen Maschinen ist eine Auslastung von 100 Passagieren auf diesen Strecken für Lufthansa  oder Eurowings keine gute Bilanz. Für uns aber schon“, sagt Sander.

Und damit sind wir schon bei der Frage der Nachhaltigkeit von Green Airlines.

Kleines Flugzeug, weniger Emissionen, weniger Lärm

Denn Green Airlines möchte Passagieren nicht nur mehr Komfort bieten, sondern auch nachhaltigeren Transport. Und das Kernstück davon sind genau diese kleinen Flugzeuge.

Nach langer Suche hat sich das Unternehmen nämlich für die ATR 72-500 entschieden. Diese verbraucht durch ihre Antriebs- und Auftriebstechnologie sowie durch die aerodynamische Bauweise deutlich weniger Treibstoff.

Gleichzeitig ist die ATR 72-500 ein leises Flugzeug. So vermeidet Green Airlines nicht nur Luft-, sondern auch Lärmverschmutzung.

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Weniger Sitzplätze, aber dafür mehr Raum bietet die ATR 72-500. (Foto: Green Airlines)

Im Vergleich zu den großen Jets von Eurowings und Lufthansa bietet die Maschine lediglich Platz für 64 Passagiere. Für Daniel Sander ist das aber auch Teil seines Umweltkonzepts. Denn: Ein voll ausgelastetes Flugzeug ist besser fürs Klima als ein halb leeres.

Und: Ein voll besetzter Flieger ist ebenfalls besser fürs Klima als ein ICE mit 43 Prozent durchschnittlicher Auslastung.

Genau deswegen sagt Sander auch: „Wir sind umweltfreundlicher als die Bahn.“

Tatsächlich sind CO2-Bilanzen oftmals schwierig im direkten Vergleich.

Zum Beispiel: Ein relativ emissionsarmes Flugzeug, das 64 Menschen in direkter Luftlinie von A nach B fliegt, kann pro 100 gefahrene Kilometer eine bessere CO2-Bilanz pro Kopf haben als ein ICE mit typischer Auslastung, indirekter Trasse und grauem Strom.

Nimmt man dagegen für den Vergleich einen vollen ICE, der mit reinem Ökostrom fährt, und vergleicht dies mit einem Jumbo-Jet, sieht es wiederum besser für die Bahn aus. Es macht auch einen Unterschied, ob man die Bilanz ohne An- und Abfahrt zum Bahnhof und Flughafen berechnet oder mit – und dann mit welchen Verkehrsmitteln.

Würde man dann wiederum einen voll besetzten Diesel-Fernbus in den Vergleich einbinden, sähe die Pro-Kopf-Bilanz vermutlich sogar am besten für den Fernbus aus, wenn wir von einer direkten Autobahnstrecke ausgehen.

Und Daniel Sander weist noch auf etwas anderes hin. Green Airlines will Regionen verbinden. Diesen Slogen wiederholt er immer wieder. Für ihn ist das aber auch eine Art nachhaltiger zu fliegen. „Lufthansa oder Eurowings arbeiten mit Hubs.“

Heißt: Wer beispielsweise von Karlsruhe nach Berlin fliegen will, wird bei diesen beiden Fluglinien über die Hubs in München, Frankfurt oder Düsseldorf umgeleitet. Das ist weder nachhaltig noch komfortabel.

Green Airlines: Grün vom veganem Catering bis zum Home Office

Green Airlines möchte aber seinem Namen wirklich gerecht werden und in allen Bereichen so „grün“ wie möglich sein. Das fängt bereits bei den Ticket-Preisen an. Diese werden zwischen 119 und 649 Euro kosten und beinhalten automatisch die entsprechende CO2-Kompensation.

Denn das Unternehmen weiß: Es ist gut, wenn Airlines freiwillige Kompensation anbieten. Es ist aber besser, wenn diese durchgehend für jeden Flug automatisch erfolgt.

Das Geld möchte Green Airlines in Umweltprojekte investieren. Dazu will das Unternehmen beispielsweise auf einem eigenen Waldstück selbst Aufforstung betreiben. Holz aus diesem Wald soll zudem auch recycelt – und beispielsweise als wiederverwertbares Besteck im Flugzeug genutzt werden.

Auch das angebotene Essen soll aus regionalen Produkten bestehen und auch vegetarische und vegane Gerichte beinhalten. Zudem möchte Daniel Sander hier sehr individuell bleiben. Schließlich möchte nicht jeder Fluggast auf jeder Strecke alle Mahlzeiten essen.

Hier soll es mehr Auswahl und mehr Flexibilität für Kunden geben.

Teil des grünen Konzepts ist zudem ein Online-Shop mit nachhaltigen Produkten, genauso wie das Kehren vor der eigenen Haustür, also im eigenen Betrieb.

Mitarbeiter sollen etwa nicht unnötig zum Büro anreisen müssen. Arbeit im Home Office wird daher eine Option sein. Die eigene IT möchte Green Airlines zudem mit Ökostrom betreiben und auch das Ausdrucken von Dokumenten vermeiden, um nur einige Beispiele zu nennen.

Corona kein Problem

Derzeit läuft für Green Airlines noch eine Crowdfunding-Kampagne. Erklärtes Ziel sind 600.000 Euro. Davon hat das Unternehmen bislang 198.000 Euro bekommen. „Dieses Geld wäre zwar sehr hilfreich, doch wir brauchen es nicht, um die Airline zu starten“, sagt Sander. Das nötige Startkapital habe man schon. Mit anderen Worten: Green Airlines wird definitiv abheben.

So hat die Fluglinie schon Kooperationen mit mehreren Unternehmen und interessierte Investoren zu verzeichnen.

Die Corona-Pandemie scheint Green Airlines gar nicht zu beeinflussen, sagt zumindest Sander. Und wenn, dann sei der Effekt eher positiv, da viele Konkurrenten derzeit viele Strecken ganz aus dem Programm streichen und die Ticketpreise vermutlich steigen werden.

Und auch wenn Führungskräfte bei Lufthansa & Co. Green Airlines aktuell belächeln mögen, sagt Sander: „Wir wissen, dass wir einen kleinen Teil am Rande des Feldes beackern. Aber für uns ist klar, dass wir erfolgreich sein können.“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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