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Was bewegt digitale Nomaden? Psychologische Beweggründe für das Langzeitreisen

geschrieben von Sonia Jaeger

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, warum ihr euch eigentlich für das Leben als digitaler Nomade entschieden habt (oder euch dafür interessiert)? Vermutlich fallen euch spontan viele Gründe ein. Von Abenteuerlust über den Wunsch nach der großen Freiheit bis hin zur Flucht aus der Routine der Heimat. Aber was steckt noch alles dahinter? Was sind eure Beweggründe für das Langzeitreisen? Denn digitale Nomaden haben zwar viele Gemeinsamkeiten, aber mindestens genauso oft unterscheiden sie sich doch deutlich in der Art und Weise, wie sie ihr Leben führen und vor allem warum.

Die eigenen Beweggründe kennen, heißt sich selbst kennenlernen

Wenn man sich nun intensiver mit seinen eigenen Beweggründen beschäftigt, kann man dabei nicht nur mehr über sich selbst lernen, sondern es wird oft auch dazu beitragen, das eigene Leben und den Alltag zu verbessern. Je besser wir uns selber kennen, desto besser werden wir in der Lage sein, uns in die gewünschte Richtung weiterzuentwickeln und unser inneres Potential auszuschöpfen. Außerdem kann das bessere Kennen der eigenen Bedürfnisse dabei helfen, Reise- und Arbeitspläne diesen Bedürfnissen anpassen.

Wem der Kontakt zu Gleichgesinnten besonders wichtig, der wird sich eher in Coworking Spaces oder Houses wohl fühlen als jemand dem Kontakt zu Einheimischen und Abenteuerlust wichtiger sind. Gerade wenn man widersprüchliche Ziele hat, wie z.B. Entspannung und möglichst intensives Kennenlernen neuer Kulturen, dann ist es wichtig sich über Prioritäten im Klaren zu sein. Sonst hat man zwar vielleicht vier Museen und fünf Tempel besichtigt, ist anschließend aber so erschöpft, dass man dann Tage braucht, um sich wieder zu erholen.

Je mehr unser Lebenswandel unseren tatsächlichen Zielen entspricht, desto wohler und selbstsicherer werden wir uns fühlen. Denn wenn wir uns mit unseren Gedanken und Wünschen auseinandersetzen, können wir prüfen, ob wir auch wirklich aus den richtigen Gründen diesen Lebenswandel gewählt haben. Das macht es dann auch einfacher, unser Vorgehen gegebenenfalls anzupassen. Nur weil andere digitale Nomaden langsam reisen, muss das nicht das Richtige für uns sein. Und nur weil alle von Chiang Mai schwärmen, muss es nicht der richtige Ort für uns sein.

Abenteuer oder Anerkennung: Was sind deine Werte und Ziele im Leben?

Viele unserer Ziele, inneren Werte und Beweggründe sind nicht spezifisch mit dem Reisen und dem digitalen Nomadentum verbunden. Andere dagegen schon. Wer sich zunächst mit seinen allgemeinen Vorstellungen auseinandersetzt, dem wird es auch leichter fallen, sich mit den spezifischeren Werten und Beweggründen zu beschäftigen. Unter allgemeinen Werten versteht man Grundmotive, die das eigene Leben und Denken beeinflussen und lenken. Also das, was uns persönlich besonders wichtig ist. Im Umgang mit uns selbst und mit anderen. Solche Werte können sein:

Abenteuer, Anerkennung, Aussehen, Bindung, Ehrlichkeit, Entwicklung, Erfolg, Familie, Fitness, Freiheit, Freundschaft, Geborgenheit, Geselligkeit, Gesundheit, Gerechtigkeit, Harmonie, Karriere, Lernen, Liebe, Macht, Offenheit, Partnerschaft, Respekt, Ruhe, Selbstwert, Sexualität, Sicherheit, Sinn, Toleranz, Unabhängigkeit, Veränderung, Vertrauen, Zugehörigkeit, Zuverlässigkeit.

Was treibt digitale Nomaden an?

Aus diesen und weiteren allgemeinen Werten lassen sich spezifische Werte für das Reisen und das Leben als digitale Nomaden ableiten. Es können natürlich auch mehrere oder viele dieser Beweggründe eine Rolle spielen. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, die eigenen Wünsche gegebenenfalls in eine Rangordnung zu bringen. Hier eine unsortierte und unvollständige Liste an psychologischen Motiven für das Leben als digitaler Nomade:

Der Wunsch nach Aufregung, Neuem, Selbsterkenntnis oder Selbständigkeit.  Der Wunsch, sich selbst zu verändern. Oder der Austausch und die Verbindung mit fremden Menschen und Kulturen, Wunsch dazuzugehören, wenn man das Gefühl hat Zuhause nicht hereinzupassen. Der Wunsch sich selbst besser kennenzulernen. Oder der Wunsch, einen anderen Blick auf die eigene Kultur und Heimat bekommen. Der Wunsch sich anders und besonders zu fühlen. Der Wunsch nach Kontakt zu Gleichgesinnten. Selbstvertrauen entwickeln, lernen alleine zu Recht zu kommen, Abenteuerlust, Selbstverwirklichung, Flucht oder Grenzerfahrungen machen. Abstand gewinnen, Spaß, reich und erfolgreich sein, entspannen und abschalten… Diese Liste könnt ihr für euch selbst natürlich endlos weiterführen.

Wie sieht eure persönliche Liste aus? Was sind eure persönlichen Beweggründe für das Langzeitreisen? Was hat euch dazu bewegt, diesen Lebensstil als digitale Nomaden zu verfolgen? Und was bewegt euch heute dazu, diesen Weg weiter zu gehen? Wie gelingt es euch, euren Alltag so zu gestalten, dass ihr möglichst im Einklang mit euren Werten und Zielen lebt? Wir freuen uns auf eure Kommentare.


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Über den Autor

Sonia Jaeger

Dr. Sonia Jaeger ist Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin. Als digitale Nomadin bereist sie die Welt und führt dabei psychologische Beratung online, per Video und Email durch.

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