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Umweltsünder Lkw? 5 Ideen für einen nachhaltigeren Güterverkehr

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Wie kann man den Güterverkehr auf der Straße nachhaltiger machen? (Foto: Pixabay / chapay)

Lkw sind für die meisten kein Symbol für Nachhaltigkeit. Schließlich tragen die Straßen-Elefanten einen großen Teil zur Luftverschmutzung bei. Dennoch bringen sie Güter zu uns. Wie wichtig das ist, haben wir spätestens durch Corona bemerkt. Kann man den Güterverkehr also nachhaltiger gestalten? Jakob Muus, CEO beim Tech-Unternehmen Tracks, glaubt das – und hat auch schon ein paar Ideen.

Emissionen sparen und umweltschonend arbeiten, das sind bei vielen Unternehmen und auch in der Politik wichtige Ziele geworden. Manche Industrien lassen sich leichter auf grün umstellen als andere. Die Logistik zählt bisher aber nicht zu den Vordenkern der neuen klimafreundlichen Denkweise.

Dabei macht der Straßengüterverkehr sechs Prozent aller Emissionen Europas aus. Das bedeutet: Es lässt sich viel Kohlenstoffdioxid (CO2) und Kraftstoff sparen, wenn man die Logistikbranche nachhaltiger aufgestellt.


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Mehrere Wege führen dabei zum Ziel.

1. Load-Pooling

Lkw sollen so oft wie möglich voll beladen werden – je voller, desto besser. Leerfahrten, bei denen nur Luft transportiert wird, sind der Inbegriff von Ineffizienz. Sie verbrauchen Kraftstoff und produzieren Emissionen, ohne dass sie Güter transportieren und Nutzen schaffen.

Derzeit fahren 20 Prozent aller Lkw leer, und ein noch größerer Anteil fährt nur teilweise beladen. Durch optimierte Planung können auch teilweise beladene Lkw aufgefüllt werden und maximale Effizienz erreichen.

2. Bessere Hardware

Die Hardware der Logistik sind die Lkw selbst. Jedes Modell hat besondere Merkmale, wie beispielsweise die Größe des Motors, die für bestimmte Routen und Fahrweisen passender sind.

Darüber hinaus gibt es Routen und Aufgaben, die für Elektro- und Wasserstoff-Lkw geeigneter sind als andere. Anders gesagt: Der Lkw muss zur Aufgabe passen.

3. Straße oder Schiene?

Ein Lkw ist nicht immer das optimale Transportmittel für den Güterverkehr. Man sollte auch Flugzeuge, Züge und Schiffe in seiner Planung berücksichtigen.

Die richtige Wahl für das richtige Gut zu treffen, ist eine herausfordernde, aber nötige Aufgabe. Welches Produkt fährt am besten auf der Schiene von A nach B? Welches wird in ein Flugzeug verfrachtet? Und was eignet sich für den Straßentransport?

Werden die Transportmodalitäten optimiert, lassen sich auch in der Luft- und Schifffahrt Emissionen sparen. Mit einer teilweisen Verlagerung vom Güterverkehr von der Straße auf die Schiene ließen sich 10 bis 12 Prozent an Emissionen sparen.

Warum also nicht alles auf die Schiene verlegen? Züge erreichen nicht jeden Ort und sind weniger flexibel einsetzbar. Eine austarierte Mischung aus Transportmodalitäten ist der nachhaltigere Weg.

4. Fokus auf die Operative

Die beste Hardware nützt nichts, wenn sie nicht richtig genutzt wird. So gehört zum richtigen Lkw auch die richtige Strecke und der richtige Fahrer, der zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt wird. Die Kombination muss stimmen, um die Assets optimal zu nutzen.

Diese operativen Abläufe sollten noch feiner abgestimmt werden. Unsere internen Analysen ergeben ein Einsparungspotential von bis zu 15 Prozent des Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen beim richtigen Einsatz der Fahrzeuge und Fahrer auf den richtigen Strecken.

5. Routenplanung im Güterverkehr

Alle Straßen führen nach Rom, manche sind aber effizienter als andere. Wenn der kürzeste Weg von A nach B über Berge führt, ist er vielleicht der schnellste, aber nicht immer der optimale Weg, um Güter von einem Ort zum anderen zu transportieren.

Möglicherweise führen kleine Umwege effizienter zum Ziel. Durch gründliche Routenplanung lassen sich die Strecken der Lkw optimieren. Bessere Routen bedeuten weniger Verbrauch.

All diese Methoden haben eines gemeinsam: Sie brauchen eine Entscheidungsgrundlage auf Basis von Daten, um durchführbar und sinnvoll zu sein.

Möglicherweise fahren die Lkw einer Flotte schon längst 90 Prozent der Fahrten voll beladen, aber ohne Messungen und Kontrolle weiß es der Flottenmanager nicht. Demnach kann er auch keine Optimierungen vornehmen, um auch die letzten 10 Prozent zu erkennen und auszulasten.

Messungen sind der Grundstein des Wandels zu mehr Nachhaltigkeit in der Logistik und der erste Schritt hin zu nachhaltigerem Straßengüterverkehr.

Man muss wissen, was möglich ist, bevor man es verbessern kann.


Über den Autor

Jakob Muus ist der Gründer und CEO von Tracks, einem Berliner Tech-Unternehmen, welches das Ziel verfolgt, den Straßengüterverkehr effizienter und ökologisch nachhaltiger zu gestalten.

Vor der Tracks-Gründung 2018 arbeitete Jakob Muus beim Volkswagen-Konzern in Wolfsburg, wo er sich auf den Aufbau eines Innovationsteams, die Erstellung strategischer Prognosen zur Zukunft der Mobilität und die Entwicklung eines modularen Interaktionsraums in Berlin konzentrierte.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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