Transport

Auch digitale Nomaden haben Heimweh: Was uns fehlt, wenn wir fern der Heimat sind

Heimweh
geschrieben von Marinela Potor

Ist es das Brot, die Aussicht aus dem Fenster oder doch das eigene Bett? Wer als digitaler Nomade viel im Ausland unterwegs ist, hat oft auch Heimweh nach ganz speziellen Dingen aus der Heimat. Wir verraten euch hier in unserer ganz persönlichen Heimweh-Liste, was uns in der Ferne am meisten fehlt. 

Marinelas Heimweh-Liste

Ich lebe seit 2010 nicht mehr in Deutschland und auch wenn ich meine reisende Lebensweise nicht mehr missen möchte, gibt es doch so einige Dinge, auf die ich mich geradezu stürze, sobald der Flieger wieder in Deutschland landet.

Brezeln

Dazu gehören eindeutig Brezeln. Seit meinem Studium im Schwabenländle, bin ich wahrscheinlich zum größten Brezel-Fan überhaupt geworden. Doch außerhalb deutscher Bäckereien sind gute und frische Brezeln wirklich sehr schwer zu bekommen. Für eine gute Brezel bin ich auch gerne bereit, meine chronisch eher knappen Finanzen zu strapazieren. Als ich zum Beispiel in Santiago in Chile mit viel Mühe eine deutsche Bäckermeisterin ausfindig gemacht hatte, habe ich einmal tatsächlich 20 Euro für 5 Brezeln geblecht – die waren es aber auch wert!

Quark

Marinela Potor

Das vermisst Marinela auf Reisen

Mir war nicht klar, wie typisch deutsch Quark ist, bis ich ins Ausland gereist bin. In den meisten Ländern gibt es Quark nicht, geschweige denn ein Wort, um annähernd zu beschreiben, was man damit meint. So muss ich mich denn leider oft mit extrem flüssigem Joghurt (der ungesüßt auch immer gleich ein halbes Vermögen kostet) begnügen. Wenn ihr mich also auf Heimatbesuch mit 10 Packungen Quark im Supermarkt seht, wundert euch nicht!

Elektroöfen

Das klingt vielleicht komisch, aber wenn ihr mal jahrelang in Ländern mit Gasöfen lebt, die nur Unterhitze abgeben und euch bei jedem Kuchen- und Plätzchenbacken zur Verzweiflung treiben, werdet ihr mich verstehen. Auch wenn ich nach deutschen Maßstäben gemessen die schlechteste Bäckerin aller Zeiten bin, habe selbst ich ab und zu das Bedürfnis, einen Kuchen zu backen. Umso frustrierender ist es dann, wenn das Ergebnis untenrum völlig verbrannt und obenrum noch halb roh ist. Also ein Hoch auf die deutschen Elektroöfen mit Ober- und Unterhitze!

Deutsche Direktheit

Abgesehen vom Essen oder elektrischen Finessen, fehlt mir im Ausland die deutsche Unverschnörkeltheit. Ich habe mich zwar mittlerweile daran gewöhnt, dass in Südamerika „ich bin in 5 Minuten da” übersetzt bedeutet „es könnte sein, dass ich in 2 Stunden komme, es könnte aber auch sein, dass ich gar nicht komme“, aber es fällt mir nach wie vor schwer, mich daran zu gewöhnen, dass Menschen nicht immer gleich sagen, was sie denken – und vor allem, wie sie es denken. Auch wenn es oft sehr unhöflich rüber kommt, so ab und zu finde ich die deutsche Direktheit doch sehr erfrischend. Als ich etwa im Sommer 2015 zur Extremhitze von 36 Grad ankam und in einem Zug saß, wo man weder die Fenster öffnen konnte noch die Klimaanlage funktionierte und somit bei 50 Grad Innenhitze nur noch dahinschmolz, hat mich vor allem eins darüber hinweggetröstet – ein humoriger Zettel, der an der Fensterscheibe klebte und ganz ehrlich all den Unmut ausdrückte, den wir alle in der Situation empfanden: „Klo verstopft, Klimaanlage kaputt, Bahnpersonal unfreundlich – sänks for träveling wis Deutsche Bahn.“

Wie sieht’s bei euch aus? Was fehlt euch am meisten? Wonach habt ihr Heimweh? Schreibt uns, was ihr in eurem Leben als digitale Nomaden am meisten vermisst. Wir freuen uns auf eure Geschichten!


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

5 Kommentare

  • Ich vermisse an Deutschland eigentlich nur die gute Auswahl an Zeitungen und Magazinen, selbst an kleinen Bahnhofskiosken. Der Vertrieb gedruckter Zeitungen ins jeweilige Ausland wird leider immer mehr ausgedünnt, und in manchen Ländern habe ich dann Unsummen für einen zwei Wochen alten SPIEGEL ausgegeben.

    Online zu lesen bereitet mir gar kein Vergnügen, so dass das für mich kein Ersatz ist. Ich lese deshalb jetzt wieder weit mehr Bücher als Zeitungen, was nicht unbedingt schlecht sein muss.

    Mit der Direktheit sprichst Du einen guten Punkt an. Das habe ich mittlerweile auch zu schätzen gelernt, es spart einfach so viel Zeit und Vermutungen, die andernfalls über die Gedankengänge des Gegenübers angestellt werden müssen. Nur in Osteuropa und in Israel fand ich eine ähnlich erfrischende Direktheit. Das krasseste Gegenteil war der Iran. Dort wird einem niemand jemals irgendetwas Negatives sagen, und es fiel mir schwer, die ungewohnte Höflichkeit nicht immer für bare Münze zu nehmen.

    • Zeitungen und Zeitschriften! Das ist auch etwas, das ich sehr geniesse, sobald ich wieder in Deutschland bin. Ich bin leider auch noch nicht soweit, ein völlig papierloses Leben zu führen, und so viel Medienkritik auch in Deutschland herrscht (was ja gut ist für die Medienlandschaft), im Vergleich muss ich sagen, dass es wenige andere Länder mit so guter Presse gibt. Na ja, und dann ist da einfach das schöne morgendliche Ritual mit Kaffee meine Zeitung zu lesen – das fällt eigentlich leider komplett weg.

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