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Klimaproblem Hitzeinseln: Was Städte gegen heiße Straßen tun

Brennende Straße Stadt
geschrieben von Marinela Potor

Coole Straßenbeläge, Regenwasser auf Gebäude spritzen oder Grünpflanzen auf Häuserwänden wachsen lassen. Großstädte lassen sich einiges einfallen, wenn es darum geht eins der größten urbanen Klimaprobleme zu lösen: Überhitzte Straßen.

30 Grad, die Sonne brennt – und die Straße kocht. An einem heißen Sommertag steigen die Temperaturen vor allem in Großstädten stark an, vor allem im Vergleich zum ländlichen Umland. Es entstehen sogenannte urbane Hitzeinseln. Selbst nachts kühlt es in großen Städten nicht ab. Grund dafür sind Betongebäude und vor allem asphaltierte Straßen, die die Hitze tagsüber speichern und nachts abgeben. Dies ist kein neuartiger Effekt, allerdings steigen die Temperaturen in Städten durch den Klimawandel noch mehr als bisher – und verursachen damit eine Vielzahl von Problemen.

Warum unsere Straßenbeläge Hitze speichern

Eine US-Studie des Environmental Protection Agency’s Office of Atmospheric Programs (EPA) hat herausgefunden, dass die aufgestaute Hitze den Asphalt an heißen Tagen auf bis zu 67 Grad Celsius aufheizen kann.

Dieses Phänomen ist schnell erklärt: Schwarze Oberflächen (wie der Straßenbelag – egal ob es sich dabei um Asphalt, Beton oder Teer handelt) absorbieren Hitze. Während beispielsweise eine Straße bedeckt mit Neuschnee gut 90 Prozent der Sonnenstrahlen reflektiert, gibt eine asphaltierte Straße nur rund 15 Prozent der Hitze wieder ab.

Vom Blow-Up bis zum Hitzeschlag

Das führt zu Hitzeinseln in Städten. Diese lassen Bewohner aber nicht nur mehr schwitzen, sie verursachen große Schäden. Das beginnt damit, dass die Fahrbahnoberflächen sich unter Hitzeeinfluss ausdehnen. Auf Deutschlands Autobahnen, die zu etwa einem Drittel aus Betonbelag bestehen, führt dies zum Blow-Up. Die Betonplatten heben sich, der Puffer zwischen den Platten reicht nicht mehr aus, die Straße wird uneben und es kann zu mehr Unfällen kommen.

Ähnlich sieht es bei Teer und Asphalt aus. Auch wenn man dazu sagen muss, dass in Deutschland Teer nicht mehr für neue Straßen verwendet wird. Hier kann die Hitze Risse im Belag verursachen und es entstehen gefährliche Rillen. Neben einer erhöhten Unfallgefahr, steigen damit auch die Instandhaltung- und Reparaturkosten für Straßen.

Hinzu kommen erhöhte Ausgaben für Rettungseinsätze, Feuerwehr und Polizei sowie Krankenhauskosten bei schweren Unfällen. So hat das Umweltbundesamt errechnet, dass allein die steigende Hitze bis zu 92 mehr Unfälle pro Jahr in den fünf von der Hitze am meisten betroffenen Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Saarland sowie Rheinland-Pfalz) verursachen könnte. Daraus ergeben sich laut Umweltbundesamt jährliche Mehrkosten von bis zu 21 Millionen Euro.

Allein durch Hitze.

Darüber hinaus wird es durch die vielen Beton- und Asphaltflächen auch in den städtischen Wohnungen immer heißer. Die Folge: Mehr Hitzestress und die Anzahl von hitzebedingte Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Hitzeschlag steigen an.

Ein weiteres Problem ist die sinkende Wasserqualität. So hat das EPA für die USA herausgearbeitet, dass die Asphalthitze auch Regenwasser erwärmt, das über die Straßen in die lokalen Wasserwege geleitet wird – und damit die Qualität des Wassers beeinträchtigen.

LA verpasst Straßen weißen Anstrich

Es gibt also mehr als genug Gründe für Städte, sich kreative Lösungen gegen die urbanen Hitzeinseln einfallen zu lassen.

Viele Städte setzen dabei direkt beim Asphalt an. Zum einen zeigen Studien, dass ein offenporiger – also ein durchlässiger – Bodenbelag umweltfreundlicher ist. Hier gibt es verschiedene Projekte, die vielversprechende Lösungen bieten. So hat die Firma Eurovia einen Straßenbelag entwickelt, der Stickoxide aufsaugen kann – eine Lösung, die in Hamburg getestet wird.

Zum anderen gehen Städte dazu über die Farbe der Fahrbahnbeläge zu ändern, mit einer Art kühlem Anstrich. In Los Angeles hat das örtliche Bauamt in diesem Sommer damit begonnen, erste Straßen mit einer speziellen weißen Farbe zu bemalen.

Wie beim weißen Schnee sorgt dieser Belag dafür, dass die Hitze nicht absorbiert, sondern reflektiert und damit wieder abgegeben wird. Eine solche Behandlung auf 35 Prozent der Straßen einer Großstadt wie LA. Könnte laut EPA dazu führen, dass die Durchschnittstemperatur um 0,6 Grad Celsius sinkt. Das klingt nicht nach besonders viel, aber die Forscher schätzen, dass eine reflektierende Straßenbehandlung in Städten weltweit dazu führen könnte, dass CO2-Emissionen im Wert von 400 Milliarden US-Dollar reduziert werden könnten.

Japan sprenkelt Regenwasser

Doch die Bodenbeläge sind nicht der einzige Ansatzpunkt, um gegen die Hitzeinseln in Städten vorzugehen. In Japan wird zum Beispiel seit dem 17. Jahrhundert „Uchimizu“ praktiziert. Dabei besprenkeln Städter Gebäude und Straßen mit Regenwasser, um diese abzukühlen.

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Eine Methode, die auch in überhitzen Großstädten für Abkühlung sorgen könnte, wie die Forscherin Anna Solcerova von der Technischen Universität Delft nachweisen konnte.

Berlin erforscht Kletterpflanzen

Auch in Berlin gibt es Ideen zur Kühlung der Stadt – über die Gebäude. Unter dem Namen “Hitzestress in der Stadt” arbeiten Wissenschaftler aller vier Berliner Universitäten, der Charité und das Potsdam Institut für Klimaforschung an Lösungen gegen die Überhitzung in Städten. Eine Idee dabei ist, Klettergewächse wie Efeu, Wein oder Knöterich auf Häuserwänden wachsen zu lassen.

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„Die Pflanzen beschatten die Häuserwände, so dass sie gar nicht erst so viel Sonnenwärme aufnehmen können“, sagt Thomas Nehls von der TU. „Zudem verdunsten sie Wasser, und allein die Verdunstungskühle hat einen großen Effekt.“

Wie klimafreundlich ist das alles wirklich?

Dennoch gilt es bei jeder neuen Baumaßnahme zu bedenken, ob der Nutzen tatsächlich größer ist. Denn natürlich kostet es Städte mehr Geld, ihre Fahrbahnen, Bürgersteige und Parkplätze komplett neu zu belegen oder mehr Grün zu pflanzen.

Klimaforscher sagen auch, dass es aktuell noch zu wenige wissenschaftliche Belege gibt, um abschließend sagen zu können, dass die Emissionen die beim Produzieren und Einsetzen solcher kühlenden Oberflächen nicht höher sind als die Emissionen, die wir aktuell – ohne Umstellung – haben.

In Deutschland kommt das Bundesumweltamt zumindest zu dem Schluss, dass eine Reduzierung der Hitze der Bodenbeläge sowohl die Ausgaben für Reparaturen und Umwelt senkt als auch eine bessere Klimabilanz hat.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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