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Hopper: Darum fahren so viele junge Menschen in Offenbach per ÖPNV

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Mit diesen Fahrzeugen lockt Offenbach die Jugend in den ÖPNV. (Foto: pineda-fotografie)

Der Kreis Offenbach hat vor etwa einem Jahr das On-Demand-Sammeltaxi „Hopper“ eingeführt. Es ist vor allem bei der jungen Generation beliebt. Ist das Konzept ein Vorbild für andere Regionen?

Alles begann mit einem Sammeltaxi im Kreis Offenbach. Einem sehr umständlichen Sammeltaxi.

Eins, bei dem es zwar wie beim Bus feste Haltestellen und Fahrzeiten gab, Fahrgäste aber dennoch vorab anrufen und das Taxi bestellen mussten. Ansonsten fuhr es nicht.


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Besonders „sexy“ fand das niemand.

So sah der Kreis schließlich im Jahr 2016 ihre Chance mit einem neuen Nahverkehrsplan auch endlich das Sammeltaxi zu pimpen und daraus ein modernes On-Demand-Angebot zu machen: Hopper.

Hopper ist Offenbachs Sammeltaxi 2.0

Hopper ist dabei Bus, Taxi und Carpooling in Einem.

Nutzer bestellen den Hopper über eine App. Anhand der Standort-Daten im Smartphone bekommen sie dann einen Abholort im Umkreis von etwa 200 Metern sowie die Ankunftszeit angezeigt.

Die App arbeitet dafür mit vorhandenen Haltestellen, aber auch mit zusätzlichen virtuellen Stopps, um die Wege für die Fahrgäste kürzer und das Streckennetz dichter zu gestalten.

Wer also beispielsweise normalerweise drei Kilometer zur nächsten Haltestelle laufen müsste (und darum vielleicht sogar mit dem Auto statt per ÖPNV fährt), kann nun den Hopper quasi um die Ecke bekommen und so für die erste und letzte Meile nutzen.

Eine Fahrt bis zu zwei Kilometer kostet 2,60 Euro ohne Ermäßigung. Danach fallen 20 Cent pro Kilometer an.

Fahrgäste können mit Voranmeldung auch Gepäck oder Kinderwagen mitnehmen. Allerdings ist der Gepäckraum in den Fahrzeugen (Mercedes Vito und das elektrische London-Taxi LEVC) auch beschränkt. Fahrräder können daher etwa nicht mitgenommen werden.

Für Rollstuhlfahrer gibt es barrierefreie Fahrzeuge. Diese müssen allerdings vorab in der App bestellt werden.

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Der Hopper bietet auch barrierefreien Zugang. (Foto: pineda-fotografie)

Man kann den Hopper übrigens auch telefonisch nutzen. „Das war uns wichtig, um wirklich alle Bürger mit einzuschließen. Schließlich ist es für manche schwierig Smartphones zu nutzen, beziehungsweise haben einige Bürger auch gar keine Smartphones“, erklärt Britta Sorg, Pressesprecherin der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF) im Gespräch mit Mobility Mag.

Dafür melden sich die Nutzer mit ihrer Adresse an und bekommen eine Kundennummer, mit der sie den Hopper telefonisch bestellen können.

Hopper ist damit sozusagen das Sammeltaxi 2.0 im Kreis Offenbach. Der offizielle Startschuss war am 24. Juni 2019. Hopper feiert also bald schon seinen ersten Geburtstag – und es sollen noch viele weitere werden, hofft Britta Sorg.

„Phase zwei“ startet 2021

„Wir bauen das Angebot schrittweise aus“, erklärt sie. Der Nahverkehr ist nämlich in vier Waben unterteilt. Der Hopper ist bislang in der ersten Phase im Ostkreis, also in einer der vier Waben, unterwegs.

In diesem Jahr sollte eigentlich im Herbst eine zweite Wabe hinzukommen. Aufgrund von Corona wird es aber wohl erst um Ostern 2021 herum sein.

Dem Erfolg von Hopper tut das aber keinen Abbruch. „Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Jahr“, sagt Sorg.

Der Hopper lockt vor allem junge Nutzer

Über die App zählt Hopper bislang 8.000 registrierte Nutzer. Per Telefon gibt es etwa 750 angemeldete Fahrgäste.

Die große Mehrheit davon (64 Prozent) sind junge Fahrgäste zwischen 14 und 35 Jahren, gefolgt von Senioren zwischen 56 und 85 Jahren (15 Prozent), sagt Britta Sorg.

Das On-Demand-Angebot spricht also vor allem die jüngere Generation an. Das ist normalerweise die Bevölkerungsgruppe, die häufig (noch) ohne eigenes Auto unterwegs ist.

Es ist aber auch die Generation, die Sharing-Angebote generell mehr schätzt als Eigenbesitz und natürlich mit Smartphone-Apps aufgewachsen ist.

Shared-Mobility-Angebote wie Hopper sind daher eine clevere Möglichkeit, um daran anzuknüpfen und eine große Bevölkerungsgruppe nachhaltig mit öffentlichen Transportmitteln zu befördern, vor allem, weil es bezahlbar und praktisch ist.

Selbst während Corona noch regelmäßige Fahrten

Vor Corona verzeichnete der Hopper etwa 1.500 Fahrgäste pro Woche. An Wochenenden übertraf die Nachfrage dabei meist sogar das Angebot. Selbst während der Krise sind es immerhin noch rund 500 Fahrgäste wöchentlich.

Aktuell sind die Fahrzeuge mit Trennscheibe zum Fahrer unterwegs und die Bezahlung findet kontaktlos, entweder über die App oder eine EC-Maschine im hinteren Fahrzeugteil statt. In den Hoppern herrscht Maskenpflicht. Mit diesen Sicherheitsmaßnahmen hofft man, dass bald wieder mehr Menschen das Angebot nutzen.

Knapp jede zweite Fahrt ist eine Einzelfahrt

Doch selbst zu Bestzeiten ist der Hopper noch nicht rentabel. Wie der reguläre ÖPNV ist auch das On-Demand-Angebot im Kreis ein Zuschussgeschäft.

Dennoch ist der Hopper – insbesondere im Vergleich zum vorigen Sammeltaxi – ein Erfolg. Darauf möchte die kvgOF künftig aufbauen.

Neben mehr Fahrgästen möchte die kvgOF aber vor allem auch die Pooling-Rate steigern. Derzeit sind nämlich nur rund die Hälfte aller Fahrten geteilte Fahrten. Das bedeutet: Alle anderen Fahrten sind Einzelfahrten, bei denen nur eine Person im Fahrzeug sitzt.

Aktuell arbeitet die kvgOF noch an einem anderen Update: Vorausbuchungen. Diese gab es anfangs gar nicht. Mittlerweile können Nutzer eine Fahrt bis zu 90 Minuten im Voraus buchen. „Das möchten wir weiter ausbauen“, sagt Britta Sorg.

Langfristig soll der Hopper auch an den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) angeschlossen werden. Der Kreis Offenbach gehört zum Verbundgebiet des RMV. Idealerweise wäre dann der Hopper in die RMV-App integriert und es gäbe einen einheitlichen Tarif.

Durch Angebote wie Hopper auf eigenes Auto verzichten

Britta Sorg ist fest davon überzeugt, dass On-Demand-Angebote wie der Hopper gerade für den suburbanen Raum ideal sind. In den großen Städten wie Frankfurt, Hamburg oder München ist das ÖPNV-Netz ohnehin sehr gut ausgebaut. Selbst in Offenbach ist das Kreisgebiet mit S-Bahnen und Bussen gut abgedeckt.

Doch sobald es weiter in die Vororte geht, wird das ÖPNV-Angebot sehr dünn. Genau hier sollen On-Demand-Shuttle wie der Hopper ansetzen, um auch diese Gebiete besser anzuschließen. Dann, so die Hoffnung, könnten auch Menschen dort größtenteils auf ein eigenes Auto verzichten.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

1 Kommentar

  • Trotzdem verstehe ich nicht, wie das Projekt ohne Ausschreibung an eine Berliner Firma vergeben wurde wenn es auch hessische Firmen gibt (IOKI), die so etwas auch gut machen

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