Start-ups

Kleines Wearable, große Wirkung

ili Übersetzer Karten
Foto: Logbar
geschrieben von Marinela Potor

Wer kennt folgende Situation: Man ist auf Reisen, spricht die Landessprache nicht und findet sich in merkwürdigen Hockpositionen wieder, weil man verzweifelt die Toilette sucht? Um genausolche peinlichen Situationen zu vermeiden, hat das japanische Unternehmen Logbar ein tragbares Übersetzungsgerät entwickelt, das auch noch beinahe in Echtzeit übersetzen kann.

Das kleine Wearable nennt sich „ili“ und ist etwas kleiner als ein Smartphone, wiegt gerade einmal 42 Gramm und kann um den Hals getragen werden. Doch anders als ein Smartphone, kann ili nur eine Sache: übersetzen. Das dann aber im Bruchteil von Sekunden und in drei Sprachen.

Was kann ili?

Der Minimalismus von ili ist Absicht. So soll das Wearable schnell und unkompliziert für Nutzer sein. Es wird um den Hals getragen und hat lediglich einen Knopf. Nutzer drücken diesen Knopf und sprechen hinein. In nur 0,2 Sekunden wird der Satz übersetzt. Das ist zwar immer noch keine Echtzeit-Übersetzung, aber bislang absolute Spitze im Vergleich zu anderen Übersetzungstools.

Das Gerät ist so konzipiert, dass der Nutzer auf den Knopf drückt und automatisch ins Mikrofon spricht. Die Übersetzung kommt wiederum per Lautsprecher direkt zum Gegenüber gerichtet wieder heraus. Einfach, simpel, schnell.

Produktfoto ili Übersetzer

Klein, weiß, minimalistisch (Foto: Logbar)

Das Übersetzungsgadget beherrscht aktuell Englisch als Eingangssprache und kann ins Japanische, Mandarin und Spanische übersetzen. All das – und das ist das wirklich beeindruckende im Vergleich zu Übersetzungsapps oder Google Translate – ohne WLAN. Weitere Sprachen, die man sich dann übers Internet auf das Gerät herunterladen kann, sollen bald dazu kommen.

(Kleiner Reisetipp an dieser Stelle: Egal, ob mit oder ohne Übersetzungsgerät, stellt diese Eingangsszene bitte nie nie nach!)

Da ili so minimalistisch konzipiert ist, hält der Akku laut Hersteller Logbar bei einem durchschnittlichen Gebrauch von zehn Mal pro Tag von drei bis fünf Tagen. Die Ladezeit beträgt drei Stunden.

Was fehlt?

Während das alles recht hilfreich scheint, ist natürlich die erste Frage: Warum soll ich mir ili kaufen, wenn mein Smartphone das auch kann – wenn auch ein paar Sekunden langsamer. Zugegeben, die Tatsache, dass man für ili kein WLAN braucht, ist beim Reisen sehr hilfreich.

Andererseits: Lokale SIM-Karten sind so erschwinglich und haben oft günstige WLAN-Flatrates, sodass es nur selten Situationen gibt, in denen man ohne Internetverbindung dasteht.

Auch hat ili eine große Einschränkung: Er übersetzt vom Englischen in drei Sprachen, nicht aber andersherum. Das Unternehmen gibt eine Reihe von Gründen an, warum das Wearable so gestaltet wurde.

ili Übersetzer Fallbeispiel

Leider kann ili nur in eine Richtung übersetzen (Foto: Logbar)

Das Hauptproblem scheinen die Muttersprachler am anderen Ende von ili zu sein. Sie formulieren ihre Antworten sehr lang und kompliziert, oft auch umgangssprachlich, sodass das Gerät überfordert ist. Das zeigt auch: ili ist nicht unbedingt dafür gedacht, philosophische Theorien zu diskutieren, sondern eben um nach der Toilette zu fragen.

Andere machten wiederum die Erfahrung, dass ihr Gegenüber nicht das Wearable nutzen wollte. Entweder sie waren zu beschäftigt oder hatten ohnehin nur Zeit für eine kurze Handbewegung als Antwort.

Auch schienen Nutzer Angst davor zu haben, ihr ili aus der Hand zu geben, sodass in Testversuchen 80% der Personen ohnehin nur die Einweg-Übersetzung nutzten. Deshalb beschloss Logbar die Rückübersetzung wieder herauszunehmen.

Dennoch: Wenn man zwar auf Chinesisch nach dem Weg fragen kann, wie soll man ohne Rückübersetzung die Antwort verstehen? Dafür gibt das Unternehmen selbst einen Tipp: Schlichte Ja-Nein-Fragen stellen, bei denen ein Kopfnicken oder eine Geste als Antwort reicht.

Lohnt es sich?

Für viele Reisende ist ili sicherlich nicht interessant. Erstens kommt man in den meisten Orten dieser Welt mit Englisch oft schon sehr weit. Zweitens, kann man sich ansonsten bei so simplen Fragen sicherlich genauso gut mit Händen und Füßen verständigen und braucht kein Gerät. Doch es gibt auch Reisende, die sich unwohl fühlen, wenn sie vor wildfremden Menschen Klo-Bewegungen vormachen müssen und dafür lieber auf ein Gerät wie ili zurückgreifen.

Noch könnt ihr ili nicht kaufen, dafür aber zum reduzierten Preis von 199 US-Dollar vorbestellen.

Auch spannend:


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

Kommentieren