Transport

Traumziel Iran? Was ihr vor der Reise wissen solltet

geschrieben von Marinela Potor

Iran scheint derzeit das absolute In-Reiseland zu sein – wenn ich den Flugportalen und Reiseblogs meines Vertrauens glauben darf. Das fantastische Essen, die beeindruckende Vielfältigkeit der Landschaft, die unvergleichliche Gastfreundschaft – schon seit einiger Zeit wird der Iran schwärmerisch als DAS Reiseziel beworben. Grund dafür sind vor allem die Lockerung der wirtschaftlichen Sanktionen im Land. Doch Halt! Bevor ihr Hals über Kopf den nächsten Flug bucht, solltet ihr vor dem Kofferpacken einiges über die Reisebedingungen im Land wissen.

Sagt Adé zum Internet, wie ihr es kennt

Wer in den Iran reist, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Menschen herzlicher nicht sein könnten. Die politische Lage ist aber nach wie vor brisant. Dazu gehört auch die starke Beschränkung der Kommunikation. Mit anderen Worten: Sagt adé zur Telefonie und vor allem zum Internet wie ihr es gewohnt seid.

Zunächst einmal sind die Verbindungen nicht sehr stabil. Das gilt für Telefonanrufe ins In- und Ausland, aber auch für das Surfen im Internet. Stellt euch also darauf ein, dass es immer wieder zu Unterbrechungen eurer Verbindung kommen kann.

Doch mangelhafte Verbindungen werden nicht euer Hauptproblem sein. Vielmehr sind gewisse Dienste und Webseiten im Iran von der Regierung gesperrt. Laut Auswärtigem Amt gehören dazu Skype, Facebook und verschiedene E-Mail Anbieter. Nach dem Report von Freedom House zu Iran ist Internetzensur nach wie vor ein Problem im Iran. Die Regierung nimmt es sich dabei immer wieder willkürlich heraus, Social-Media-Plattformen zu blocken sowie regimekritische Blogs und Webseiten zu sperren.

Das Auswärtige Amt betont zwar, dass es selbst mit VPN-Servern oder Proxys nicht möglich ist, sich Zugang zum Internet zu beschaffen, doch wenn man den Berichten anderer Medien glauben darf, sind die Iraner nicht so sehr von der digitalen Welt abgeschnitten wie es den Anschein hat.

Dennoch heißt das vermutlich: Es ist schwierig bis unmöglich, das Internet in gewohnter Weise zu nutzen. Auch die Geschwindigkeit dürfte eingeschränkt sein. Gerade wenn ihr als Webworker arbeitet oder digitale Nomaden seid und vorhabt, vom Iran aus zu arbeiten, ist das limitierte Internet etwas, das ihr unbedingt bei eurer Reiseplanung bedenken solltet.

Stolperfalle Reiseblog

Ganz besonders gilt das für Blogger. Wenn ihr beispielsweise Reiseblogger seid oder auch einfach privat über eure Reisen schreibt, achtet stets darauf, welche Inhalte ihr aus dem Iran hochladet. Denn es ist bekannt, dass die iranische Regierung nicht nur Telefonate und SMS von Reisenden überwacht, sie liest auch eure Blogs.

Solltet ihr darin politische Kommentare oder Reiseberichte zur aktuellen politischen Lage posten, kann das ein juristisches Nachspiel haben. „Es sind Fälle bekannt, bei denen ausländische Staatsangehörige aufgrund derartiger Kommunikation mit ihrem Heimatland angeklagt und verurteilt worden sind,“ sagt das Auswärtige Amt.

Couchsurfing ist eigentlich illegal

Die iranische Regierung hat ihren Bürgern nahe gelegt, den Kontakt zu Ausländern zu meiden – wenn er über die üblichen Formalitäten (was immer das auch heißen mag) hinausgeht.

Das scheint immerhin etwas zu sein, was die Iraner komplett ignorieren. Fast jede Person, die ich kenne und in den Iran gereist ist, hat eine Geschichte dazu, wie sie (oft von der Polizei begleitet), eine Unterkunft vermittelt bekommen haben. Den Iranern scheint es wichtiger zu sein, Reisenden einen guten Eindruck ihres Landes zu vermitteln, als den Anforderungen der Regierung zu folgen.

So ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass es aktuell mehr als 35.000 Hosts bei Couchsurfing in Teheran gibt.

Couchsurfer Teheran

Obwohl die Regierung es verbietet: Zehntausende Couchsurfer empfangen Gäste in Teheran

Dennoch können eure Hosts damit möglicherweise in Schwierigkeiten geraten. Seid also respektvoll und zurückhaltend, wenn ihr bei Einheimischen zu Gast seid. Das Auswärtige Amt wiederum warnt auch deutsche Reisende vor möglichen Konsequenzen: Sehr vereinzelt wurden Reisende zur Ausreise gebeten, wenn sie vorher ihre Unterkunft über soziale Netzwerke organisiert hatten.

Das falsche Foto kann euch ins Gefängnis bringen

Das Internet ist aber nicht die einzige Einschränkung auf einer Iranreise. Es ist strikt verboten, Demonstrationen, Kundgebungen sowie öffentliche Gebäude zu fotografieren – egal ob mit einer Kamera mit Teleobjektiv oder mit eurem Smartphone. Auch militärische Gebäude sind natürlich als Fotomotive tabu.

Wer sich dem widersetzt, riskiert nicht nur, dass er seine Urlaubsfotos verliert, er kann auch festgenommen werden. Das Auswärtige Amt sagt dazu: „Es sind Fälle bekannt geworden, in denen Touristen Kameras abgenommen und sie vorübergehend festgenommen wurden, da sie verdächtigt wurden, öffentliche Gebäude oder Demonstrationen fotografiert zu haben.”

Das Problem dabei ist natürlich: Woran erkennt man ein öffentliches Gebäude? Welche Ansammlung von Menschen wird als Demonstration ausgelegt? Als Tourist ist es sicher nicht immer so leicht, die kleinen aber feinen Unterschiede zu erkennen. Ihr solltet also vorsichtig beim Knipsen sein – und im Zweifelsfall lieber nicht den Auslöser drücken.

Bringt Bargeld

Kleine aber wichtige Details wie Bargeld solltet ihr ebenfalls gut im Voraus planen. Denn nach aktuellem Stand akzeptieren iranische Banken keine internationalen Kreditkarten. Auch das Zahlen mit Kreditkarten ist nur in wenigen internationalen Hotels oder Geschäften möglich, und oft mit hohen Gebühren verbunden. Ihr solltet also genug Bargeld dabei haben.

Es ist zwar möglich, die Währung auch vor der Reise in Deutschland zu wechseln, ihr bekommt aber wahrscheinlich einen günstigeren Kurs vor Ort. Habt also genug Euros oder Dollar dabei, die ihr dort wechseln könnt.

Es gibt auch die Möglichkeit, sich im Vorfeld eine iranische Debitkarte zu besorgen, mit der ihr dann tatsächlich vor Ort Bargeld abheben könnt. Banken wie Bank Melli Iran oder die Sepah Bank bieten diesen Service an. Diese Banken haben Vertretungen im Ausland, sodass ihr also hier ein Konto eröffnen und somit die iranische Debitkarte für eure Reise erhalten könnt.

Dabei solltet ihr das tägliche Auszahl-Limit beachten und es ist auch ratsam, all euer Geld vor der Abreise vom Konto zu räumen, da es anscheinend immer wieder Komplettausfälle im System gibt und ihr dann möglicherweise all euer eingezahltes Geld verliert.

Visum für den Iran beantragen: Besonders leicht für Deutsche

Für Deutsche ist die Einreise in den Iran relativ unkompliziert. Für kurze Aufenthalte von bis zu 30 Tagen müsst ihr kein Visum im Vorfeld beantragen, sondern erhaltet dieses einfach bei der Einreise. Anders als US-Staatsbürger oder Briten müsst ihr auch keinen zertifizierten Touristenführer für die gesamte Dauer eurer Reise vorweisen. Für EU-Bürger kostet das Visum derzeit 75 Euro.

Um dieses Visum bei der Einreise zu bekommen, müsst ihr folgende Bedingungen erfüllen:

  • Ihr benötigt eine bestätigte Reservierung für die erste Nacht (mindestens) in einem Hotel oder Hostel. Notiert euch am besten Namen Adresse und Telefonnummer dieser Unterkunft, da die Einwanderungspolizei häufig beim Hotel oder Hostel anruft, um eure Angaben zu bestätigen.
  • Ihr müsst eine Reiseversicherung im Wert von ca. 15 Euro abschließen – auch wenn ihr schon selbst eine Reiseversicherung abgeschlossen habt. Ihr bekommt die dafür nötigen Formulare bei der Einreise.
  • Bringt keine Bücher oder Zeitschriften mit, die in irgendeiner Weise den Islam oder die iranische Regierung kritisieren. Ich sage nur: Salman Rushdie

Wenn ihr einen längeren Aufenthalt plant, müsst ihr ein Touristenvisum beantragen. Dieses Visum müsst ihr allerdings im Vorfeld bei einer iranischen Botschaft beantragen. Das kann, je nach Herkunftsland und Besetzung im jeweiligen Konsulat 30 Tage oder länger dauern. Auch wenn es anscheinend für deutsche Staatsbürger besonders schnell gehen soll. Manche warten angeblich nur wenige Tage auf ihr Visum.

Für ein Touristenvisum müsst ihr vier Passbilder mitbringen. Wichtig: Frauen müssen auf diesen Fotos ein Kopftuch tragen.

Wer nicht per Flugzeug einreist, findet auf dem Reiseportal Wikivoyage viele weiterführende Informationen zur Einreise per Boot, Bus, Bahn oder Auto.

Wer darf nicht einreisen?

Darüber hinaus gibt es ein striktes Einreiseverbot für alle Reisenden, die sich jemals nachweislich in Israel aufgehalten haben. Das bedeutet nicht nur ein sichtbarer Ein- und Ausreisestempel aus Israel in eurem Pass, sondern auch aus den Nachbarländern Ägypten und Jordanien (wenn ihr hier per Land ausgereist seid). Sollte das tatsächlich ein Problem für eure geplante Reise sein, kann man das natürlich mit einem zweiten Pass umgehen. Generelle Regel: Nutzt einen Pass für muslimische Länder und euren zweiten Pass für Länder wie Israel oder die USA.

Mögliche Ausnahme: Wenn euer Visum für Israel seit einem Jahr oder länger abgelaufen ist, könntet ihr eventuell doch einreisen.

Ihr solltet euch auch darüber im Klaren sein, dass eine Einreise in den Iran euch euer Visa Waver Agreement mit den USA kosten wird. Das ist keine iranische Schikane, sondern eine neue Regel der Vereinigten Staaten.

Das Visa Waver Programm, VWP, erlaubt Bürgern aus 38 Staaten (darunter auch Deutschland, Österreich und Schweiz) ohne vorige Beantragung eines Visums als Touristen in die USA einzureisen.

Mit den neuen Iran-Regelungen verlieren Reisende, die ab März 2011 in den Iran gereist sind, ihren Anspruch auf das VWP. Es sei denn sie waren aus militärischen oder diplomatischen Gründen im Iran. Ihr könnt zwar weiterhin mit einem normalen Visum in die USA einreisen, das macht den Einreiseprozess aber komplizierter.

Wenn ihr nicht häufig in die USA reist, ist das wahrscheinlich gar kein Problem. Andererseits solltet ihr euch gründlich überlegen, ob ihr dieses Privileg aufgeben möchtet.

Sollte man also lieber nicht in den Iran reisen?

Doch! Wenn ihr euch für den Iran und seine Menschen interessiert, ist das Land sicher ein unvergleichliches Erlebnis.

Wichtig ist nur, dass ihr euch vorher gründlich informiert und euch über mögliche Einschränkungen und Konsequenzen im Klaren seid! Dieser Artikel greift zwar viele Punkte auf, dennoch ist jede Situation anders. Ihr solltet euch daher bei Zweifeln lieber direkt an das Auswärtige Amt oder die iranische Botschaft wenden.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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