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Kerosin-Überschuss wegen Corona: Sinkt Dieselpreis bald noch mehr?

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Airlines haben ein völlig neuartiges Problem: überschüssiges Kerosin. (Foto: Pixabay / Holgi)

Weil der Flugverkehr aufgrund der Covid-19-Pandemie so stark eingebrochen ist, sitzen Fluglinien und Ölkonzerne plötzlich auf viel zu viel Kerosin und wissen nicht, wohin damit. Nun sind sie auf ein paar außergewöhnliche Ideen gekommen. Damit könnte der Dieselpreis sogar noch weiter fallen. 

250 Millionen Barrel: So viel Speicherplatz gibt es in etwa auf der Welt für Rohöl. In normalen Zeiten reicht das als Speicher problemlos. Nur: Die Zeiten sind nicht normal.

Fluglinien bleiben am Boden, Menschen zu Hause und selbst, wer noch fliegen kann oder muss, kann dies nur noch sehr eingeschränkt tun. Das Ergebnis: Die Nachfrage nach Kerosin sinkt, die Ölkonzerne werden es nicht los und die Speicher sind so voll, dass bald kein Platz mehr da ist.


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Derzeit gibt es an Land nur noch 20 Prozent Ölspeicherkapazität. Auch reißt sich derzeit niemand so wirklich darum, all das überschüssige Öl zu speichern. Der Preis für Rohöl ist derzeit im Keller. Niemand will also ein „wertloses“ Produkt horten.

Kerosin-Nachfrage: Rückgang um 90 Prozent?

Ganz genau kann natürlich niemand vorhersagen, wie stark die Nachfrage der Fluglinien nach Kerosin weiter sinkt. Normalerweise verbrennen Airlines etwa sieben Millionen Barrel Kerosin pro Tag.

Einige Experten sagen, die sinkende Nachfrage führe zu einem Rückgang von bis zu 50 Prozent im Gesamtverbrauch. Andere sagen sogar, die Gesamtnachfrage könne um 90 Prozent sinken.

Doch selbst im „besten“ Fall würden die Speicher damit nicht mehr sehr lange reichen. Was also tun?

Idealerweise würde man die Ölförderung zurückfahren. Genau das passiert aber derzeit aufgrund eines Streits zwischen den Öl-fördernden Länder nicht.

BP mietet „schwimmenden Ölspeicher“

Einige Anbieter von Ölspeichern überlegen daher tatsächlich ihre Kapazitäten auszuweiten. Sie setzen darauf, dass der Ölpreis gegen Ende des Jahres wieder steigen wird und sie so billig eingekauftes Öl in einigen Monaten mit Profit verkaufen können.

Doch sehr viel Platz ist an Land einfach nicht mehr da. Ölkonzerne schauen deshalb aufs Meer. „Schwimmende Ölspeicher“ wären auf speziellen Schiffen möglich, die das Öl lagern können. British Petroleum (BP) hat nach Informationen der Presseagentur Reuters einen solchen Tanker, die Stena Polaris, vorschichtshalber schon gebucht.

Das ist für ein paar Tage oder Wochen noch okay, darüber hinaus wird es aber schwierig. Zum einen ist so die Gefahr einer Verunreinigung der Meere groß. Viel wichtiger für die Ölkonzerne dürfte aber sein, dass die Qualität des Rohöls sinkt. Für Kerosin braucht man aber eine Top-Qualität.

Das heißt, man könnte das Öl dann nur noch für (weniger profitables) Benzin und Diesel nutzen.

Dieselpreis könnte bald weiter sinken

Im Endeffekt bleibt der Industrie aber nicht viel anderes übrig. Erste Raffinerien haben schon damit begonnen weniger Kerosin und dafür mehr Benzin und insbesondere Diesel zu produzieren. Man kann nämlich mit einem gewissen Anteil Kerosin auch Diesel herstellen.

Auch das ist aber nicht ideal, weil auch die Sprit-Nachfrage derzeit sinkt. Städte fahren ihr ÖPNV-Angebot herunter und Fernbusse sind kaum noch unterwegs. Autofahrer wiederum haben zwar noch ihren PKW, aber wenig Anlass, um damit irgendwohin zu fahren.

Wenn der Industrie aber nichts anderes übrigbleibt, als den Markt mit Diesel zu überfluten, steht sie schon wieder vor dem nächsten Problem: Der Dieselpreise würde noch weiter fallen.

Für Verbraucher wäre das vielleicht sogar noch ein guter Nebeneffekt. Doch für die Ölindustrie sind das keine guten Aussichten. Das gilt zumindest so lange, bis die Pandemie-Situation sich entspannt und die Nachfrage nach Diesel, Benzin und vor allem Kerosin und damit auch die Ölpreise wieder steigen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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