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Bürokratisches Einmaleins für digitale Nomaden: Die richtige Krankenversicherung

geschrieben von Marinela Potor

Es fing mit einem scharfen Schmerz in meinen Händen an. Es war mitten in der Nacht und im Halbschlaf dachte ich, mich haben wohl die Mücken im Regenwald in Guatemala jetzt auch noch an den Händen attackiert. Im Morgenlicht war dann schnell klar: Da waren keine Mücken am Werk. Meine Hände waren knallrot, sie juckten und taten gleichzeitig weh und ich hatte keine Ahnung was los war. Also habe ich natürlich das gemacht, was wohl jeder macht, wenn ihm was weh tut, abwarten und gucken, ob es von alleine weg geht. Glaubt mir, wenn eure Hände unter tropischer Hitze so brennen und jucken und auch noch anschwellen, ist das nicht die beste Idee. Ich habe mich schließlich zur nächsten Apotheke geschleppt und da hat zum Glück eine Krankenschwester gleich richtig diagnostiziert: allergische Reaktion. Fünf Minuten später hatte ich meine Medikamente in der Tasche und nach drei Tagen war auch alles wieder vorbei.

Vorsicht ist besser als keine Krankenversicherung

In meinem Fall hatte ich wirklich Glück, dass eine Krankenschwester auf meine Hände schauen konnte und ein paar Pillen und eine Salbe alles wieder in Ordnung gebracht haben. Doch nicht immer ist man auf Reisen so glücklich und passieren kann immer was (wer achtet schließlich ständig darauf, welche Pflanzen er grad‘ so anpackt) – und glaubt mir,  sich beim Selfie-Machen verletzen passiert öfter als ihr denkt. Genau für solche und natürlich auch ernstere Fälle, empfehle ich eigentlich jedem auf Reisen eine Krankenversicherung – insbesondere aber digitalen Nomaden. Selbst wenn ihr 20 Jahre jung seid und euch unverwundbar fühlt, ihr seid es leider nicht und umso erschreckender ist es, wenn man dann für den Gips und die Krücken im Krankenhaus auf einmal aus eigener Tasche Unsummen zahlen muss.

Welche Krankenversicherung ist die richtige?

Doch was ist die beste Krankenversicherung für digitale Nomaden? Kann man sich überhaupt versichern, wenn man zum Beispiel nicht in Deutschland gemeldet ist? Wie mit allen bürokratischen Fragen für digitale Nomaden, ist auch die Antwort darauf nicht ganz so einfach. Die gute Nachricht: Es gibt für jeden Nomadentyp eine passende Versicherung. Ich unterteile dazu die digitalen Nomaden mal grob in drei Kategorien:

  1. Ihr habt euren Lebensmittelpunkt Deutschland und reist nur einige Monate pro Jahr.
  2. Ihr seid permanent unterwegs, habt euren Aufenthalt oder Wohnsitz noch in Deutschland
  3. Ihr lebt in einem anderen Land oder seid wohnsitzlos unterwegs.

1. Reiseversicherungen für kurze Auslandsaufenthalte (bis 1 Jahr)

Wenn ihr nur wenige Monate pro Jahr auf Reisen geht, könnt ihr wie bei einem normalen Urlaub auch eine Reiseversicherung buchen. Dabei handelt es sich nicht um die in Deutschland üblichen Vollversicherungen, das bedeutet, dass sie auch nur für eure Zeit im Ausland. Während dieser Reisezeit läuft ja auch eure Krankenversicherung in Deutschland ganz normal weiter (es sei denn ihr habt sie pausiert). Da dies ja auch die typische Reisesituation für die meisten sesshaften Menschen ist, findet ihr hier auch die größte Auswahl an Versicherungsanbietern. Einige gute Anbieter scheinen mir hier die ERV, Barmenia oder auch ADAC zu sein.

2. Langfristige Krankenversicherung (1 bis 5 Jahre)

Wenn ihr wirklich eher seltener als öfter in Deutschland seid und wahrscheinlich eh freiberuflich arbeitet, seid ihr höchstwahrscheinlich sowieso privat krankenversichert. Doch eine Krankenversicherung, die euch nur in Deutschland abdeckt, bringt natürlich nicht viel, wenn ihr euch in Thailand den Knöchel verstaucht.

Hier solltet ihr euch über eine langfristige Auslandskrankenversicherung informieren. Je nach Krankenversicherung werden diese im Schnitt über einen Zeitraum von 12 Monaten oder sogar bis zu 5 Jahren abgeschlossen und sichern euch, je nach Paket, in der ganzen Welt ab. Die meisten Auslandskrankenversicherungen klammern dabei die USA und Kanada aus, einfach weil die Krankenhauskosten in diesen Ländern sehr hoch sind. Diese Länder können aber dann meist dazu gebucht werden. Wenn ihr viel in dieser Gegend unterwegs seid, lohnt es sich dann natürlich, das Zusatzpaket zu haben. Die Versicherungspakete sind sich im Groben sehr ähnlich. Hier die wichtigsten Punkte in einer Übersicht:

  • Bei allen Versicherungen, mit denen ich gesprochen habt, müsst ihr bei ambulanter Behandlung in Vorkasse treten (also das Geld für die Behandlung erstmal vorstrecken) und bekommt es erst im Nachhinein erstattet.
  • Zahnbehandlungen sind nur als Notfallbehandlungen (starke Schmerzen) mit eingeschlossen. Reguläre Zahnbehandlungen können aber oft mit Premium-Paketen versichert werden.
  • Ähnliches gilt für Augenbehandlungen. Wenn ihr also meint, ihr werdet diese Dienste oft beanspruchen, bucht sie lieber gleich dazu.
  • Ein Rücktransport ist Teil eures Versicherungspaketes, wenn die Versicherung denkt, dass ihr nur an eurem Wohnsitz angemessen behandelt werden könnt (und meistens gilt hier auch eine Obergrenze von durchschnittlich 3000 Euro an Transportkosten). Achtung: Die Behandlungen im deutschen Krankenhaus danach werden von vielen Versicherungen dann nicht mehr übernommen.
  • Je nachdem wie lange ihr die Versicherung in Anspruch nehmen wollt, kann eine Selbstbeteiligung die Beiträge senken. Hier solltet ihr aber wirklich auf die einzelnen Angebote der Versicherungen achten, ob es sich für euch lohnt oder nicht.
  • Vor dem Abschluss einer Versicherung solltet ihr unbedingt klären, ob ihr auf Heimatbesuch versichert seid, und wenn ja, für welchen Zeitraum. Einige Versicherungen erlischen automatisch, sobald ihr wieder in Deutschland seid, andere bieten weiterhin Schutz, sodass ihr auch in Deutschland zum Arzt gehen könnt.
  • Es kann sein, dass ihr erst unterwegs feststellt, dass ihr eine Krankenversicherung braucht. Bei einigen Versicherern ist das kein Problem und ihr könnt diese auch noch aus dem Ausland abschließen, andere machen das nicht mit. Auch kann es von Vorteil sein, wenn eure Versicherung flexibel ist und ihr viele Angelegenheiten per Email, telefonisch oder über die Webseite eurer Versicherung klären könnt.
  • Seid ihr mit Kindern oder als Familie unterwegs? Dann solltet ihr natürlich auch klären, ob eure Kinder und Ehepartner mitversichert sind und unter welchen Bedingungen.

Dann noch ein bürokratischer Hinweis: In Deutschland gilt eine Pflicht zur lückenlosen Versicherung. Das heißt, ihr müsst per Gesetz in Deutschland immer voll versichert sein. Wenn ihr beispielsweise eure Krankenversicherung kündigt, auf Reisen geht, zwischendurch aber auch in Deutschland seid, und euch eine Reiseversicherung zulegt, fragt immer bei eurer gesetzlichen Krankenkasse nach, ob diese Versicherung anschließend als lückenlose Versicherung anerkannt wird.

Ein anderer sehr wichtiger Punkt für digitale Nomaden ist: Klärt, ob ihr eine Versicherung abschließen könnt, wenn euer Wohnsitz nicht in Deutschland ist bzw. wenn ihr wohnsitzlos seid. Das ist für viele Versicherungen ein Problem, andere wiederum versichern auch digitale Nomaden ohne Wohnsitz.

Das Onlinevergleichsportal reisepolice.com hat für MeinLeben.digital freundlicherweise eine Übersichtstabelle zusammengestellt, auf der ihr verschiedene Auslandskrankenversicherungen direkt miteinander vergleichen könnt. Hier findet ihr passende Angebote von AXA, Würzburger, Hanse Merkur, und BDAE. Die komplette Tabelle könnt ihr hier herunterladen: Versicherungsvergleich_Langzeit-AKV

Darüber hinaus haben meine Recherchen ergeben, dass auch die Reisepolicen von Dr. Walter sowie von Mawista sehr gute Optionen für digitale Nomaden sind, die langfristig im Ausland unterwegs sind.

3. Krankenversicherungen für wohnsitzlose digitale Nomaden

Wenn ihr nicht in Deutschland wohnt, sondern als Expats in einem anderen Land lebt und arbeitet, gibt es natürlich dann, je nach Land, entweder eine staatliche Versicherung, die ihr abschließen könnt oder bestimmte Versicherungsregeln die ihr beachten müsst. Innerhalb der EU gilt auch eure deutsche gesetzliche Krankenversicherung weiterhin, allerdings unter Umständen nicht im gleichen Umfang wie in Deutschland.

Für digitale Nomaden ist es aber viel wahrscheinlicher, dass ihr als Freelancer in einem anderen Land lebt und arbeitet oder eben als wohnsitzlose Nomaden unterwegs seid und dann erstmal ohne Krankenschutz dasteht. Hier habt ihr zwei Möglichkeiten: Ihr sucht euch entweder eine deutsche Versicherung, die euch trotz wohnsitzlosem Dasein oder mit Wohnsitz im Ausland versichert, oder ihr schließt eine internationale Krankenversicherung ab. Hier sollte euch nur klar sein, dass bei ausländischen Versicherungsanbietern auch nicht mehr die deutsche Rechtsprechung gilt. Viele ausländische digitale Nomaden schwören dabei auf die Worldnomads Krankenversicherung und ich kann ebenfalls den Global Health Tarif von Foyer Santé  empfehlen. Darüber hinaus findet ihr hier eine sehr gute Übersicht über ausländische Krankenversicherungen.

Ganz wichtig: Informiert euch gründlich, lest das Kleingedruckte und vor allem – vergleicht verschiedene Angebote. Es ist nicht unbedingt so, dass ein und dieselbe Versicherung für alle digitale Nomaden geeignet ist. Je nach persönlicher Situation, gibt es auch unterschiedliche Angebote, die besser zu euch passen. Nehmt euch daher die Zeit, um die Versicherungen zu vergleichen. Für einen ersten Überblick könnt ihr auch Onlinevergleichsportale wie reisepolice24 oder reiseversicherung.com nutzen.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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