Transport

Spanien kämpft mit E-Bikes und autonomen Shuttles gegen Kreuzfahrttouristen

Kreuzfahrtschiff Ibiza MS Orchestra
Foto: Pixabay / BEWI
geschrieben von Marinela Potor

Die Kreuzfahrttouristen bringen Spaniens Hafenstädte langsam aber sicher an ihre Grenzen. Wenn gerade im Sommer täglich Tausende von Bord gehen, herrscht regelmäßig Verkehrschaos. Von erhöhten Emissionen ganz zu schweigen. Dagegen gehen die Städte jetzt aktiv vor, unter anderem mit E-Bikes und autonomen Shuttles.

Spaniens Touristenhochburgen platzen aus allen Nähten. Rekordbrechende 82 Millionen Reisende kamen 2017 ins Land und das spanische Tourismusministerium erwartet allein in diesem Sommer 30,4 Millionen internationale Reisende.

Neben grölenden Deutschen auf Mallorca und tourenden Millennials in Barcelona scheint es dabei eine neue Gruppe von Reisenden zu geben, die den Spaniern immer mehr zu schaffen macht: die Kreuzfahrttouristen.

Das Problem dabei: Tausende von ihnen stürmen täglich in die Städte und sorgen dabei für ein riesiges Verkehrschaos. Vor allem Küstenstädte wie Barcelona, Valencia und Malaga oder Palma de Mallorca leiden darunter.

Häfen Kreuzfahrtschiffe Mittelmeer Statistik

Die beliebtesten Häfen für Kreuzfahrtschiffe im Mittelmeer (Foto: Statista)

Jetzt versuchen die spanischen Städte dafür kreative Lösungen zu finden und bieten unter anderem E-Bikes oder Carpooling an.

Wenn 4.000 Menschen gleichzeitig eine Stadt stürmen

Zwar ist der Anteil der Kreuzfahrttouristen im Vergleich zu Touristen, die per Flugzeug oder Auto ankommen verhältnismäßig gering. Lediglich neun Millionen aller Touristen kamen 2017 per Schiff. Dennoch bringt das Timing der Kreuzfahrtschiffe die Hafenstädte in Bedrängnis.

Da Kreuzfahrten weltweit einem ähnlichen Fahrrhythmus folgen, kommen die Schiffe fast immer alle zur gleichen Zeit in den Häfen an. Wenn dann 4.000 Menschen gleichzeitig zum Beispiel vom Hafen in die Innenstadt von Barcelona stürmen, ist das Verkehrschaos vorprogrammiert.

Die Einheimischen fühlen sich davon verständlicherweise belästigt. Mehrere Organisationen haben in diesem Jahr verschiedene Anti-Tourismus-Aktionen und Proteste gegen den Massentourismus ins Leben gerufen die erhöhten Emissionen, die durch die Kreuzfahrtschiffe in den Städten entstehen.

Was können die überfüllten Hafenstädte dagegen tun?

Sind E-Bikes die Lösung?

Fernhalten möchte man die Touristen nicht, da die Kreuzfahrtschiffe eine wichtige Einnahmequelle für Spanien sind.

2017 sorgten sie für fast 11 Prozent der Tourismuseinnahmen im Land und generierten 1,3 Milliarden Euro. Darüber hinaus beschäftigt die Industrie direkt und indirekt 28.600 Spanier.

Um daher die Verkehrssituation zu entlasten und die Emissionen zu reduzieren, setzen Städte auf kreative Mobilitätslösungen.

In Barcelona warten etwa spezielle Busse auf die Touristen, die diese an der Stadt vorbei zum Strand fahren.

Darüber hinaus haben die meisten Hafenstädte E-Bikes am Hafen aufgestellt, mit denen die Kreuzfahrttouristen in die Innenstädte fahren sollen. Diese werden sogar zum Teil über Solarenergie geladen. Einige Unternehmen bieten sogar E-Bike-Touren an. Das funktioniert allerdings noch nicht so reibungslos.

Denn erstens ist das Angebot vielerorts nicht ausreichend. Auch kommen die Kreuzfahrttouristen von den Schiffen oft mit einer All-Inclusive-Mentalität an Land und wollen selbst die günstigen Preise für die E-Bikes nicht zahlen.

Doch auch Einheimische protestieren gegen die Idee. In Palma auf den Kanaren fehle zum Beispiel die Infrastruktur für so viele Fahrradfahrer und die Bewohner befürchten mehr Unfälle durch die schnellen E-Bikes.

Kreuzfahrtsteuer soll in Mobilitätslösungen investiert werden

Doch auch das möchten die Städte künftig ändern. Sie verlangen von den Kreuzfahrttouristen mittlerweile eine Steuer. In Palma sind das drei Euro pro Person pro Tag, in Barcelona 2,25 Euro. Mit diesem Geld sowie mit Mitteln aus EU-Fördertöpfen sollen zum Beispiel Fahrradwege oder alternative Verkehrsangebote finanziert werden.

Dazu gehören neben den E-Bikes auch Carpooling oder Elektroautos, die die Touristen mieten können. In Malaga wiederum möchte die Stadt in autonome E-Shuttles investieren, die die Touristen effizienter und umweltfreundlicher transportieren können.

Ob das reicht, ist allerdings unklar. Denn der Branchenverband Cruise Lines International Association erwartet einen weiteren Anstieg beim Kreuzfahrttourismus.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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